Krieg

240 Ukrainer finden Zuflucht in Rade

Ukrainische Kinder haben Bilder für diese Wand im Eingangsbereich des Rathauses gemalt. Auch eine Karte des Landes ist zu sehen.
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Ukrainische Kinder haben Bilder für diese Wand im Eingangsbereich des Rathauses gemalt. Auch eine Karte des Landes ist zu sehen.

Bewohner von Unterkünften müssen buchstäblich zusammenrücken.

Von Stefan Gilsbach

Radevormwald. Am 24. Februar 2022 hat die russische Armee auf Befehl ihres Präsidenten Wladimir Putin den Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Millionen vom Menschen haben darauf hin die Flucht ergriffen – aus gutem Grund, wie inzwischen die grauenhaften Leichenfunde in Butscha und anderen ukrainischen Ortschaften zeigen. Jüngst bombardiert Putins Armee verstärkt auch immer wieder zivile Ziele in ukrainischen Städten.

Zuflucht vor den Kriegsgräueln haben die Menschen aus der Ukraine auch in Radevormwald gefunden. Wie Volker Grossmann, Leiter des Sozialamtes, mitteilt, wohnen in der Stadt aktuell 240 ukrainische Bürgerinnen und Bürger. „Ein großer Teil sind Frauen mit ihren Kindern“, berichtet Grossmann und ergänzt: „Vereinzelt sind es auch Großmütter mit ihren Enkeln. Da gibt es wirklich schlimme Schicksale.“

Dazu verzeichnet die Stadtnoch 97 Asylbewerber

Die Menschen sind teils in den Flüchtlingsunterkünften der Stadt, teils auch in Wohnungen untergebracht worden. „Manche haben auch bei Verwandten eine Bleibe gefunden“, sagt Grossmann. Die Ankömmlinge aus der Ukraine fallen zunächst unter das Asylbewerberleistungsgesetz, nach vier bis sechs Wochen wechselt die Zuständigkeit dann zum entsprechenden Job-Center.

Neben den Kriegsflüchtlingen aus Osteuropa verzeichnet die Stadtverwaltung aber auch aktuell 97 Asylbewerber, die andere Nationalitäten besitzen, diese Menschen leben hauptsächlich in den erwähnten Unterkünften.

Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Grundschule Blumenstraße/Neustraße

Damit alle Geflüchteten ein Dach über dem Kopf finden, musste in den Heimen buchstäblich zusammengerückt werden. Da die Zahl der Asylbewerber zuletzt eher niedrig war, konnten die Menschen zu zweit in einem Zimmer wohnen, inzwischen sind es vielfach aber wieder vier Personen pro Raum, was natürlich manchmal zu Gereiztheit und anderen Schwierigkeiten führen könne. Die Hilfsbereitschaft war zu Beginn des Ukraine-Krieges groß.

Doch wie es bei lang anhaltenden Krisen zu gehen pflegt, ermüdet der gute Willen bei manchem mit der Zeit. In den vergangenen Wochen wurde vermehrt über die großen Herausforderungen durch den Flüchtlingszuzug gesprochen, nicht nur den aus der Ukraine. Der stellvertretende Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung, erklärte nach dem jüngsten Flüchtlingsgipfel bei Bundesinnenministerin Nancy Faeser: „Die Lage ist in der Tat herausfordernd.“ Manche Städte hätten kaum noch Kapazitäten. Zugleich wollen die Verantwortlichen es aber möglichst vermeiden, dass die Menschen in Sport- und Turnhallen untergebracht werden müssen.

Jugendamtsleiter Volker Grossmann.

In Rade, räumt Volker Grossmann ein, ist die Lage ebenfalls angespannt. „Wir gehen auch schon am Stock“, erklärt der Sozialamtsleiter. Unklar ist, mit wie vielen  Geflüchteten die Stadt in der näheren Zukunft noch rechnen muss. Statistisch betrachtet könne noch eine Zuweisung von 21 weiteren Personen kommen. „Das können wir schultern“, stellt Grossmann klar. Allerdings kommen auch Ukraine-Flüchtlinge ohne Zuweisung nach Rade. „In der vergangenen Woche waren das allein zehn Personen“, berichtet der Amtsleiter. „Sie sprechen im Rathaus vor und bitten um Hilfe.“

Problematisch könne die Lage werden, sollten Personen nach den Bestimmungen des Paragrafen 112a des Flüchtlingsaufnahmegesetzes Rade zugeteilt werden. „Es handelt sich in diesem Fall um anerkannte Flüchtlinge, bei denen in Großstädten wie etwa Köln eine Überdeckung besteht.

Diese können dann nach diesem Paragrafen auf kleinere Städte verteilt werden.“ In diesem Fall müsste die Bergstadt mit weiteren 131 Zuzügen rechnen. „Das würde uns derzeit tatsächlich überfordern“, räumt Grossmann ein.

Hintergrund

Am 3. Oktober 2022 waren insgesamt 1.002.763 Personen im Ausländerzentralregister (AZR) erfasst, die im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine seit dem 24. Februar 2022 nach Deutschland eingereist sind. Das sind die Zahlen, die das Bundesinnenministerium mitgeteilt hat.

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