2G galt beim Theaterbesuch

Eindrucksvolles Spiel um Sein und Schein im Bürgerhaus

Das Ensemble des Landestheater Detmold zeigte den Sandmann im Rader Bürgerhaus (v. l.): Hartmut Jonas, Adrian Thomser, Manuela Stüßer und Emanuel Weber. Foto: Claudia Radzwill
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Das Ensemble des Landestheater Detmold zeigte den Sandmann im Rader Bürgerhaus (v. l.): Hartmut Jonas, Adrian Thomser, Manuela Stüßer und Emanuel Weber.

Landestheater Detmold zeigte E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ als Bühnenadaption.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Mit dem Stück „Der Sandmann“ veröffentlichte E.T.A. Hoffmann ein vielschichtiges Werk. Mit verschachtelter Handlung und vielseitigen Motiven, umschrieb es Laura Friedrichs. Die Dramaturgin des Landestheaters Detmold hielt am Mittwochabend im Bürgerhaus am Schlossmacherplatz für die Besucher eine kleine Einführung in das Stück, bevor das Ensemble den „Sandmann“ zeigte.

Eine „Erzählung in der Tradition des Kunstmärchens der Schwarzen Romantik“ wird das Stück genannt. Ein Spiel zwischen Wahn und Sein. Verstörend, düster einerseits - satirisch anderseits. Zugegeben, keine leichte Kost. Das Landestheater setzte die Erzählung in einer eindrucksvollen Inszenierung um.

Das Spiel akzentuiert das Makabere der Erzählung

Zum Inhalt: Der junge Nathanael wächst mit den Worten „Der Sandmann kommt“ auf. Immer, wenn die Mutter das sagt, bekommt sein Vater Besuch von Advokaten Coppelius. Beide führen heimlich alchimistische Experimente durch, wollen Puppen zum Leben erwecke. Bei einem dieser Experimente kommt Nathanaels Vater ums Leben. Jahre später stößt Nathanel auf des Glashändler Coppola - er glaubt, in ihm Coppelius zu erkennen.

Traumatisiert durch den Tod des Vaters wird er von da ab seinen eigenen Dämonen verfolgt. Verstärkt wird der Wahnzustand Nathanaels, als er auf die „Tochter“ Olimpia seines Professors Spalanzani trifft. Wie sich herausstellt, ist sie eine mechanische Puppe. Für Nathanael wird sie aber mit Blick durch eine von Coppolas gekaufte Fernglasbrille lebendig. Realität und Traum vermischen sich. Seine Verlobte Clara leidet darunter. Ihr Bruder Lothar, ein Freund Nathanaels, duelliert sich daher mit ihm - für Nathanael endet das Geschichte am Ende tragisch.

E.T.A Hoffmann vereint im Sandmann zwei Motive der Romantik: die Angst vor technischen Neuerungen und die Faszination zu unheimlichen, schaurigen Begebenheiten, führte Laura Friedrichs aus. Regisseur Benedikt Grubel - von ihm stammt auch die Bühnenfassung - nimmt das in seiner Inszenierung auf. Das Spiel akzentuiert das Makabere, das Groteske der Erzählung - und wird unterstützt von einem minimalistisches, aber wandlungsfähiges Bühnenbild (Anna Brandstätter) und Licht-, Video- und Toneffekten, die auch mal ganz unerwartet auf das Publikum treffen. Der Roman erzählt die Geschichte erst in Briefform, dann in Erzählform, dann übernimmt ein allwissender Erzähler.

Benedikt Gruber lässt das vierköpfige Ensemble von Anfang an die Positionen von Erzählfiguren übernehmen. Sie wenden sich ans Publikum, geben Rückblicke, halten die Geschichte zusammen. Aus der Erzählung heraus schlüpfen sie dann immer wieder in die Personen aus Hoffmanns Werk.

Auf der Rader Bühne wurde Adrian Thomser zu Nathanael, Manuela Stüßer zu Clara und Professor Spalanzani. Hartmut Jonas verkörpert Coppola, Coppelius und die Mutter, Emanuel Weber unter anderem Lothar. Ein eindrucksvolles Spiel um Sein und Schein, um ein entfremdetes Leben - und um den engen Grad der Grenzverschiebung von real zu irreal. Und um die Frage, was man in einen anderen hineinspiegeln will. Die Bühnenadaption des Romans zog in den Bann. Es war ein Abend mit einem fesselnden Schauspiel - gezeigt von einem facettenreichen Ensemble.

Der Theaterbesuch im Bürgerhaus stand abermals unter tagesaktuellen Corona-Schutzmaßnahmen. Für Kulturveranstaltungen gelten 2-G-Regel und Maske bis am Platz. Der Radevormwalder Kulturkreis setzt darüber hinaus die Besucher im Saal nach Schachbrettmuster und hat die Besucheranzahl reduziert.

Hintergrund

Theater: Das Landestheater Detmold hatte das Stück erstmals im März 2021– im Lockdown - als filmische Inszenierung gezeigt.

Kulturkreis: Für Sonntag, 12. Dezember, lädt der Kulturkreis - Stand heute und abhängig von der Entwicklung der Corona-Pandemie - zur „Weihnachtsgeschichte“ nach Charles Dickens ein, aufgeführt vom Landestheater Neuss. Beginn ist um 15 Uhr.

Karten: In der Stadtbücherei am Schlossmacherplatz.

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