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Aufatmen nach Verbot von Schottergärten

Der Trend zu Vorgärten voller Schotter und Kies hat Landschaftsgärtner Fredy Gastager und seiner Gartenplanerin Anja Becker zu keinem Zeitpunkt gefallen.
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Der Trend zu Vorgärten voller Schotter und Kies hat Landschaftsgärtner Fredy Gastager und seiner Gartenplanerin Anja Becker zu keinem Zeitpunkt gefallen.

Mehr als zehn Jahre lagen sie im Trend.

Von Melanie Aprin

Radevormwald. Es gibt einen Trend, dem Landschaftsgärtner Fredy Gastager nicht hinterhertrauern wird: „Mein Team und ich haben bereits vor zehn bis 15 Jahren, als die ersten Schottergärten in Mode kamen, unsere Kunden davor gewarnt.“ Er ist Geschäftsführer der Firma „Wildwuchs Gastager GmbH“, die ihren Sitz in Sprockhövel hat.

Die Firma beschäftigt ein Dutzend Mitarbeiter, ist Teil der Qualitätsmarke „Gärtner von Eden“ und hat Auftraggeber im Ennepe-Ruhr-Kreis sowie im gesamten Bergischen Land. „Trotzdem haben sich die meisten unserer Kunden zum Glück nie sonderlich für Schottergärten interessiert“, sagt Gastager. Dennoch habe es auch unter seinen Kunden einen kleinen Prozentsatz gegeben, „der auf einem Schottergarten bestand und schlicht beratungsresistent war“.

Oft sucht sich das Unkraut bereits im zweiten Jahr seinen Weg.

Anja Becker, Gartenplanerin, zur Pflege der Schottergärten

Was nicht ohne Folgen blieb: „Die meisten dieser Kunden haben ihre Entscheidung schon nach kurzer Zeit bereut.“ Denn Gärten voller Schotter und Kies, ergänzt Gastagers Pflanzenexpertin und Gartenplanerin Anja Becker, seien mitnichten pflegeleicht: „Oft sucht sich das Unkraut bereits im zweiten Jahr seinen Weg.“

Ein Nachteil, den Gastager und Becker künftig vielleicht nicht mehr erklären müssen. Denn immer mehr Kommunen gehen einen Weg, den nun auch die Stadt Radevormwald vorantreibt: Sie setzen Paragraf 8 aus der Landesbauordnung um, der seit 2018 für Neubauten und bei Bestandsschutz für bereits angelegte Gärten vorschreibt, dass nicht mit Gebäuden überbaute Flächen „wasseraufnahmefähig zu belassen“ und „zu begrünen oder zu bepflanzen“ sind.

„Konkret heißt das, dass es zum Beispiel im geplanten Baugebiet Karthausen definitiv keine Schottergärten geben wird“, sagt Regina Hildebrandt, Umweltbeauftragte der Stadt. Hildebrandt ist in Rade geboren und stört sich wie Gastager und Becker daran, „dass es diesen Trend zur Verschotterung von Vorgärten überhaupt gab“. Gleichzeitig habe es ihr aber auch nie gefallen, „wenn in den letzten Jahren die Frage des Gartenstils zum Zankapfel unter Nachbarn in Neubaugebieten wurde“. Indem man nun eine kommunale Satzung habe, verhindere man in Zukunft möglichen Zoff unter Nachbarn - „neben dem Haupteffekt der weiteren unnötigen Versiegelung von privaten Flächen“.

Ein Effekt, den sich auch Kathi Hentzschel (85) seit Jahren wünscht. Und für den die langjährige Geschäftsführerin des Bergischen Naturschutzvereins in Rade, mit ihrem Team auch mächtig gekämpft hat. Dass es jetzt in ihrer Heimatstadt endlich so weit ist, „dass diese schrecklichen Vorgärten, in denen kein Insekt Nahrung findet und auch kein Regenwasser im Boden abfließen kann“, verboten werden, erfüllt sie mit Freude – auch wenn diese nicht ungetrübt ist. „Man hätte am besten auch zugleich die Stabgitterzäune verbieten sollen, die mit ihrer undurchsichtigen Plastikfolie keinem einzigen Lebewesen einen Platz zum Ansiedeln bieten.“ Diese Zäune seien „mindestens ebenso naturfeindlich wie all die Gabionen, die mit Steinen aufgefüllt wie Möbel in der Landschaft stehen“.

Sie hoffe, „dass auf die Rückkehr zu Vorgärten ohne Schotter als nächstes die Rückbesinnung auf Hecken und Bäume folgt“. Schließlich sei damit ein Sichtschutz genauso gut möglich, „ohne dass man Vögeln und anderen heimischen Tieren die Möglichkeit nimmt, sich einen Lebensraum zu schaffen“.

Hintergrund

Neben dem Verbot von Gabionen und Stabgitterzäunen mit Plastikfolie sehen naturnahe Landschaftsgärtner die Politik gleichfalls bei der Frage der Bewässerung in der Pflicht. Die Bewässerung mit dem Gartenschlauch sei auf Dauer nicht tragbar, weil dabei zu viel Wasser verschwendet werde.

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