Pflaumenkirmes

Besucher kommen nur in den Regenpausen

Das war typisch für die Pflaumenkirmes 2022: Zwischen den heftigen Regenschauern zogen immer wieder viele Menschen über die Kirmes.
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Das war typisch für die Pflaumenkirmes 2022: Zwischen den heftigen Regenschauern zogen immer wieder viele Menschen über die Kirmes.

Herbstliche Wetterkapriolen vermiesten den Schaustellern das Geschäft auf der Pflaumenkirmes.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Wann immer sich die Wolken verzogen, liefen wieder Menschen durch die Innenstadt. Doch das meteorologische Hin und Her hielt viele Besucher von einem ausgiebigen Kirmesbesuch ab. So zeigte sich auch am Samstagabend, zur besten Ausgehzeit gegen 19 Uhr, dass der sprichwörtliche Drops hier bereits ausgelutscht war.

Durchgefroren und gelangweilt standen viele Budenbetreiber entlang der Kaiserstraße in ihrem Häuschen, daddelten am Handy oder stärkten sich mit ihren eigenen Speisen und Getränken einfach selbst – immer in der Hoffnung, gleich noch mal Kundschaft zu erblicken.

Nur eine Handvoll Menschen hatte sich an einem Bierwagen eingefunden. Das nebenstehende Kinderkarussell drehte sich längst nicht mehr, und die wild blinkenden und trötenden Greifarmautomaten zogen nur für einen kurzen Augenblick die Aufmerksamkeit auf sich.

Warm eingepackt: Auch Jana Beyrau (l.) und Marnie Schnöwitz waren beim Trödelmarkt mit einem Stand vertreten.

Nahezu leergefegt schien in der trockenen Abenddämmerung die kurze Promenade vom Schlossmacherplatz hinauf zum schrecklich verwaisten Marktplatz. Der Betreiber der Hauptattraktion der Pflaumenkirmes, ein mehr als 40 Meter hohes Fahrgeschäft, hatte kurzfristig seine Teilnahme abgesagt – wegen technischer Probleme, wie es hieß. Tatsächlich aber hatte der Schausteller sein Fahrgeschäft offensichtlich lieber auf einem anderen Rummel aufbauen wollen.

„Das hat Konsequenzen“, erklärte Schaustellerin Jacqueline Schmidt, deren Familie die Stadt bei der Ausrichtung der Kirmes unterstützt hat. „Dieses Fahrgeschäft hätte auf dem Marktplatz gestanden und wäre ein absolutes Highlight gewesen. So schnell konnten wir kein Ersatz dafür finden.“ Die Stadt wird jetzt rechtliche Schritte gehen. Der Schausteller wird wegen Vertragsbruch eine Strafe an die Stadt zahlen müssen. Dem Anblick des verwaisten Marktplatzes half das aber nicht mehr.

Für ein weiteres Fahrgeschäft, das lange im Voraus aufgrund von Personalmangel abgesagt hatte, fand Familie Schmidt ebenfalls keinen Ersatz. Dass das sonst gut angenommene Musikprogramm auf der Bühne am Markt ins Bürgerhaus gezogen war, fanden nur die wenigsten gut. „Hätte man wenigstens die Bühne noch gehabt, hätten sich dort noch einige Leute eingefunden. Das war eigentlich immer ein Publikumsmagnet“, meinte Besucherin Regina (52) überzeugt. Die Stimmung auf der Kirmes beschrieb sie als „mager“.

Auch die 20-jährigen Paula und Celina wirkten eher enttäuscht vom Anblick des Rummels auf der Hohenfuhrstraße. „Es ist schon deutlich kleiner als sonst. Stände und Fahrgeschäfte fehlen, und das Wetter spielt diesmal auch nicht mit“, sagte Paula. „Die Schützenkirmes war da schon besser“, urteilte Celina.

Die jungen Frauen, die alleine unterwegs waren, fühlten sich trotz Abendstunde sicher auf der Kirmes. Dass die Stadt zur Sicherheit dennoch einen Pavillon mit Mitarbeitern des Jugendamts und des Deutschen Roten Kreuzes aufbauen ließ, um mittels stärkerer Präsenz sexuellen Übergriffen, wie zuletzt auf der Schützenkirmes geschehen, vorzubeugen, fanden sie dennoch gut. „Es kann nicht schaden.“

Zwischendurch gab es auch mal Sonne: Simone Hausen mit Tochter Dana sowie Freundin Susanne Hoge am Braukessel.

Schausteller Arno von Olnhausen aus Düsseldorf war mit seiner Villa Wahnsinn, einem mehrstöckigen Laufgeschäft, erstmals auf der Pflaumenkirmes dabei. Sein Urteil: „Es ist eigentlich eine schöne Kirmes. Klein, aber fein, mit viel Potenzial. Leider ist das Wetter sehr bescheiden. Nachmittags aber kamen immer wieder Besucher, sobald die Sonne wieder schien.“ Gerne würde von Olnhausen erneut nach Radevormwald kommen und der Pflaumenkirmes eine weitere Chance geben.

Auch Schmidt sieht viel Potenzial in der Rader Pflaumenkirmes. „Potenzial ist da. Die Leute in Rade wollen Kirmes, das merkt man. Nur müssen wir schauen, wie wir einiges verändern und verbessern. Ideen dafür haben wir schon“, sagte sie. Nur bleibt die Frage, ob es sich hinterher für die Schausteller, die ebenso wie alle anderen auch mit höheren Energiepreisen zu kämpfen haben, auch lohnt.

Um ihren Autoscooter zu bewegen, brauche sie drei Lkw, sagte Schmidt. Alleine um diese vollzutanken, benötige sie derzeit 6000 Euro. „Die werde ich dieses Wochenende bei dem Wetter garantiert nicht einspielen.“

Der Sonntagmorgen sorgte nicht für ein schöneres Bild. Die Trödelmeile auf der Hohenfuhrstraße litt unter den heftigen Regenschauern. Mindestens 13 angemeldete Trödler sagten ihre Teilnahme kurzfristig ab. Die meisten bissen die Zähne zusammen und bauten trotzdem auf, wie etwa Bernd Reinbott, der sogar das passende Equipment feilbot: Kinderskier für kleines Geld, denn nach diesem nasskalten Herbst-Wochenende ist der Winter nicht mehr weit.

Am heutigen Montag ist Familientag auf der Kirmes. Es gelten vergünstigte Preise für die Fahrgeschäfte.

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