Workshops

Bürger wollen den Verkehr sicherer machen

Mit Mitarbeitern der Stadt – links Niklas Lajewski, rechts Lara Wohland – ging es auf Tour durch die Stadt, um problematische Verkehrssituationen für Radfahrer und Fußgänger zu besprechen.
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Mit Mitarbeitern der Stadt – links Niklas Lajewski, rechts Lara Wohland – ging es auf Tour durch die Stadt, um problematische Verkehrssituationen für Radfahrer und Fußgänger zu besprechen.

Zu wenig Platz für Fußgänger und Radfahrer, kurze Ampelphasen – Workshops zeigen Problemstellen auf.

Von Cristina Segovia-Buendía

Einen deutlichen Nachholbedarf in Sachen Verkehrsführung für Fußgänger und Radfahrer haben die Teilnehmer eines Planungsworkshops angemeldet. Über einen Stadtplan gebeugt, zählten sie aus der eigenen Erfahrung heraus Stellen auf, die sie für gefährlich oder verbesserungswürdig halten. Geringe Grünphasen, verwirrende Wegeführungen und mangelnde Barrierefreiheit waren die Hauptkritikpunkte einer langen Mängelliste. Die Kaiserstraße als Hauptverkehrsachse wurde gleichermaßen von Radfahrern als auch Fußgänger beanstandet.

Nach der Theorie folgte diese Woche die Praxis: Umweltmanager Niklas Lajewski und Verkehrsexpertin Lara Wohland von der Planersocietät machten sich mit interessierten Bürgern auf dem Weg, um die Verkehrssituation im Alltag zu beobachten.

Vom Marktplatz aus ging es sogleich nach Westen auf die Kaiserstraße. Schon hier fiel den Teilnehmenden auf, dass durch die parkenden Autos nur wenig Fläche für Fußgänger und Radfahrer bleibt. Die Parkflächen zugunsten vom Fuß- und Radverkehr aufzugeben aber kam nicht für alle Anwesenden infrage. Hans Golombek etwa sprach sich klar für Parkplätze vor den Geschäften aus, für all jene, die nur kurz etwas vor Ort besorgen wollen. Daraufhin fiel einer aufmerksamen Dame auf, dass kein Behindertenparkplatz ausgewiesen ist. „Vielleicht sollte man gerade für diese Menschen, die nicht gut zu Fuß sind und wirklich auf das Auto angewiesen sind, einen solchen Parkplatz hier zur Verfügung stellen.“

„Neben meiner dreijährigen Tochter zu gehen, wenn ein Radfahrer kommt, ist fast unmöglich.“

Eine Mutter über die beengte Situation an der Kaiserstraße

Weiter auf dem Weg Richtung Lindenbaumschule fiel der viel zu schmale Bürgersteig zwischen Geschäften und Parkplätzen auf, der zusätzlich mit einer dicken weißen Linie geteilt ist. Die eine schmale Seite für Radfahrer, die andere für Fußgänger. „Ich habe eine dreijährige Tochter. Mit ihr hier nebeneinander zu gehen, wenn ein Radfahrer kommt, ist fast unmöglich“, berichtete eine Mutter.

Die Idee, den Radverkehr auf die Straße zu verlagern, die auch schon während des Workshops geäußert wurde, ploppte hier wieder auf und schien den meisten in der Runde gut zu gefallen. Der Autoverkehr müsste dafür allerdings auf Tempo 30 heruntergebremst werden, was die Sicherheit auf dieser Hauptverkehrsachse durch die Innenstadt zusätzlich erhöhen würde. Ohnehin, so empfanden die Teilnehmenden, müsste etwa vor der Lindenbaumschule eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden. „Vielleicht könnte man hier die Bushaltestelle an die Straße versetzen, so dass der Fuß- und Radverkehr dahinter verlaufen könnte“, schlug einer der Teilnehmer vor. Wohland und ihr Kollege nickten und notierten fleißig mit.

Richtung Telegrafenstraße fiel dann auf, dass einige Markierungen und Wegführungen fehlten oder gar nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Auf der Hohenfuhrstraße hingegen, auf der Höhe Wiesenstraße, wünschten sich viele einen Zebrastreifen. Dass es hier neben einer sehr breiten Treppe eine Rampe gibt, mit der auch Familien mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer oder Radfahrer auf die Wiesenstraße gelangen, war für die meisten überraschend. Doch auch hier fanden die aufmerksamen Bürger schnell einen Mangel: „Der Radius der Rampe ist viel zu klein. Da kommt man mit Kinderwagen und Rad ja kaum vernünftig um die Kurve.“ Beim Busbahnhof, letzte Station der gut zweistündigen Tour, waren sich alle einig, dass dieser komplett umgebaut und neu geplant werden müsste. Barrierefreiheit fehle, die wenigen abgesenkten Bordsteine seien unpraktisch gelegen, die Verkehrsführung eine Katastrophe.

Ein ähnliches Bild zeichnete sich dann auch bei einer Radtour mit Umweltmanager Niklas Lajewski und Verkehrsexperte Niklas Rischbieter ab. Mit einem Dutzend Radfahrer fuhren sie eine gut acht Kilometer lange Strecke rund um den Stadtkern ab und lernten dabei sogar noch einige Alternativrouten kennen, die für den Radverkehr noch optimiert werden könnten.

Die Planung

Am 13. Juni wollen die Planer noch einen Spaziergang mit der Schülervertretung des Theodor-Heuss-Gymnasiums sowie der vierten Klasse der Grundschule Stadt unternehmen, um ihre Vorschläge in das Konzept aufzunehmen. Die Ergebnisse sollen Ende August im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgestellt werden, ehe ein vorläufiges Konzept Ende des Jahres im Rat beschlossen wird, um es in den Folgejahren 2023 und 2024 umzusetzen.

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