Demenznetzwerk

Aktion verschafft Tabuthema Sichtbarkeit

Bei bergischem Regenwetter veranstaltete das Demenznetzwerk Radevormwald am Mittwochvormittag eine Wander- und Gesangsaktion mit Abschluss am Marktplatz.
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Bei bergischem Regenwetter veranstaltete das Demenznetzwerk Radevormwald am Mittwochvormittag eine Wander- und Gesangsaktion mit Abschluss am Marktplatz.

Demenznetzwerk Radevormwald lud zu einer Wanderung ein.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Radevormwald. Demenz ist ein Thema, das zwar nicht mehr ganz ein Tabu ist, aber dennoch allgegenwärtig ist in unserer immer älter werdenden Gesellschaft. Aus diesem Grund, also, um die Erkrankung und ihre Auswirkungen und die Schwierigkeiten, die damit einhergehen, bekannter zu machen, hat sich in Radevormwald der Pflegearbeitskreis mit dem Seniorenbeirat zum Demenznetzwerk zusammengetan.

Im Pflegearbeitskreis sind die ambulanten und stationären Einrichtungen der Kranken- und Altenpflege, das Sana-Krankenhaus, der Verein „aktiv55plus“ und der Ökumenische Hospizverein aktiv. Das Demenznetzwerk bietet immer wieder öffentliche Veranstaltungen an, mit denen auf das Thema Demenz hingewiesen werden soll.

Am Mittwochvormittag, bei ausgiebig vom Himmel kommendem bergischen Landregen, findet die erste größere Veranstaltung seit Corona statt. „Es sollte etwas im Freien sein, und es sollten die Themen Bewegung und Singen im Mittelpunkt stehen“, sagt Kyra Springer, Vorsitzende des Vereins „aktiv55plus“.

Singen ist für Demenzkranke wichtig

Geplant ist einerseits eine kleine Wanderung durch Radevormwald, die ihren Abschluss mit einer kleinen, gemeinsamen Gesangseinlage unter einem schützenden Pavillonzelt am Wochenmarkt finden soll. „Wir haben uns das Motto ‚Demenz bewegt‘ genommen“, sagt Kyra Springer.

Denn einerseits bewege die Krankheit emotional – die Betroffenen wie deren Angehörigen. Und andererseits sei Bewegung zum einen prophylaktisch sehr gut – und auch für die von der Demenz bereits betroffenen Menschen eine gute Sache.

Kyra Springer baut mit einer Helferin den Pavillon auf, als eine Gruppe älterer Menschen aus dem Seniorenheim an der Uelfestraße zusammen mit Lili Stiklmaier dazukommt. Letztere hat ihr Knopfakkordeon mit dabei, das sie auch im Seniorenheim regelmäßig zum Erklingen bringt. „Bürgermeister Johannes Mans hat die Wandergruppe, etwa 15 Personen, am Haus der Begegnung mit einem kleinen Grußwort auf den Weg geschickt – und da kommen sich auch schon“, sagt Kyra Springer.

Gut, dass die Menschen Schirme mit dabei haben, denn so groß ist das Pavillonzelt gar nicht, dass dort alle rund 30 Teilnehmenden Platz finden könnten. Und wenige Augenblicke später erklingen bekannte Volkslieder, etwa „Die Gedanken sind frei“ oder „Horch, was kommt von draußen rein“ aus vielen Kehlen zur Begleitung des Akkordeons.

Singen sei sehr wichtig für Menschen, die an Demenz litten, sagt Kyra Springer. „Es ist eine Kompetenz, die den an Demenz erkrankten Menschen geblieben ist – wie übrigens auch das Wandern oder Spazierengehen“, sagt sie. Und jede gebliebene Kompetenz sei gut und wichtig für die Menschen. „Demenz beginnt meist langsam. Und nicht immer weiß man, dass es sich bei uns seltsam anmutenden Verhaltensweisen um die ersten Ausläufer der Erkrankung handelt“, sagt Springer nachdenklich. So sei sie etwa bei einer Gelegenheit angerufen worden, weil eine ältere Dame mehrfach am Tag in einer Bankfiliale vorgesprochen hatte, um jeweils 20 Euro abzuheben – ohne sich daran erinnern zu können, das bereits sieben Mal getan zu haben.

„Uns geht es darum, dass die Menschen in Radevormwald zum einen wissen, dass es unter uns an Demenz erkrankte Mitbürgerinnen und Mitbürger gibt. Und sie sollen auch wissen, an wen man sich im Falle des Falles wenden kann – eben an alle Mitglieder des Demenznetzwerks“, sagt Springer. Mit der Aktion am Mittwoch wurde ein Zeichen gesetzt.

Hintergrund

Demenz: Allgemein versteht man unter Demenz eine Minderung der geistigen Fähigkeiten, die zudem ausgeprägt genug sein muss, um das tägliche Leben zu beeinträchtigen. Es gibt unterschiedliche Ursachen, die diese Minderung zur Folge haben, die Alzheimer-Krankheit ist die am weitesten verbreitete.

Kontakt: Das Demenznetzwerk in Radevormwald setzt sich aus unterschiedlichen Beteiligten zusammen. Wer sich informieren möchte, kann sich an den Verein aktiv55plus wenden, der entweder direkt weiterhelfen oder weitervermitteln kann.

Internet:

www.aktiv55plus.de

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