Prozess

Dreiste Tankmasche landet vor Gericht

Der Richter warnte den Angeklagten: Falls er sich nicht bessere, könnten die Kinder andere Obhut kommen.
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Der Richter warnte den Angeklagten: Falls er sich nicht bessere, könnten die Kinder andere Obhut kommen.

Vierfacher Familienvater zahlte mit ungedeckter Sparkassen-Karte

Von Heike Karsten

Radevormwald. Die dreiste Masche, um kostenlos an Sprit zu kommen, hat nicht nur einmal funktioniert. Gleich sechs Mal hatte ein 30-jähriger Familienvater aus Schalksmühle an Tankstellen in verschiedenen Orten getankt und mit einer ungedeckten EC-Karte bezahlt. Das Konto, über das die Abbuchungen erfolgen sollten, hatte er bei einem Radevormwalder Geldinstitut. Jetzt stand der Schalksmühler als Angeklagter vor dem Wipperfürther Amtsgericht.

Der Anklagevorwurf ging jedoch noch weiter: So hatte der Mann über Ebay einen Apple Kompaktcomputer (Mac Mini) verkauft, aber nie geliefert und auch den Kaufpreis von 75 Euro nicht erstattet. „Ich habe es einfach noch nicht geschafft, das Geld zurückzuerstatten“, sagte der 30-Jährige. Dabei liegen die Taten, die zwischen August 2019 und Januar 2020 begangen wurden, nun schon fast drei Jahre zurück.

Als zuverlässig erwies sich der Angeklagte schon in der Vergangenheit nicht. Einen Termin mit seiner Bewährungshelferin hatte er ohne Absage versäumt. Zwölf Vorstrafen hat er bisher auf seinem Konto angesammelt, darunter mehrfach Betrug und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Einen Wermelskirchener Baumarkt hatte er sogar um einen Betrag von über 4000 Euro geprellt, weswegen der Schalksmühler derzeit unter Bewährung steht.

Richter gibt dem Familienvater einige Ratschläge

Die Familienverhältnisse spiegelten eine traurige Geschichte wider. So habe der Vater von vier Kindern zwischen zwei und acht Jahren seine letzte Arbeitsstelle von sich aus gekündigt, da seine Frau aufgrund einer Erkrankung mit der Erziehung der Kinder überfordert war. „Die Familie wird vom Jugendamt betreut“, berichtete die Bewährungshelferin. Zudem liege in der Familie eine unübersichtliche Schuldenproblematik vor.

Die offenen Tankbeträge lagen zwischen 22 und 46 Euro; insgesamt wurden 153,20 Euro nicht bezahlt. „Meine Frau hatte Probleme mit ihrer EC-Karte“, versuchte sich der Beschuldigte herauszureden. Die fadenscheinigen Erklärungsversuche ärgerten den Richter: „Versuchen Sie nicht, mich zu verarschen. Sie sind schon Dutzende Male einschlägig in Erscheinung getreten. Ihre Erklärungen können mich nicht ansatzweise überzeugen.“

Dennoch sprach sich der Richter dafür aus, dem Familienvater noch eine letzte Chance zu geben. „Ich tue mich wegen der Bewährung schwer, die Sache einzustellen“, äußerte die Staatsanwältin berechtigte Bedenken. Der Angeklagte versprach, den entstandenen Schaden wiedergutzumachen und das Geld zurückzahlen zu wollen.

Der Richter stellte das Verfahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft ein, gab dem Familienvater aber noch einige Ratschläge mit auf den Weg: „Sie sind angezählt in jedem Bereich. Mehr Hilfe als jetzt können Sie vom Staat nicht erwarten“, betonte er. Ebenso mahnte er den 30-Jährigen vor weiteren Straftaten: „Wenn Sie einsitzen, müssen Ihre Kinder anderweitig untergebracht werden.“ So weit wolle er der Schalksmühler jedoch nicht kommen lassen, wie er am Ende der Verhandlung versicherte.

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