Fällungen

Alter, Wetter und Abfall lassen Bäume sterben

Beim Ortstermin ging es durch das Waldstück an der Lessingstraße (v.l.): Anwohner Winfried Schonig, Umweltbeauftragte Regina Hildebrandt, Baumpfleger Sascha Lambeck, Förster Stefan Wende und Christoph Rösgen vom BAV. Dieser Baum weist große Schäden auf, wie das Loch am Stamm beweist. Er ist nicht mehr zu retten.
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Beim Ortstermin ging es durch das Waldstück an der Lessingstraße (v.l.): Anwohner Winfried Schonig, Umweltbeauftragte Regina Hildebrandt, Baumpfleger Sascha Lambeck, Förster Stefan Wende und Christoph Rösgen vom BAV. Dieser Baum weist große Schäden auf, wie das Loch am Stamm beweist. Er ist nicht mehr zu retten.

Im Schulwald an der Lessingstraße müssen 30 Prozent des Bestandes gefällt werden.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Im städtischen Waldstück an der Lessingstraße stehen Baumfällarbeiten an. In der nächsten Woche werden sie beginnen und sollen zwei, drei Wochen dauern. „Das kommt auf die Witterungsverhältnisse an“, so Baumpfleger Sascha Lambrecht, der sich mit seinem Team darum kümmern wird. Das Waldstück wird auch „Schulwald“ genannt, da er neben der Städtischen Grundschule Bergerhof liegt – und von Klassen oft genutzt wird.

60 bis 70 Bäume werden gefällt, erklärte Stefan Wende, der zuständige Förster, beim Ortstermin am Freitag. Einige werden aus Präventionsgründen entfernt, viele andere aber aus Verkehrssicherheitsgründen. Das heißt, die Standhaftigkeit ist nicht mehr gegeben, die Bäume drohen umzukippen. Gründe: „Zum einen haben die Bäume hier ein gewisses Alter“, erklärt Förster Wende. Die Eichen und Buchen sind rund 145 Jahre alt. Zum anderen habe der Klimawandel Auswirkungen auf den Wald. „Die Sommer sind oft trocken. Zu wenig Wasser begünstigt den Schädlingsbefall“, sagte Wende.

Ein großes Problem in diesem Waldstück sei Grünabfall

Dann gebe es ein weiteres großes Problem, speziell im Wald an der Lessingstraße. Hier sorgt Grünabfall mit dafür, dass die Bäume wurzelkrank werden und absterben. „Strauch- und Rasenschnitt aus Gärten landen hier vermehrt“, berichtete Regina Hildebrandt, Umweltbeauftragte der Stadt. Grünabfall aus Haushalten gehöre jedoch nicht hierher, hob sie hervor. „Wenn Bäume damit regelrecht eingepackt werden, ist der natürliche Kreislauf gestört. Das hat Pilzbefall und Überdüngung der Bäume zur Folge, diese sterben ab“, erklärt sie.

Pilze und Wildwuchs machten den Stamm kaputt. Das große Loch geht weit hinein, wie der Zollstock zeigt.

Vielen sei gar nicht bewusst, das Grünabfall, einfach in die Natur entsorgt, so einen Schaden anrichten - und das sie damit sogar eine Ordnungswidrigkeit begehen, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. „In der Realität kann allerdings selten nachvollzogen werden, wem der Grünabfall gehört. Daher appellieren wir innigst, den Grünabfall ordnungsgemäß zu entsorgen“, sagten Regina Hildebrandt und Förster Stefan Wende. Unterstützt wurden sie von Christoph Rösgen und Isabel Kramer vom Bergischen Abfallverband (BAV). Die Fachleute erklärten, wie es richtig geht: Kompostierung im eigenen Garten und Entsorgung über die Biotonne. Zwischen April und November werden Grünabfallsäcke auf Anmeldung auch kostenlos abgeholt. „Abholtermine und die Verkaufsstellen der Grünabfallsäcke stehen im Abfuhrkalender, der an die Haushalte verteilt wird.“ Möglich sei es darüber hinaus, gefüllte Grünabfallsäcke am städtischen Betriebshof im Industriegebiet oder am Wertstoffhof in Hückeswagen abzugeben.

Am Ortstermin nahm auch Anwohner Winfried Schonig teil. Er wollte sich informieren, was in den nächsten Tagen mit dem Wald geschieht. Er entsorgt nichts im Wald. „Das landet bei mir alles in der Biotonne.“

Aufgefallen waren die Waldschäden Sascha Lambeck, der berufsbedingt ein Auge dafür hat. „Zwei Bäume habe ich zunächst von außen entdeckt“, erzählte er. Als Vater, der weiß, dass der Wald oft von Schulklassen und auch von Gruppen der naheliegenden Kita Herderstraße besucht wird, kontaktierte er die Umweltbeauftragte. Mit Förster Stefan Wende nahmen die beiden dann das Waldstück in Augenschein. Sie entdeckten noch mehr Bäume - mit teils versteckten Schäden. Unter anderem einen Baum, der unterhöhlt ist.

„Die Löcher sind gar nicht aufgefallen, weil Sträucher davor wuchsen“, sagte Lambeck. Rund 30 Prozent des Baumbestandes muss entfernt werden. Aufforsten müsse man aber nicht, so Regina Hildebrandt. „Der Bestand wird gesichert durch die Naturverjüngung.“

Hintergrund

Die Fällarbeiten im Waldstück an der Lessingstraße beginnen in der nächsten Woche. In den Zeiten der Fällungen ist das Betreten des Waldes verboten. Zwischen den Fällarbeiten besucht Förster Stefan Wende mit Schulklassen den Wald und erklärt ihnen die Hintergründe der Fällaktion anschauend vor Ort.

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