Er macht feine Stifte aus uraltem Holz

Martin Scheibner (l.) mit den Kugelschreibern, die aus Balken von abgerissenen Rader Fachwerkhäuser hergestellt sind. Armin Werker hat sie im Angebot. Foto: Claudia Radzwill
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Martin Scheibner (l.) mit den Kugelschreibern, die aus Balken von abgerissenen Rader Fachwerkhäuser hergestellt sind. Armin Werker hat sie im Angebot.

Martin Scheibner fertigt Schreibgeräte aus Balken der alten Fachwerkhäuser der Nordstraße

Von Claudia Radzwill

Vier Eichenbalken hat sich Martin Scheibner abgeholt, als in der Nordstraße die alten Fachwerkhäuser abgerissen wurden. Rund einen Meter waren sie lang, erzählt er. Daraus entstanden nun die ersten Druck- und Drehkugelschreiber. Alles handgemachte Unikate. Jeder mit seiner eigenen Maserung. Mit einer Geschichte dahinter. Perfekte Weihnachtsgeschenke.

Rund 1600 Schreibgeräte hat Martin Scheibner in den letzten 16 Jahren gefertigt. Mit den alten originalen Fachwerkbalken schafft Martin Scheibner nun ein ganz besonderes Reihe von Kugelschreibern. „Nach dem großen Stadtbrand 1802 wurden viele Balken wiederverwendet. Das Holz wird ungefähr 200 Jahre alt sein“, schätzt Scheibner.

Und 100 Jahre steht eine Eiche, bis sie gefällt wird, ergänzt Armin Werker. Der Garten- und Landschaftsbauer führt das Geschäft „GartenWerker“ an der Kaiserstraße. Hier werden die Schreibgeräte von Martin Scheibner verkauft - unter anderem. Auch im Unverpackt-Laden gibt es welche und man kann sich mit Scheibner in Verbindung setzen.

Für die Arbeit am Holz aus den Fachwerkhäusern hat er sich ein Extra-Sägeblatt angeschafft, dass auch mal einen Nagel verträgt. „Man weiß ja nie, was sich in alten Balken befindet,“ sagt er. Die Balken waren unterschiedlicher Art. „Holz, das im Innern verbaut wurde, ist trocken und sofort verwendbar. Ich habe aber auch Holz, das ein Kollege erst stabilisiert hat.“ Mit Exposit-Harz werden die Risse aufgefüllt, mit Luftunterdruck die Öffnungen dicht gemacht.

Wichtig ist ihm, dass die Geräte gut in der Hand liegen

Aus den alten Balken hat Scheibner zunächst kleinere Rohlinge geschaffen. Die werden durchbohrt für die Hülse, in die später die Mine kommt und gedrechselt zur Stiftform. Danach bekommt jeder Stift einen Feinschliff. Die Stifte werden geölt oder gewachst. Manchmal lässt Scheibner die Oberfläche unbehandelt. Ihm ist es wichtig, dass die Schreibgeräte geschmeidig in der Hand liegen, daher haben sie im Verkauf den Namen „Martins Schreibschmeichler“.

Das Holzhandwerk begleitet den Kantor der lutherischen Gemeinde, der Ende Dezember in Ruhestand geht, schon lange. Alle Möbel im Haus hat er selber gebaut, danach wollte er Dinge aus Holz zu schaffen, „die man nicht verschenken muss, damit sie woanders als im eigenen Wohnzimmer vollstauben, also keine ‘Stehrumsel’“. Die Anregung zum Kugelschreiber-, Federhalter- und Bleistiftdrechseln kam durch einen drechselnden Cellistenkollegen - und wurde zum Schwerpunkt von Scheibners Arbeiten. Die Idee, sich Balken der Fachwerkbauten abzuholen, hatte seine Frau Claudia, erzählt er. Und noch ist genug da, um Nachschub zu fertigen.

www.schreibschmeichler.de

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