Stück

Auch der Klimaschutz macht mal Theater

Lee, Sandra, Dave und Penny sind stark von der Fridays-for-Future-Bewegung inspiriert und wollen selbst aktiv werden. Stilecht kommen die vier Schauspieler mit hölzernen Demo-Schildern und stimmstarken Protest für den Klimaschutz auf die Bühne.
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Lee, Sandra, Dave und Penny sind stark von der Fridays-for-Future-Bewegung inspiriert und wollen selbst aktiv werden. Stilecht kommen die vier Schauspieler mit hölzernen Demo-Schildern und stimmstarken Protest für den Klimaschutz auf die Bühne.

Ensemble aus Köln zeigt zwei Stücke am Theodor-Heuss-Gymnasium.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Radevormwald. „1, 2, 3 - there is no Planet B“ – das rufen die drei Schauspieler des White Horse Theatre aus Köln, als sie zu Beginn des Theaterstücks „Missing Maths“ auf die Bühne in der Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums gehen.

Das englischsprachige Ensemble ist mit gleich zwei Stücken zu Gast. „Das erste war morgens für unsere sechsten und siebten Klassen. Da wurde eine Detektiv-Story aufgeführt. Das zweite ist für die Schüler der Mittelstufe – und für die Gäste aus den Niederlanden und aus Frankreich, die sich gerade zum Austausch bei uns in der Stadt aufhalten“, sagt Lehrerin Nina Heinze.

Schüler sind gebannt von dem englischsprachigen Stück

Auf der Bühne wird nur Englisch gesprochen, und es ist eindrucksvoll, wie gut die Acht- und Neuntklässler dem Geschehen auf der Bühne folgen können. Nach anfänglicher leichter Unruhe im Auditorium, ist es nach wenigen Minuten ganz still, alle Augen sind auf die Bühne gerichtet.

Es ist jedoch ein Thema, mit dem sich die Schüler auch im eher ländlichen Raum anfreunden können sollten. Es geht darum, ob man die Welt retten kann, indem man den Mathematik-Unterricht schwänzt, um auf eine Klimaschutz-Demo zu gehen. Und inwieweit dieser Protest etwas bringt. Nicht zuletzt stellt sich auch die Frage, welche Maßnahmen vielleicht geeigneter wären, um etwas zu verändern.

„Wie viele Schulen gibt es eigentlich in Großbritannien, ungefähr 30.000? Das sind um die 30.000 Dächer, auf die man 30.000 Photovoltaik-Anlagen installieren könnte“, sagt ein Schauspieler. Es geht um die vier Jugendlichen Lee, Sandra, Dave und Penny. Die vier sind stark von der Fridays-For-Future-Bewegung inspiriert und wollen selbst aktiv werden. Damit können sich die meisten Schüler sehr gut identifizieren. Stilecht kommen die vier Schauspieler mit hölzernen Demo-Schildern und stimmstarken Protest für den Klimaschutz auf die Bühne. Es sind die einfachen Parolen, die verfangen, die dazu anregen, nachzudenken und sich mit dem Thema zu beschäftigen. Allerdings ist man sich schon bald uneinig darüber, ob das das Mittel der Wahl ist.

Klassensprecher Lee hat die Photovoltaik-Idee. Penny möchte eine nachhaltig produzierte und selbstgestaltete Mode-Linie entwerfen: „Die soll auf dem Schulhof verkauft werden.“ Mit dem Erlös wolle sie die Photovoltaikanlagen finanzieren. Das Quartett sucht den Schulleiter auf, der seinen Schülern erlaubt, vor der Schulversammlung zu sprechen – wieder an einem Freitag. Allerdings in der Schule, ohne Mathematik zu schwänzen. Aber die Jugendlichen würden auch das in Kauf nehmen, denn die Lage sei zu dramatisch, um das zu ignorieren.

Geschrieben worden ist das abwechslungsreich präsentierte Stück von Peter Griffiths, der auch Gründer des White Horse Theatres ist. In den vergangenen 30 Jahren ist er als Schauspieler, Theaterregisseur und Dramatiker tätig. In dieser Zeit hat er bereits mehr als 50 pädagogische Theaterstücke geschrieben. Ihm ist wichtig, dass die Theaterstücke die Zielgruppe erreichen. Und da passt es sehr gut, dass die vier Schauspieler es verstehen, abwechslungsreich zu spielen, die Texte aber auch so darzubieten, dass sie für die jugendliche Zielgruppe ansprechend sind. Etwa, indem es nicht nur um das ernste Thema Klimaschutz geht, sondern auch um die Irrungen und Wirrungen der ersten Liebe unter den vier Jugendlichen.

„Das Ensemble war schon öfter zu Gast bei uns. Hat etwa einmal ein Shakespeare-Theaterstück für die Oberstufen gegeben“, sagt Nina Heinze. Möglich geworden seien die aktuellen Aufführungen durch das Corona-Förderprogramm der Landesregierung.

White Horse Theatre

Ensemble: Das White Horse Theatre wurde 1978 von Peter Griffith in Somerset im Südwesten Großbritanniens gegründet. Der Schwerpunkt lag von Anbeginn an auf dem pädagogischen Theater.

Umzug: 1980 war das Ensemble erstmals in Deutschland – auf Einladung der britischen Armee, um an britischen Schulen zu spielen. 1985 ist Peter Griffith wegen seiner deutschen Frau nach NRW gezogen, seitdem ist das White Horse Theatre in Köln ansässig.

white-horse-theatre.eu

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