Schonzeit

Babyalarm in Wald und Feld

Bürgermeister Johannes Mans (r.) und Jäger Wilfried Loh verfolgen die Wärmebildkamera.
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Bürgermeister Johannes Mans (r.) und Jäger Wilfried Loh verfolgen die Wärmebildkamera.

Seit drei Jahren arbeitet der Verein Rader Kitzretter sehr erfolgreich - Für dieses Jahr benötigt er finanzielle Hilfe.

Von Joachim Rüttgen

Radevormwald. Der Frühling ist da. Überall blüht und sprießt es. Auch im Tierreich tut sich einiges, überall wird neues Leben geboren. „Im Gegensatz zu menschlichen Babys sind Tierkinder aber leise und sehr gut getarnt. Und sie brauchen Ruhe“, sagt Claudia Möllney, Naturpädagogin und Pressesprecherin der Hegegemeinschaft in Radevormwald. Deshalb gibt der Verein Rader Kitzretter Tipps für die Brut- und Setzzeit und bittet dringend um eine finanzielle Unterstützung für die Kitzrettung mit Drohnen.

„Nähert sich dem Kitz die Mähmaschine, so drückt es sich fest auf dem Boden und bleibt regungslos liegen.“

Claudia Möllney

Denn auch in der Bergstadt fangen die Landwirte jetzt an zu mähen. Die jungen Rehkitze liegen alleine ohne ihre Mutter im hohen Gras. „Nähert sich dem Kitz die Mähmaschine, so drückt es sich fest auf dem Boden und bleibt regungslos liegen. Leider sterben so laut Schätzungen des Deutschen Jagdverbands etwa 90.000 Kitze pro Jahr“, berichtet Claudia Möllney.

In Radevormwald arbeitet seit drei Jahren der Verein Rader Kitzretter sehr erfolgreich. Ehrenamtliche Jäger, Tierschützer und Naturbegeisterte suchen während der Mähsaison mit mehren Drohnen täglich die Wiesen ab. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Rehkitze vor der Mahd unter Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkamera zu suchen und vor den Mähmaschinen zu sichern“, schildert Claudia Möllney. Bei dieser Art des Suchens von Rehkitzen handele es sich um die mit Abstand effektivste Variante zur Rettung der Tiere. 2021 wurden auf diese Weise in Radevormwald mehr als 80 Rehkitze und viele Junghasen gerettet.

Alle Mitglieder des gemeinnützigen Vereins arbeiten ehrenamtlich. „Leider verfügen wir über keine eigene Drohne mit Wärmebildkamera. Diese müssen wir extern bestellen und den Arbeitseinsatz nach Aufwand bezahlen. Bei bis zu vier gemieteten Drohnen pro Tag kommt da einiges an Kosten zusammen. Für dieses Jahr haben wir die Einsatzkosten noch nicht zusammen, und wir benötigen dringend Hilfe“, appelliert Claudia Möllney. Spenden sind möglich auf das Konto bei der Sparkasse Radevormwald, DE 33 34051350 0000 2750 08.

Der Mensch sollte auf den Wegen bleiben

Und wie sollte man sich gerade jetzt in Wald und Wiese verhalten? „Junge Wildtiere sollten auf keinen Fall angefasst oder gar mit nach Hause genommen werden“, betont Claudia Möllney. Hefte an wilden Tierkindern menschlicher Geruch, werden sie oft von den Eltern verstoßen – und ihre Überlebenschancen sinken rapide. Außerdem brauchen Wildtiere Rückzugsräume und Ruhezonen. Studien zeigen: Bleibt der Mensch auf Wegen, ist er für Tiere berechenbar. Verlässt er die Wege, wird er zum unkalkulierbaren Risiko: Wildtiermütter flüchten oftmals panisch, der Nachwuchs ist Fressfeinden ausgeliefert.

Vor allem freilaufende Hunde können zur Gefahr für trächtige Tiere und brütende Vögel mitsamt Nachwuchs werden. Vierbeiner sollten in der Brut- und Setzzeit auf Ruf oder Pfiff im Einflussbereich bleiben oder im Zweifel an die Leine.

www.Rader-Kitzrettung.de

Hintergrund

Im Frühjahr 2009 sind städtische Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen worden, um den Auflagen des Umweltschutzes gerecht zu werden. Zum Zeitpunkt der Präsentation war bereits die Siloernte und das Mähen der Grünflächen im Gange und es waren einen Tag zuvor zwei Kitze zu Tode gekommen. Spontan bildete sich eine Arbeitsgruppe aus Bürgermeister, Mitarbeiter der Stadt, Landwirten, Naturschützern und Jägern. Das Ergebnis war das Abfliegen mit Drohen und Wärmebildkameras, was über Frau Hildebrandt, Mitarbeiterin der Stadt koordiniert wurde.

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