Heimatmuseum

Die Plattkaller sind wieder da

Die fröhliche Runde der Plattkaller in der bergischen Wohnküche des Radevormwalder Heimatmuseums.
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Die fröhliche Runde der Plattkaller in der bergischen Wohnküche des Radevormwalder Heimatmuseums.

Mundartfreunde treffen sich wieder regelmäßig im Heimatmuseum Radevormwald

Von Cristina Segovia-Buendia

Radevormwald. Wie bei Mutter oder Oma in der guten Stube sitzen die elf Radevormwalder vergnügt in der bergischen Wohnküche des Heimatmuseums. Vor ihnen liegend ein dickes aufgeklapptes Wörterbuch: „Wenn wir uns treffen, lesen wir darin, um die Aussprache zu üben und Wörter, die wir noch nicht kannten, zu lernen“, sagt Lutz Aldermann. Es ist ein 600-seitiges dickes Mundart- Wörterbuch in „Rüötsch Plat“, der Sprache, die früher in der Stadt auf der Höhe gesprochen wurde und ohne die so gut wie keine Kommunikation möglich war, versichern die Anwesenden.

„Ohne Platt ging es nicht. Bei Bismarck hatte man nur eine Chance, eine Anstellung zu bekommen, wenn man Platt sprach“, erinnert sich Hans Joachim Harnischmacher. Und auch in den Fabriken, erzählt der Senior, „wenn man als junger Bursche mit seiner Kappe kam, wurde man auf Platt zurechtgewiesen, ob man denn Flöhe unter der Mütze habe.“

Platt, bestätigt auch Aldermann, „war der Einstieg für alles, die Vertrauensbasis. Wer kein Platt konnte, kam auch nicht an Informationen“, erzählt der Sohn des ersten Radevormwalder Redakteurs Hans Aldermann.

Heute sprechen immer weniger Menschen Platt

Heute hat das „Rüötsch Plat“, zum Leidwesen aller Mundartfreunde seine Bedeutung verloren und wird von immer weniger Menschen gesprochen. Auch sie selbst, obwohl sie damit aufgewachsen sind, haben heute Schwierigkeiten, flüssig auf Platt zu sprechen. Hildegard Dolenga entscheid sich mit 40 Jahren noch mal dazu, das Rüötsch Plat zu lernen. Sie besuchte den legendären Kursus bei Otto Cords an der Volkshochschule. „Mein Vater hatte immer auf Platt mit mir gesprochen. Ich verstand es, konnte es aber nicht sprechen“, bedauert sie heute. Auch jene in der Runde, die es mal konnten, verlieren immer mehr die Praxis, weil sie kaum einer mehr auf Platt versteht. „Hinzu kommt, dass das Platt lediglich etwa 500 Wörter kennt und viele hochdeutsche Wörter keine Übersetzung haben. Sie müssen daher umschrieben werden“, erklärt Aldermann.

Das Platt – es blieb irgendwann wie das Lateinische stehen, entwickelte sich nicht weiter, und somit konnten auch keine neuen Wörter für neue Erfindungen entstehen. Doch Aussterben soll ihre Heimatsprache nicht. Dafür treffen sie sich nach der Corona-Pause nun wieder jeden ersten Dienstag im Monat um 19 Uhr im Heimatmuseum.

Neuzugänge sind willkommen, um die Sprache zu üben, miteinander zu sprechen, auch wenn es nur wenige Sätze sind, und gemeinsam alte Heimatgedichte auf Platt zu lesen. „Es wäre schade, wenn irgendwann niemand mehr weiß, wie es geklungen hat“, sagt Aldermann, der vor einigen Jahren seine sehr guten Plattkaller aufnehmen ließ und das gesprochene Wort auf CD festhielt.

Schöner wäre es aber natürlich, wenn durch das Interesse vieler die Sprache wieder aufleben würde.

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