Prozess

86-Jähriger wegen Fahrerflucht verurteilt

Das Amtsgericht in Wipperfürth.
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Das Amtsgericht in Wipperfürth.

Unfall auf dem Krankenhausparkplatz.

Von Heike Karsten

Radevornwald. Auf dem Schaden von mehr als 3300 Euro wäre ein Autofahrer sitzen geblieben, hätte es nicht eine Zeugin gegeben. Sie hatte beobachtet, wie ein älterer Herr im Juni auf dem Parkplatz des Radevormwalder Sana-Klinikums in eine enge Parklücke gefahren war und dabei offensichtlich ein nebenstehendes Fahrzeug beschädigt hatte. Um den Schaden hatte sich der 86-jährige Fahrer jedoch nicht gekümmert, weshalb er nun als Angeklagter am Wipperfürther Amtsgericht erscheinen musste.

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort wurde ihm vorgeworfen. Der Angeklagte erinnerte sich an diesen Tag: „Meine Frau lag schon länger im Krankenhaus, und ich wollte ihr frische Wäsche bringen“, sagte der Radevormwalder. Durch Bauarbeiten auf dem Parkplatz hätte es jedoch weniger Parkmöglichkeiten gegeben.

Der Anwalt des Angeklagten berichtete weiter: „Er hat dann eine enge Lücke gefunden und ist vorwärts reingefahren. Da aber zum Aussteigen zu wenig Platz war, ist er wieder heraus- und in eine andere Parklücke gefahren.“ Eine Berührung mit dem nebenstehenden Fahrzeug hätte sein Mandant nicht bemerkt. Auch den eigenen Schaden an seiner Stoßstange hätte der 86-jährige Autofahrer nicht als frischen Schaden erkannt.

Das Hupen habe er gehört, aber nicht auf sich bezogen

Dieser Einlassung stand jedoch die Aussage der 50-jährigen Zeugin entgegen, die das Parkmanöver des Rentners beobachtet hatte. „Ich habe meinen Mann zum Krankenhaus gefahren und im Auto gewartet“, begann sie ihre Aussage. Beim ersten Einparkversuch des Angeklagten sei die Alarmanlage mit Hupen und Warnblinklicht des nebenstehenden Fahrzeugs, ein schwarzer BMW, angegangen. Der Verteidiger warf ein, dass sein Mandant das Hupgeräusch zwar gehört, jedoch nicht auf sich bezogen hätte. Nachdem der Angeklagte in der zweiten Lücke eingeparkt hatte und ausgestiegen war, habe er sich sein eigenes Auto von vorne angeguckt und sei auch mit der Hand über die Stoßstange gegangen. „Ich bin dann ausgestiegen und habe gesehen, dass der schwarze BMW stark zerkratzt war“, berichtete die Zeugin weiter. Im Krankenhaus hatte sie nachgefragt, ob jemand den Schaden gemeldet hätte. Doch das war nicht der Fall. „Ich will keinem was Böses, habe daraufhin aber die Polizei verständigt“, sagte die 50-Jährige. Die Beamten hatten weitere Schäden am Fahrzeug des Rentners feststellen können. Der Richter hakte nach: „Wollen Sie tatsächlich noch weiter Auto fahren?“ Nach dem Unfall im Juni wurde dem Rentner der Führerschein entzogen. Der Verteidiger setzte sich für seinen Mandanten ein: „Aufgrund der Wohnsituation und der Ehefrau, die im Rollstuhl sitzt, legt mein Mandant Wert auf die Fahrerlaubnis.“

Am Ende der Verhandlung verurteilte das Gericht den Senior für das unerlaubte Entfernen vom Unfallort zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je 30 Euro (750 Euro) und einem Führerscheinentzug von sechs Monaten. Da das halbe Jahr bereits abgegolten war, erhielt der Radevormwalder noch im Gerichtssaal seinen Führerschein zurück.

Der Richter ermahnte den Senioren: „Ich habe die Hoffnung, dass sie sich im Nachgang zur Verhandlung über Ihre Fahrtauglichkeit Gedanken machen. Irgendwann ist Schluss mit dem Autofahren.“ Der verursachte Schaden am BMW wurde von der Versicherung des 86-Jährigen übernommen.

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