Sicherheit

Der Feuerwehr fehlt das Löschwasser

Bei Einsätzen in Außenortschaften von Radevormwald – hier beim Brand eines Fachwerkhauses  in Feckinghausen vor einigen Jahren – müssen Feuerwehrleute die Löschwasserversorgung oft über mehrere Leitungen vom Löschteich zum Brandort sicherstellen.
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Bei Einsätzen in Außenortschaften von Radevormwald – hier beim Brand eines Fachwerkhauses in Feckinghausen vor einigen Jahren – müssen Feuerwehrleute die Löschwasserversorgung oft über mehrere Leitungen vom Löschteich zum Brandort sicherstellen.

Im Haupt- und Finanzausschuss erläuterte die Verwaltung, wie die Versorgung gesichert werden soll

Von Stefan Gilsbach

Radevormwald. Sonnige Sommer sind für Freibadbesucher eine schöne Sache, doch in den vergangenen Jahren waren die warmen Jahreszeiten so trocken, dass man sich um die Gewässer im Bergischen schon sorgen musste. Und ausreichend Wasser brauchen nicht nur Haushalte und Unternehmen - sondern auch die Feuerwehr, wenn sie zu Einsätzen in jene Teile des Stadtgebietes ausrückt, wo nicht an jeder Ecke ein Hydrant zur Verfügung steht.

Aus diesem Grund plant die Stadtverwaltung, neue Löschwasser-Reservoires in Form von Zisternen an verschiedenen Stellen neu anzulegen. Darüber wurde nun im Haupt- und Finanzausschuss diskutiert.

Marc Bormann, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes, beantwortete die Fragen der Politik zu den geplanten Maßnahmen. So wollte Rolf Ebbinghaus, Fraktionsvorsitzender der Alternativen Liste (AL), wissen, ob es genauere Angaben zu den Größen der jeweiligen Zisternen gebe. Angedacht sind zwei unterschiedliche Größen: 50 Kubikmeter und 100 Kubikmeter. „Bei manchen Ortslagen sind noch einige Fragen zu klären“, sagte Bormann. Unter anderem müssten noch Gespräche mit Grundstückseigentümern geführt werden, bestätigte er am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion. „Es geht vor allem um kleinere Ortschaften, die nicht über einen Löschteich verfügen“, erläutert er. Doch auch diese Teiche hätten in den sehr trockenen Sommern der vergangenen Jahre vorübergehend wenig Wasser gehabt.

Marc Bormann ist stellvertretender Leiter des Rader Ordnungsamtes.

Nun müssen sich Bürger nicht gleich Sorgen machen, dass im Ernstfall bei ihnen nicht mehr gelöscht werden kann. „Die Feuerwehr hat in ihren Einsatzfahrzeugen immer einen Vorrat an Löschmitteln“, betont Marc Bormann. Außerdem besteht immer die Option, eine Schlauchleitung zum nächstgelegenen Wasser-Reservoir zu legen. Das wurde beispielsweise bei einem Scheunenbrand in der Ortschaft Beck im Januar 2021 so gehandhabt. Der Hof verfügte zum Glück über eine eigene Löschwasserentnahmestelle, doch zur Unterstützung wurde ein Reservoir in Siepen angezapft und ein nahegelegener Bauch gestaut, um per Saugpumpe weiteres Löschwasser zur Einsatzstelle zu leiten.

„Bei der Errichtung von neuen Gebäuden in diesen Ortslagen gehört die Vorsorge für Löschwasser zu den Bauvorschriften“, erklärt Marc Bormann. Bei der Anlage von Zisternen und anderen Entnahmestellen müsse freilich zwischen Grund- und Objektschutz unterschieden werden, was recht knifflig sein kann. Für den Grundschutz ist die Stadt zuständig, der Objektschutz liegt in den Händen der jeweiligen Eigentümer.

Die Zisternen, die nun nach und nach errichtet werden sollen, sind nicht offen wie Löschteiche, sondern geschlossene Systeme mit einer Entnahmestelle, wie Bormann erläutert. Das bedeutet auch, dass Tiere nicht gefährdet werden – immer wieder weisen Naturschützer auf diese Gefahr hin. Säugetiere können ertrinken, weil sie an den glatten Wänden keinen Halt finden, Amphibien wie Fröschen dagegen droht die Austrocknung, wenn sie aus den Becken nicht entkommen können. Die Radevormwalder Grünen-Fraktion hatte jüngst in einem Antrag zu den Haushaltsberatungen darauf hingewiesen, dabei ging es neben Löschteichen auch um Regenrückhaltebecken.

Für die AL-Fraktion fragte Rolf Ebbinghaus im jüngsten Ausschuss, ob die Anlage dieser wichtigen Zisternen beschleunigt werden könnte. Kämmerer Simon Woywod stellte in Aussicht, dass unter Umständen eine Erhöhung des Budgets möglich sei.

In welcher Reihenfolge die bereits angedachten Orte der neuen Entnahmestellen (siehe Info-Kasten) nun angelegt werden sollen, dies werde man in Absprache der Prioritäten mit der Freiwilligen Feuerwehr entscheiden, erklärte Marc Bormann.

Wehrführer Dietmar Hasenburg begrüßt, dass die Stadt die Versorgung mit Löschwasser für die kommenden Jahre sichern wird. „Aufgrund der Veränderungen beim Klima gerät das immer mehr in den Fokus“, erklärt er. „Es gibt Bereiche, da versiegt in trockenen Sommern bereits der Zufluss. Das ist besonders da problematisch, wo die Reservoirs durch oberirdische Wasserläufe gespeist werden.“

Hintergrund

Ortschaften: In diesem Jahr will die Stadt damit beginnen, sukzessive Zisternen an folgenden Standorten anzulegen: Ümminghausen, Remlingrade, Studberg, Vorm Baum, Feckinghausen und Oberdahl.

Kosten: Die nötigen Ausgaben für die Stadt werden für eine Zisterne von 50 Kubikmeter Inhalt mit etwa 38.000 Euro brutto geschätzt, für die größere Variante mit 100 Kubikmetern auf etwa 63.000 Euro. Hinzu kommen die Bauarbeiten durch ein Fachunternehmen, die mit 18.000 Euro beziehungsweise 27.000 Euro beziffert werden. Zusätzlich sei je nach Untergrund und Ortslage mit Mehrkosten zu rechnen, beispielsweise für die Anlage einer Baustraße.

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