Stadtgeschichte

Ausstellung erinnert an zwei große Events

Michael Scholz (l.) und Jürgen Offermann haben mit Karl Schmidt die Ausstellung über Olympia 1972 zusammengestellt. Dazu gehört auch Masköttchen „Waldi“, das Schmidt einst seinen Kindern mitbrachte.
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Michael Scholz (l.) und Jürgen Offermann haben mit Karl Schmidt die Ausstellung über Olympia 1972 zusammengestellt. Dazu gehört auch Masköttchen „Waldi“, das Schmidt einst seinen Kindern mitbrachte.

Spiel ohne Grenzen im 1970 und Olympia 1972 sind in die Radevormwalder Stadtgeschichte eingegangen.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Zwei große Events prägten Anfang der 1970er Jahre die Radevormwalder Stadtgeschichte. Daran erinnert die neue Ausstellung „Radevormwalder Sportler – Spiel ohne Grenzen 1970 und Olympia 1972“ im Heimatmuseum an der Hohenfuhrstraße, die am Sonntag, 16. Oktober, eröffnet. Zu sehen sind Medaillen, Fotos, Zeitungsartikel und vieles mehr – alles Exponate des Heimatmuseums, des Stadtarchivs und private Leihgaben.

Michael Scholz vom Radevormwalder Heimat- und Verkehrsverein (HVV) kann sich noch gut an die Austragung der internationalen Fernsehspielshow „Spiel ohne Grenzen“ im Kollenbergstadion erinnern. „Ich saß als Jugendliche auf der Tribüne und habe unser Team angefeuert“, sagt er. Die Mannschaft aus der Bergstadt gewann das Heimspiel gegen Bocholt – und spielte als deutsches Team in Avignon gegen Avignon weiter. Wieder siegten die Rader und zogen ins Finale nach Verona ein. Dort gewann dann das italienische Team.

Der Mannschaft aus der Bergstadt gehörte damals auch Bernd Reinbott an, zusammen mit seinen Brüdern Lothar und Volker. „Auf dem Kollenberg standen wir bis zum letzten Spiel punktemäßig hinten an“, blickt er zurück. Dann aber, als die Männer ein acht Meter großes Bett plus den Frauen des Teams 50 Meter tragen mussten, wurde es spannend. „Da hatten wir die Nase vorn. Am Ende hatten wir gewonnen. Der Jubel war unbeschreiblich“, so Reinbott.

Er besitzt einige Erinnerungsstücke aus der Zeit und hat sie nun dem Heimatmuseum für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Dazu gehört das schillernde Kostüm, das Reinbott im Spiel „Don Quichotte“ in Avignon getragen hat. „Mit einer Lanze musste ich Ringe sammeln“, erzählt er. Aus dem Fundus von Bernd Reinbott stammt auch die Gladiatorenshorts, die Teamleiter Gernot Göhlich im Eröffnungsspiel in Verona trug.

Bernd Reinbott (r.) gehörte 1970 zum Rader Team bei „Spiel ohne Grenzen“ und holte im Don Quijote-Kostüm Punkte. Lutz Aldermann hat aus dem Zeitungsarchiv seines Vaters Berichte herausgesucht. Unvergessen und im Foto festgehalten: Günter Templin im Wettkampf als „kleiner Muck“.

Dass Radevormwald Austragungsort von „Spiel ohne Grenzen“ wurde, dafür hatte sich bereits 1967 der HVV eingesetzt, wie ein Dokument belegt. Für 1970 hat es dann geklappt. Viele der zahlreichen Zeitungsartikel, die in der Ausstellung vom großen Spielevent erzählen, stammen aus dem Archiv von Lutz Aldermann. „Mein Vater hat als Lokalredakteur täglich berichtet“, erzählt der Sohn.

Für Lutz Aldermann waren die Spiele damals auch der Startschuss in sein späteres Berufsleben. „Ich begleitete meinen Vater oft, kam mit dem Fernsehteam zusammen und ins Gespräch. Im Sommer 1970 beendete ich die Schule. Die Arbeit des Fernsehteams hat mich fasziniert. Ich machte dann eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker und fing später beim Rundfunk in Köln an.“

Zwei Jahre später, bei den Olympischen Spielen in München, waren auch erfolgreiche Radevormwalder Sportler und -sportlerinnen dabei. Heide Rosendahl gewann Gold im Weitsprung und im Staffellauf sowie Silber im Fünfkampf. Wilfried Trott nahm am Straßenradrennen teil und belegte Platz 6. Ebenfalls aus Bergstadt kam Gerd Osenberg, Trainer der Leichtathleten.

Karl Schmidt hat viele Fotos und auch Ergebnislisten über die Spiele 1972 aus dem Fundus des Heimatmuseums zusammengetragen – und sie mit Michael Scholz und Jürgen Offermann zusammengestellt.

Schmidt selbst war bei den Spielen in München als Besucher dabei. Die Eintrittskarten für die Wettbewerbe, die er sich anschaute, sind in einer Vitrine zu sehen. „Nicht alle habe ich besuchen können“, sagt er. Durch das Attentat auf die israelische Mannschaft ruhte der Wettbewerb zwei Tage – und Karl Schmidt fuhr frühzeitig nach Hause. Im Gepäck hatte er allerdings zwei noch ganz besondere Dinge: das Olympia-Maskottchen, den Stoffhund „Waldi“, und ein Autogramm des ihm zufällig über den Weg gelaufenen Showmasters Rudi Carrell im Olympia-Programmheft. Auch diese Erinnerungsstücke sind in der Ausstellung zu sehen.

Hintergrund

Prämie: Mit dem Sieg der Radevormwalder Mannschaft im „Spiel ohne Grenzen“ gegen Bocholt ging eine Prämienzahlung der Stadt einher. Diese wurde der Lebenshilfe Filde überreicht.

Bericht: Zur Ausstellung gehört auch ein Fernschreiben von Hans Aldermann, in dem er über die Spiele in Avignon berichtete – ohne Kommata, da dies die französische Tastatur nicht hergab.

Eröffnung: Eröffnet wird die Ausstellung am kommenden Sonntag, 16. Oktober, um 14.30 Uhr. Zu sehen ist sie dann bis Ende Januar 2023. Das Heimatmuseum an der Hohenfuhrstraße 8 ist sonntags von 14.30 und 17 Uhr geöffnet. Eintritt frei.

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