Amtsgericht

Drogen-Bestellung für bunte Batik-Shirts?

Das Amtsgericht in Wipperfürth.
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Das Amtsgericht in Wipperfürth.

40-jährigem Rader wurde der Besitz von Betäubungsmitteln vorgeworfen.

Von Brigitte Neuschäfer

Anscheinend ist ein 40-jähriger arbeitsloser Handwerker, der sich jetzt als Angeklagter vor dem Amtsgericht in Wipperfürth verantworten musste, nur eine Randfigur in einer Reihe von Ermittlungsverfahren gegen die Drogenszene in Rade und Umgebung. Deshalb machte der Richter am Amtsgericht in Wipperfürth auch kurzen Prozess im Strafverfahren gegen den Radevormwalder: Er stellte nach wenigen Minuten der Hauptverhandlung, kurzer Sitzungsunterbrechung und Beratung mit den Schöffen, der Staatsanwältin und dem Verteidiger das Verfahren vorläufig gegen Auflagen ein.

Der Anklagevorwurf lautete auf „Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ in zwei Fällen. Demnach hatte der Angeklagte im Herbst 2020 und noch einmal im Januar 2021 bei einem Anbieter, gegen den ebenfalls inzwischen ein Strafverfahren läuft, jeweils 500 Gramm einer pulverisierten südamerikanischen Pflanze bestellt, die halluzinogene Wirkstoffe enthält.

Sie gilt deshalb als Naturdroge und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Allein der Besitz des pflanzlichen Rauschgifts, das dem Rader umgehend nach der Bestellung nach Hause geliefert worden war, ist strafbar. Die gesetzlich definierte „nicht geringe Menge“, die sich nach dem Wirkstoffgehalt bemisst, macht den Besitz nach dem Strafgesetzbuch zum Verbrechen, für das Freiheitsstrafe droht.

Das Pulver bestellt und besessen zu haben, leugnete der 40-Jährige nicht. Allerdings habe er dabei nicht die Droge im Auge gehabt, sondern das Pflanzenpulver zu ganz harmlosen Zwecken nutzen wollen: zum Färben von T-Shirts und Tüchern. Treuherzig erklärte er dazu dem Gericht: „Ich bin Veganer, da lag es für mich nahe, für meine Batik-Arbeiten ein pflanzliches Färbemittel zu benutzen.“ Als genau das wird die Naturdroge aus Südamerika unter anderem auch im Internet angeboten und verkauft, was aber am Rauschgift-Wirkstoff und also am Verbot des Besitzes nichts ändert.

Angeklagter hat Erinnerungslücken

Die mit dem Pulver gebatikten Shirts und Tücher in kräftigem Lila-Ton habe er dann als Deko und Bekleidung für Hippie-Partys mit Freunden unter anderem in Lindlar genutzt, erzählte der Angeklagte weiter. Auch auf die Frage der Staatsanwältin, warum es nur Wochen nach der ersten Bestellung des Pflanzenpulvers schon die zweite gegeben hatte, hatte der Angeklagte eine verblüffend simple Antwort: Batik-Shirts und -Tücher verschlissen bei den großen Partys im Freien und bei jeder Witterung schnell, so habe er für die bunten Feten eben neue färben müssen. Erinnerungslücken hatte er allerdings, als der Richter nach den Namen der Freunde fragte, mit denen er die Partys angeblich gefeiert hatte. Das wisse er heute nicht mehr, gab der Mann zu Protokoll.

An diesem Punkt unterbrach der Vorsitzende Richter die Verhandlung, ohne sich vorher inhaltlich mit der Geschichte des Angeklagten intensiver auseinanderzusetzen. Ergebnis des Gesprächs zwischen den Prozessbeteiligten war die vorläufige Einstellung des Verfahrens, mit der sich auch der wegen früherer Drogendelikte vorbestrafte Radevormwalder und sein Verteidiger erkennbar erleichtert einverstanden erklärten.

Als Auflagen muss der arbeitslose Handwerker, der derzeit auf eine Umschulung wartet, 600 Euro an die Staatskasse zahlen und 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Kommt er dem nach, wird das Strafverfahren gegen ihn endgültig eingestellt.

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