Herzstillstand

Ärzte simulieren Notfall in der Notaufnahme

Ärzte und Pflegeteam der Sana-Krankenhaus proben bei der Simulation eines lebensbedrohlichen Notfalls die Wiederbelebung eines Patienten. Der „Dummy“ ist technisch so ausgerüstet, dass er sich sogar übergeben kann. Darauf wurde bei dieser Gelegenheit allerdings verzichtet.
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Ärzte und Pflegeteam der Sana-Krankenhaus proben bei der Simulation eines lebensbedrohlichen Notfalls die Wiederbelebung eines Patienten. Der „Dummy“ ist technisch so ausgerüstet, dass er sich sogar übergeben kann. Darauf wurde bei dieser Gelegenheit allerdings verzichtet.

Pflegeteams trainieren regelmäßig die Reanimation von Patienten.

Von Cristina Segovia-Buendía

Radevormwald. Ein Mann kommt mit Kiefer- und Brustschmerzen in die Notfallaufnahme. Der Patient ist zunächst redselig, wird aber plötzlich nervös, als sich die Ärzte mit großen Fragezeichen im Gesicht dem Herzmonitor zuwenden. Die Schmerzen werden heftiger, der Blutdruck sackt ab, das EKG beginnt auszuschlagen. Plötzliche Tachykardie, ein viel zu schneller Herzschlag und plötzliches Kammerflimmern. Der Patient ist bewusstlos, muss wiederbelebt werden. Schnell. Die drei Ärzte schauen sich um. Der eine beginnt mit einer Herz-Druck-Massage, der Nächste macht den Defibrillator bereit. Der dritte kümmert sich um die Sauerstoffzufuhr, intubiert den bewusstlosen Patienten und pumpt über einen Beatmungsbeutel regelmäßig neuen Sauerstoff in die Luftröhre.

Als der erste Schock ausgelöst wird, treten alle einen Schritt zurück. Der „Defi“ löst aus, um das Herz wieder in den Gang zu bringen, doch es flimmert noch immer. Bis der nächste Schock geladen ist, drückt der Arzt weiterhin beherzt auf den Brustkorb des Patienten, lässt kurz los, drückt erneut. Nach einer gefühlten Ewigkeit und weiteren Stromschlägen springt das Herz wie ein alter Motor wieder an und pumpt wieder im Takt Blut und Sauerstoff durch den Körper. Die Ärzte atmen auf. Reanimation geglückt.

Zugegeben, bei einem echten Notfall wären die Ärzte hier deutlich weniger entspannter gewesen als just in dieser Situation, obwohl sich Professor Dr. Kurosch Moussazadeh allergrößte Mühe gegeben hatte, das Ärzteteam mit seiner Darbietung als quengeliger Patient oder nerviger Angehöriger aus dem Konzept zu bringen.

Ärzte üben mit Hightech-Dummy

Den Männern und Frauen in Weiß war die ganze Zeit über bewusst, dass sie hier den Ernstfall mit einer Puppe und nicht mit einem echten Menschen üben, auch wenn es sich bei der Puppe um einen sehr teuren Hightech-Dummy handelt, der über die Fernbedienung eines Tablets atmet, spricht – und bei Bedarf sich sogar übergeben kann. „Dafür braucht man nur den Magen mit etwas Hühnerbrühe zu füllen. Aber darauf haben wir diesmal verzichtet, denn das ist eine wirklich große Sauerei“, kommentiert Dr. Moussazadeh, Chefarzt der Sana-Kliniken in Duisburg und leitender Notarzt der Stadt.

Gemeinsam mit seinem Bruder Kian Moussazadeh, Chefarzt am Sana-Krankenhaus in Gerresheim, besuchte er die Kollegen am Radevormwalder Klinikum, um in einer Simulation den Notfall zu üben. „Ziel einer Reanimation ist die Wiederherstellung des Kreislaufs, der Atmung und der Hirnfunktion“, erklärt Dr. Kian Moussazadeh, wobei der den letzten Punkt besonders hervorhebt. Denn wird das Gehirn in der Reanimationsphase nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, sterben Areale ab, der Patient bleibt trotz geglückter Reanimation für immer ein Pflegefall. Die Bedenken, die einige der anwesenden Ärzte äußern, bei einer Reanimation zu feste auf den Brustkorb zu drücken und dadurch dem Patienten möglicherweise mehrere Rippen zu brechen, schmettert Moussazadeh ab. Bei einer ordentlichen Reanimation müssten die Rippen brechen. „Sie müssen drücken. Haben sie keine Angst davor. Knochen können heilen, doch was im Hirn stirbt, kommt nie wieder.“

Für Adam Abudher, Oberarzt der Chirurgie im Sana-Krankenhaus, sind solche Simulationen Gold wert. Die Theorie beherrschen er und seine Kollegen blind. Doch der Notfall sollte regelmäßig trainiert werden. „Das ist jetzt schon mein drittes oder viertes Mal und ich lerne immer wieder neues dazu. Das ist wichtig für uns und auch wenn es nur eine Simulation ist, wenn man in der Übung ist, fühlt sich das sehr echt an.“

Notfallfunktion im Smartphone

Wer für den Notfall gewappnet sein will, sollte in seinem Smartphone seine Unfalldaten überprüfen. Wenn Ärzte nämlich einen bewusstlosen Patienten identifizieren müssen, machen sie immer häufiger vom Handy des Patienten Gebrauch. „Viele Menschen tragen gar keine Geldbörse oder Ausweise bei sich, aber in den meisten Fällen immer das Smartphone“, erklärt Dr. Kurosch Moussazadeh den Grund. Auch bei einem Handy mit Tastensperre könnten die Ärzte über die Notfalltaste an die hinterlegten Daten herankommen und so nicht nur den Namen des Patienten erfahren, sondern – sofern hinterlegt – auch den Notfallkontakt der Person anrufen und informieren.

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