Erstes Brot soll noch 2022 gebacken werden

Dorfbewohner stemmen Gemeinschaftsprojekt

Jasmin Windemuth (v. l.), Lena Bechem, Elma Windemuth, Beate Bröring, Mathis Kösters mit Jonte und Timo Bechem fiebern dem Brotbackofen entgegen.
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Jasmin Windemuth (v. l.), Lena Bechem, Elma Windemuth, Beate Bröring, Mathis Kösters mit Jonte und Timo Bechem fiebern dem Brotbackofen entgegen.

Brotbackofen und Fachwerkhäuschen in Dürhagen nehmen Gestalt an.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Oberbergischer Kreis. Es hat sich eine Menge getan in der Außenortschaft oberhalb der Wupper-Talsperre, die zusammen mit Steffenshagen und Voßhagen so etwas wie ein Hofschaften-Dreieck bildet. Zumindest in einem kleinen Teil von Dürhagen. Anfang Juli hatten die Anwohner dort auf einer Wiese an einer Scheune nämlich zunächst ein Fundament gebaut, auf dem ein Brotbackofen für alle Einwohner der drei Ortschaften entstehen soll. Jetzt, etwa ein Vierteljahr später, steht der Ofen – und wieder helfen alle Bewohner mit, um nun noch ein Fachwerkhäuschen um den Ofen zu bauen. Das Projekt ist vom Oberbergischen Kreis gefördert worden – als Teil der Dorfentwicklung. 20 Prozent Eigenleistung kamen aus dem Dorf.

„Das ist vor allem durch Arbeit geschehen“, berichtet Anwohnerin Beate Bröring. An diesem Samstag sind die Anwohner trotz nieseligen Regenwetters wieder fleißig. „Ofenbauer Stefan Theis war Ende September hier. Wir haben zusammen an zwei Tagen den Ofen gebaut – auch das war wieder eine Gemeinschaftsleistung“, sagt Bröring. Auf den aus Steinen modellierten Ofen trugen die Dorfbewohner erst eine Schicht Dämmung und dann ein Stroh-Lehm-Gemisch auf. „Heute haben wir uns aufgeteilt – eine Hälfte macht die abschließende Lehmschicht auf den Ofen, die andere kümmert sich um das Fachwerk, das dann um den Ofen aufgestellt wird“, berichtet die Anwohnerin.

Und tatsächlich sind neben der Scheune, unter einem Zelt, zwei Holzböcke aufgestellt, auf denen Balken liegen, die in die passende Länge gesägt werden. Die Balken sehen nicht so aus, als würden sie aus dem Baumarkt stammen, vielmehr verströmen sie einen rustikalen Charme. „Wir haben – nach relativ langer Suche – in Wiehl ein altes Fachwerkhaus gefunden, das abgebrochen werden sollte. Und da haben wir die Balken gekauft.“ Und nicht nur die Balken sind alt – echte, massive Eichenbalken, ein sehr haltbares Holz –, auch die Methode, wie sie zum Fachwerk zusammengebaut werden, ist es. „Wir haben uns dazu entschieden, das Fachwerk mit Nut, Feder und Holznägeln zusammenzubauen“, so Bröring.

Zum Abschluss wird das Fachwerk dann auf Schwellbalken rund um den Ofen aufgestellt werden, die wiederum links und rechts je einem Stein ruhen. „Auf diese Weise bekommt der Balken Luft, was verhindert, dass er fault.“

Der Ofenbau sei insgesamt deutlich schneller gegangen als gedacht. „Das hat uns auch Stefan Theis bestätigt – was eben an der Mitarbeit aller Dorfbewohner gelegen hat. Die einen haben gemauert, die anderen Steine geschnitten, wieder andere haben den Stroh-Lehm-Mix angerührt. Es war eine richtige Gemeinschaftsleistung“, zeigt sich Beate Bröring begeistert.

Eine Gemeinschaftsleistung, die ihre Fortsetzung gefunden hat. Je mehr man in Eigenleistung macht, umso länger dauert es in der Regel. Gut, dass es beim Brotbackofen in Dürhagen kein Zeitlimit gibt – außer vielleicht das selbstgesetzte. „Schön wäre es, wenn der Ofen noch in diesem Jahr fertig werden würde, so dass das erste Dürhager Brot noch 2022 gebacken werden könnte“, sagt Bröring. Zunächst einmal müsse nun aber die jetzt aufgetragene Lehmschicht zwei Wochen trocknen. Und dann fehlt noch die Dacheindeckung auf dem Fachwerkhäuschen um den Ofen. „Dafür haben wir den Dachdeckerbetrieb Riemer gewinnen können. Die Mitarbeiter werden uns eine sogenannte wilde Deckung mit Schiefer machen“, sagt Bröring.

Offizielle Einweihung könnte im Dezember erfolgen

Dabei handelt es sich um eine Schieferdach-Deckung, in der die Schieferschindeln scheinbar willkürlich gelegt werden. Auch für Profis ist das eine ziemliche Herausforderung.

Zwar ist in dem vom Kreis geförderten Ofen schon ein kleines Probefeuer angezündet worden. Eine Weile wird es aber noch dauern, bis er offiziell eingeweiht wird. „Vielleicht wird es ja ein Adventsbrot geben, wenn zeitlich alles klappt“, sagt Beate Bröring schmunzelnd.

Dorfgemeinschaft

Nutzung:Während in erster Linie die Menschen in Voßhagen, Steffenshagen und Dürhagen den Brotbackofen nutzen werden, kann man sich dort auch  vorstellen, ihn als „außerschulischen Lernort“ für Kindergärten oder Schulen zur Verfügung zu stellen.

Fördermittel: Insgesamt hatte der Oberbergische Kreis 100.000 Euro ausgeschüttet, die Fördersumme pro Projekt durfte 10.000 Euro nicht über- und 500 Euro nicht unterschreiten. 80 Prozent der Kosten wurden vom Kreis übernommen.

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