Katastrophe

Als das Hochwasser Radevormwald erreichte

Einsatzkräfte der Radevormwalder Feuerwehr bei Abpumparbeiten.
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Einsatzkräfte der Radevormwalder Feuerwehr bei Abpumparbeiten.

In der Nacht zum 15. Juli 2021 lief die Wupper-Talsperre über. Die Flutwelle wälzte sich durchs Tal.

Von Stefan Gilsbach

Dass die Wupper-Talsperre einmal vor lauter Regen überlaufen würde, damit hatte vor einem Jahr niemand gerechnet. Doch in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 geschah genau das. Dass extreme Regenfälle drohten, war von Meteorologen vorausgesagt worden. Doch bis zum Abend sah die Lage in Rade vergleichsweise harmlos aus, während im nicht sehr weit entfernten Hagen bereits die Stadt zu großen Teilen unter Wasser stand.

Radevormwalds Feuerwehrführer Dietmar Hasenburg meldete am 14. Juli gegen 16.30 Uhr, bislang sei lediglich in der Kreuzstraße ein Keller vollgelaufen, und im Ferienpark Kräwinkel habe es einen Einsatz gegeben. Doch das war nur der Anfang. Als in der Nacht eine Hochwasserwelle sich von der Staumauer in Krebsöge die Wupper hinab Richtung Dahlhausen, Vogelsmühle und Dahlerau wälzte, waren rund 100 Personen von Feuerwehr und Ordnungsamt im Einsatz. 52 Alarmierungen gingen ein, 50 konnten zwischen 16 und 22.15 Uhr abgearbeitet werden.

Bevölkerung wurde mit Durchsagen gewarnt

Eine der wichtigsten Aufgaben war es, die Bevölkerung mit Durchsagen zu warnen. Wurden die Bürger zunächst aufgefordert, Autos und andere Fahrzeuge auf höheres Terrain umzuparken, wurde die Lage gegen 22 Uhr dramatisch. Einige Stunden lang galt für die Wupperorte höchste Gefahrenstufe. Es bestehe Lebensgefahr, meldete die NINA-Warn-App um 23 Uhr. Das Wupperufer wurde evakuiert, zum Glück hatten sich viele Anwohner bereits in Sicherheit gebracht, versorgt wurden sie in den folgenden Stunden unter anderem in der Grundschule Wupper auf der Brede. Dort oben über dem Tal der Wupper, war man sicher.

Am Tag darauf wurde klar: Mehrere Gebäude waren vom Wasser erreicht worden, Straßen und Wege wurden beeinträchtigt, aber Menschen kamen zum Glück nicht zu Schaden. Radevormwald ist, im Vergleich zum wupperaufwärts gelegenen Hückeswagen und dem wupperabwärts gelegenen Beyenburg glimpflich davon gekommen.

Kritik gab es am Wupperverband, im Mai 2022 wurde aber ein Gutachten vorgestellt, das den Verband entlastete und ihm korrektes Handeln bescheinigte. „Der Wupperverband hat allerdings deutlich nachgebessert“, erklärt Burkhard Klein, Leiter des Bauverwaltungsamtes. „Der Kontakt zu den Krisenstäben der Kommunen ist technisch aufgerüstet worden, es gibt jetzt ein Rotes Telefon und einen Videokanal.“ Der Wupperverband ist zudem eingebunden in eine neue „Taskforce“ der Stadt Wuppertal, so wurden auch in Beyenburg neue Pegelmesser installiert. 

Bürger, die von der Flut betroffen waren, hatten die Möglichkeit, finanzielle Hilfen zu beantragen. Aus Mitteln der so genannten „Billigkeitsleistungen“ wurden an 20 Privatpersonen insgesamt 44.500 Euro ausgeschüttet, an 16 Gewerbetreibende 80.000 Euro.  Die Stadt Radevormwald habe eine Förderung in Höhe von 163.000 Euro aus dem Programm „Soforthilfe für Kommunen“ erhalten, mit der die Infrastruktur wieder instandgesetzt werden konnte. Damit wurde die Schäden durch einen Hangrutsch nahe Oberdahl und ein Teil des Gehweges an der Mühlenstraße saniert.  Über diese Hilfe hinaus gab es eine Welle der Hilfsbereitschaft für die Betroffenen. Wie Burkhard Klein mitteilt, wurden „über Spenden von Privaten, Vereinen und Institutionen an verschiedene Haushalte etwa 33.500 Euro ausgeschüttet.“ Im ehemaligen Gemeindehaus am Siedlungsweg, nun Bürgertreff, wurden so viele Sachspenden abgegeben, dass die Helfer irgendwann Stopp sagen mussten.

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