Ein Jahr danach

Beyenburg erinnert an die Flut

Viele Menschen waren zum Flutgedenkfest nach Beyenburg gekommen.
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Viele Menschen waren zum Flutgedenkfest nach Beyenburg gekommen.

Mit einem Fest an der Wupper begehen Radevormwalds Nachbarn den Jahrestag.

Von Theresa Demski

Die Wupper plätschert am Samstagnachmittag gemütlich in ihrem Bett. „Kaum zu glauben“, flüstert ein Mann am Ufer. Und doch haben die Menschen in Alt-Beyenburg die Szenen noch vor Augen – als die Wupper zum reißenden Strom wurde, Haus und Hof und am Ende sogar Leib und Leben bedrohte. Ein Jahr danach treffen sie sich am Wupperufer wieder.

„So lange wir feiern können, feiern wir“, sagt Bezirksbürgermeister Andreas Bialas. Viele Vereine ziehen dafür an einem Strang – die einen haben Kuchen gebacken, die anderen kümmern sich um den Getränkewagen. Die Kinder und Jugendlichen sind zu Aktionen eingeladen. An den Biertischen kommen die Menschen schnell ins Gespräch.

Wut auf bürokratische Grenzen und die Wasserwirtschaft

Im Gottesdienst mit Pfarrer Kai Berger und Bruder Dirk, der den Auftakt zum Erinnerungsfest macht, klingen aber auch ganz andere Gefühle an. „Das Hochwasser hat Spuren hinterlassen“, sagt Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. Er weiß, dass diese Spuren auch mit der Wut auf bürokratische Grenzen und die Wasserwirtschaft zu tun haben. „Zurück geblieben sind viele Traumatisierungen“, sagt Schneidewind.

Bezirksbürgermeister Andreas Bialas wird noch deutlicher: „Wenn man sich ein Jahr nach der Katastrophe selber einen Persilschein ausstellt, dann ist das unanständig“, sagt er – wohl mit Blick auf den Wupperverband. Und die Menschen stimmen ihm lautstark zu. „Wo es überhaupt keine Einsicht gibt, da kann kein Vertrauen wachsen“, ergänzt er.

Und genau dieses Vertrauen hätten die Menschen in den Wupperdörfern nun dringend nötig. „Wir haben ein Recht auf Schutz“, ruft Bialas, „wir brauchen das Gefühl, in unserem Zuhause sicher zu sein.“ Der Ort steht hinter ihm, das ist spürbar. Bundestagsabgeordneter Helge Lindh bringt eine Entschuldigung mit: „Stellvertretend.“ Vieles sei im Vorhinein vernachlässigt worden, und Zusagen nach dem Hochwasser seien nicht immer gehalten worden.

„Wir wollen diesen Jahrestag für den Austausch nutzen“, hatte der Oberbürgermeister gesagt, „und um uns unserer größten Kraftquelle zu versichern: unserer Solidarität.“ So erinnern die Beyenburger an Arne Aust, der nach der Flut den Bundeswehreinsatz im Ort organisiert hatte und im Juni überraschend mit 46 Jahren gestorben war. Und sie feiern ihren Bruder Dirk – den letzten Mönch im Kloster Steinhaus, der die Sturmglocke läutete und nach der Flut nicht nur die Soforthilfe koordinierte.

Sie feiern auch die Gemeinschaft – das „Beyenburg-Erlebnis“ nennt Lindh diese Solidarität, die auch ein Jahr danach spürbar ist.

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