Instrumentengruppen finden zusammen

Ein Orchester findet für „Amerika“ zusammen

Hochkonzentriert ging es bei den Proben zu.
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Hochkonzentriert ging es bei den Proben zu.

Musiker aus ganz Deutschland proben bei den „Sinfonischen Orchestertagen“ gemeinsam.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Gut gelaunt, mit ihren Instrumenten unterm Arm, trudeln am Sonntagnachmittag langsam alle Musiker in der Ernst-Mohr-Halle der evangelischen Jugendbildungsstätte in Radevormwald ein. Die Mühen der vergangenen Tage sind ihnen nicht anzusehen. Im Gegenteil: Die Freude über dieses besondere Projekt überwiegt offenkundig.

Seit Donnerstagnachmittag sitzen die Musikerinnen und Musiker bereits konzentriert an der Telegrafenstraße zusammen und proben wie die Weltmeister. Einige von ihnen kennen sich von anderen Projekten, andere sind sich völlig fremd, und dennoch müssen sie alle gemeinsam in kürzester Zeit eine Einheit bilden, um am Pfingstmontag ihr großes Konzert unter dem Motto „Amerika“ zu absolvieren.

Der Vorstand des Vereins „Sinfonische Orchestertage“, der sich im vergangenen Jahr gründete, hatte sich zwei Stücke gewünscht, verrät Dirigent Desar Sulejmani: „Sie wollten unbedingt das Stepptanzkonzert von Gould spielen und ein Stück von Copland. Da bot es sich einfach an, auch die neunte Sinfonie von Antonín Dvořák dazu zu nehmen und das Konzert unter den Titel ,Amerika‘ zu stellen“, erklärt Sulejmani. Die Noten der Stücke erhielten die Teilnehmenden, allesamt versierte Musiker, bereits im vergangenen Herbst. So konnte jeder für sich, je nach Instrument, die drei Werke einstudieren.

Doch die große Herausforderung sollte über Pfingsten folgen. „Die große Kunst ist nun alles zusammenzufügen, so dass es nicht nur gut klingt, sondern dass die Musiker eine Einheit bilden“, sagt Sulejmani. Selbst für Profimusiker sei ein solches Projektorchester eine sehr anspruchsvolle Arbeit. „Sachen schnell zu lernen ist für sie kein Problem, sich zu finden und unter diesem Zeitdruck solche anspruchsvollen Stücke zu proben, ist für alle schwierig, aber auch sehr interessant“, erläutert der künstlerische Leiter.

Die verschiedenen Instrumentengruppen probten zunächst mit ihren jeweiligen Dozenten. Erst im weiteren Verlauf der Orchestertage kamen alle Musiker zusammen, um erstmals das Gesamtwerk mit allen Teilnehmenden zu üben. Am Sonntag in der Ernst-Mohr-Halle klang das bereits schon sehr solide, wobei das geschulte Ohr des Dirigenten natürlich auch hier die Feinheiten herausarbeiten wollte.

Immer wieder stoppt Sulejmani die Musiker. „Das Tempo stimmt nicht“, sagt er kurz, gibt minimale Anweisungen an seine Blechbläser, rückt die zweiten Geigen zurecht und lässt noch mal beginnen. Für den Laien klingt auch die zweite Version gut, doch tatsächlich kommt durch die minimal erhöhte Schnelligkeit auch mehr Leichtigkeit ins Stück. Der Dirigent nickt zufrieden. „Noch mal.“

Seitlich steppt sich Bernd Paffrath passend zur Melodie in Rage. Das Klackern seiner Schuhe fügt sich perfekt in das Stück ein. Auch er hat über die vergangenen Monate alleine an seiner Darbietung gefeilt und muss nun im Einklang mit dem Orchester seine Choreografie synchronisieren.

Noch klingt nicht alles so, wie es der Dirigent haben will, doch ist er zuversichtlich, dass es bis zum Konzertabend sitzen wird. „Wir haben noch etwas Zeit und am Montag vor dem Konzert auch noch eine Generalprobe. Ich verlasse mich da ganz auf meine Musiker.“ Perfektion sei anzustreben, doch wesentlich wichtiger findet Sulejmani, dass die Instrumentalisten die Stücke auch genießen können. „Das funktioniert nur mit einer gewissen Sicherheit, die die Musiker bekommen, je häufiger wir zusammenspielen.“ Ann-Kristin Mertmann, Anne Rößler und Anissa Zoghlami vom Vorstand des Vereins Sinfonische Orchestertage sind mit der Premiere des Projekts mehr als zufrieden. „Die ganze Arbeit ist es wert, wenn man das hier so sieht und hört“, ist Zoghlami nach den Proben am Sonntag überzeugt. Natürlich seien die Tage anstrengend, aber eben auch sehr schön, weil sie mit vielen Musikern aus ganz Deutschland zusammenkommen und sich austauschen können. Auf das Konzert freuen sie sich als Vorstand und Musikerinnen sehr. Rund 200 Gäste haben sich bereits angekündigt. Die Aufregung steigt. „Nervosität gehört dazu“, sagt Mertmann und lächelt.

Hintergrund

Vorgeschichte: Hervorgegangen sind die Sinfonischen Orchestertage in Radevormwald aus den Coesfelder Orchestertagen, die erstmals 1982 stattfanden. Weil dort das Konzept geändert wurde, wollten viele Teilnehmende ihre Arbeit in einem anderen Rahmen fortsetzen. So wurde 2021 der Verein um die Wuppertaler Violinistin und Vereinsvorsitzende Ann-Kathrin Mertmann geboren, Tochter des Organisten und Musikwissenschaftlers Joachim Dorfmüller.

Zur Kooperation: Partner für die Orchestertage ist die Musikschule in Radevormwald. Auch die städtische Tourismus- und Eventbeauftragte Kirsten Hackländer unterstützt das engagierte Vorhaben des Vereins.

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