Historie

Ausstellung über das Rader Wahrzeichen

Jürgen Offermann, Michael Scholz und Karl Schmidt (v.l.) bauen die Ausstellung zur Geschichte „250 Jahre Rokoko-Gartenhaus“ auf. Dazu gehören viele historische Bilder und Publikationen - und ein Miniatur-Modell.
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Jürgen Offermann, Michael Scholz und Karl Schmidt (v.l.) bauen die Ausstellung zur Geschichte „250 Jahre Rokoko-Gartenhaus“ auf. Dazu gehören viele historische Bilder und Publikationen - und ein Miniatur-Modell.

Im Heimatmuseum ist ab 26. Juni die Geschichte des Gartenhäuschens zu sehen.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Die letzten Fotos sind angebracht, die Exponate in der Vitrine verstaut. „Jetzt fehlen nur noch einige Beschriftungen. Der Feinschliff sozusagen“, sagt Michael Scholz vom Radevormwalder Heimat- und Verkehrsverein (HVV). 250 Jahre alt wird das Rokoko-Gartenhäuschen in diesem Jahr – und das wird am Sonntag, 26. Juni, nicht nur im Parc de Châteaubriant gefeiert, wo der Pavillon steht.

Auch im Heimatmuseum an der Hohenfuhrstraße dreht sich alles um historische Gartenhäuschen. Zusammen mit Jürgen Offermann und Karl Schmidt hat Michael Scholz den Sonderausstellungsraum mit allem bestückt, was von der Geschichte des ältesten Bauwerks in Radevormwald erzählt. Vieles kam zusammen, das hat sogar Scholz überrascht. „Im Fundus des Museums hat sich einiges befunden.“ Aus dem Stadtarchiv gab es noch von Archivarin Iris Kausemann Unterstützung.

Die Denkmalschutzbehörde befand, dass der Rokokobau nicht förderfähig war.

Michael Scholz, HVV

Erbaut wurde das Rokoko-Hauses 1772 - belegt durch die Jahreszahl über dem Eingang. 1802 überstand es den großen Stadtbrand, da es vor den Stadtmauern stand. Erst seit 1986 hat es seinen Standort im Park an der Telegrafenstraße. „Bis dahin befand es sich im privaten Besitz, stand in einem Garten an der Gartenstraße“, sagt Michael Scholz.

Schon früh hatten sich Heimatforscher dafür eingesetzt, dass der Bau versetzt und restauriert wird. „Die ersten Überlegungen gab es bereits 1951“, berichtet Scholz und zeigt auf ein Dokument an der Wand. 1973 hieß es in einem Zeitungsartikel: „Ein gewichtiges Wort zum Gartenhaus-Standort“. 1974 waren Eigentümer und Stadt sich über einen Verkauf einig, der alte Friedhof an der Telegrafenstraße – der heutige „Parc de Châteaubriant“ - wurde als neuer Standort ausgesucht.

Die historische Aufnahme aus dem Museumsfundus zeigt: Nahe der ehemaligen Bahntrasse, wo heute die Westfalenstraße herläuft, hatte das Gartenhaus einst seinen Standort.

„Doch die Denkmalschutzbehörde befand, dass der Rokokobau nicht förderfähig war“, sagt Michael Scholz. Das Vorhaben ruhte, ließ dem damaligen Vorsitzenden des HVV, Hans Hermann Becker, aber keine Ruhe. 1982 rief der HVV dann zu Spenden auf. „Es wurde auch fleißig gespendet,“ so Scholz. Als die Sparkasse 1983 ihr 100-jähriges Bestehen feierte, vergab sie zu diesem Anlass auch eine besondere Summe für den Rokokobau: 100 000 D-Mark. Das ermöglichte es der Stadt 1984 den Pavillon zu kaufen.

In der Ausstellung zeigen Fotos, wie sehr aber der Zahn der Zeit am Bauwerk genagt hatte. Karl Schmidt erinnert sich: „Es war vieles sehr marode.“ Das Gartenhaus wurde am alten Standort nach und nach auseinandergebaut und abgetragen und am neuen Platz wieder aufgebaut. „Beim Wiederaufbau wurde es Stück für Stück restauriert und erneuert“, blickt Michael Scholz zurück.

Auch der Umzug ist in der Ausstellung dokumentiert. Im Juli 1984 war sogar das Fernsehen da, als Kran und Tieflader sich des Daches annahmen, das an einem Stück transportiert wurde. Präzisionsarbeit. „Die Kosten für Fundament und Erneuerung trieb das alles jedoch in die Höhe – viele Rader Handwerker kamen dem Aufruf nach, zu helfen und Kosten gering zu halten. Ohne sie hätte man es nicht geschafft“, erzählt Scholz. Eine Aufnahme aus der Zeit zeigt Architekt Waldemar Specht vor Ort, der damals die Planung übernommen hatte.

„Das Gartenhaus ist heute ein Radevormwalder Wahrzeichen“, sagen Scholz und Schmidt. Davon zeugen nicht nur die aktuellen Bilder, die sie aufgehangen haben. In den Vitrinen des Ausstellungsraums sieht man Postkarten, Kalender, Teller und Zinnbecher, die das Bild des Rokokobaus ziert – auch eine Schnapsflasche gehört dazu, aus der ehemaligen Radevormwalder Brennerei Hasenburg.

Der Hingucker der Ausstellung ist aber das Miniatur-Modell des Rokoko-Hauses, das vor einigen Jahren Wolfgang Schreiber fürs Museum erschaffen hat. Mit viel Liebe zum Detail.

Hintergrund

Die Ausstellung „250 Jahre Rokoko-Gartenhaus“ im Heimatmuseum an der Hohenfuhrstraße ist erstmals am Sonntag, 26. Juni, nach der Eröffnung des Festes im Parc de Châteaubriant ab 14 Uhr zu sehen. Gezeigt wird sie bis zum 16. August. Geöffnet ist das Museum jeden Sonntag zwischen 14.30 und 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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