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Wilhelm Conrad Röntgen: Spuren des Wissenschaftlers bis heute sichtbar

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Berühmtester Sohn Remscheids: Der Entdecker der X-Strahlen: Wilhelm Conrad Röntgen. 

2020 wird zum "Röntgen-Jahr": Heute vor 174 Jahren wurde der spätere Nobelpreisträger in Lennep geboren. Hier lesen Sie das Wichtigste zu Remscheids berühmtesten Sohn. 

Remscheid-Lennep. Seine Erfindung brachte ihm den ersten Nobelpreis für Physik ein und bedeutete einen riesigen Fortschritt in der medizinischen Diagnostik. Das macht Wilhelm Conrad Röntgen wohl zum berühmtesten Sohn der Stadt Remscheid. Der in Lennep geborene Wissenschaftler hat bis heute seine Spuren in der Seestadt auf dem Berge hinterlassen.

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Wilhelm Conrad Röntgen wurde am 27. März 1845 in Lennep geboren. Seine Eltern waren Friedrich, ein Tuchfabrikant, und Charlotte Röntgen. Drei Jahre lebte die Familie mit ihrem einzigen Kind in Remscheid, bis sie aus wirtschaftlichen Gründen in die niederländische Stadt Apeldoorn umzog. Zur Schule ging Röntgen in Utrecht, verließ die Einrichtung aber ohne Abitur. Der Grund: Aus disziplinarischen Gründen wurde er der Schule verwiesen.

Röntgen: Späterer Nobelpreisträger flog von der Schule 

Ein Glück für Wilhelm Conrad Röntgen, dass man seinerzeit an der Universität Zürich auch ohne Abitur studieren konnte. 1865 nahm er dort sein Studium in Maschinenbau auf. Sein Diplom bekam Röntgen 1868, wonach er ein Aufbaustudium in Physik, das er schließlich am 22. Juni 1869 mit der Promotion beendete. Fortan arbeitete Röntgen als Professor für Physik in Straßburg, Gießen, München und Würzburg. In Würzburg sollte ihm dann die größte Entdeckung seines Lebens gelingen.

Röntgen war der erste Nobelpreis für Physik.

Es war der 8. November 1895, als Conrad Wilhelm Röntgen im Physikalischen Institut der Universität Würzburg die Leitung von Elektrizität in Gasen untersuchte und dabei eine unsichtbare Strahlung entdeckte. Diese Strahlen, die der Wissenschaftler zunächst X-Strahlen nannte – im Englischen nennt man die Strahlen übrigens immer noch „x-rays“ – konnten das bisher verborgene Innere eines Organismus sichtbar machen. Am 22. November 1895 entstanden die ersten Röntgenbilder der Geschichte. Wilhelm Conrad Röntgen nahm das Handskelett seiner Frau mit 20-minütiger Durchleuchtungszeit auf. 

Röntgen: Einen Menschen von innen zu sehen, war eine Riesensensation

Röntgen verfasste mehrere wissenschaftliche Berichte über seine Entdeckung. Der erste trug den Titel „Über eine neue Art von Strahlen“. 1901 wurde Wilhelm Conrad Röntgen der Nobelpreis für Physik verliehen – der erste Nobelpreis überhaupt in dieser Kategorie.

Röntgen macht´s möglich: Nicht nur das Innere des Menschen kann sichtbar gemacht werden. 

Einen Menschen von innen zu betrachten, avancierte zur Attraktion. Auf Jahrmärkten konnten sich neugierige durchleuchten lassen, in Schuhgeschäften gab es später Röntgenapparate, die zeigten, ob die Schuhe passten. Die möglichen Nebenwirkungen der X-Strahlen waren zum damaligen Zeitpunkt noch nicht bekannt. 

Damals war die Belastungsstärke der Strahlen um das Zehntausendfache höher als heute. Durchleuchtungszeiten von bis zu einer Stunde waren durchaus normal. Doch da Röntgenstrahlen eine viel größere Energie als sichtbares Licht haben, können sie schädlich für den Menschen sein. Die Strahlung kann zum Beispiel Zellen beschädigen. Viele Wissenschaftler, die sich damals mit den Röntgenstrahlen beschäftigten, starben an den Folgen der Strahleneinwirkung. Wilhelm Conrad Röntgen selbst starb am 10. Februar 1923 in München. Seine Spuren in seiner Geburtsstadt Remscheid sind jedoch bis heute noch deutlich sichtbar.

Röntgen: Auf den Spuren des Entdeckers aus Lennep

Unweit vom Gänsemarkt 1, dem Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen, steht das Deutsche Röntgen-Museum. Das Museum wurde 1932 eröffnet und im Zuge der Regionale 2006 komplett umgebaut. Heute ist das Museum an der Schwelmer Straße ein lebensnahes Themen- und Familienmuseum kreativen Forschens und erlebnisreichen Entdeckens. 

Kinder können sich beispielsweise im Mini-Club zum Museumsführer ausbilden lassen und dürfen dann eigene Führungen für ihre Altersgenossen durchführen. Im Jahr 2017 zählte das Museum 12.500 Besucher. Geleitet wird das Museum von Dr. Uwe Busch. 

Am Eingang des Röntgen-Museums begrüßt ein "X" die Besucher. 

Das Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen hat die Restaurierung der Parterre inzwischen abgeschlossen und will den musealen Bereich pünktlich zum 174. Geburtstag am 27. März 2019 eröffnen. Zu sehen sind unter anderem 30 Originaldokumente, darunter beispielsweise die Röntgenaufnahme der Hand von Gattin Anna Bertha. 

Röntgen-Plakette: Angesehene Auszeichnung wird jährlich verliehen

Prof. Dr. Franz Pfeiffer (2.v.l.) ist aktueller Preisträger der Röntgen-Plakette.

Seit 1951 wird jährlich die Röntgen-Plakette verliehen. Die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Röntgen-Museums Remscheid-Lennep e.V. schlägt dem Oberbürgermeister nach einer Vorauswahl Persönlichkeiten vor, die sich in der Röntgen-Forschung verdient gemacht haben. Preisträger 2018 ist Prof. Dr. Franz Pfeiffer aus München. 

Röntgenlauf und Röntgenweg: Laufspektakel rund um Remscheid  

In diesem Jahr wird der Röntgenlauf zum 19. Mal stattfinden. Seit dem Jahr 2000 findet die international bekannte Laufveranstaltung, die der Röntgen Sport Club etabliert hat, am letzten Sonntag im Oktober statt. Crossläufe, Walking, 5- und 10-Kilometerläufe werden angeboten, genauso wie die großen Runden bis hin zum Ultramarathon.  

2018 nahmen knapp 3000 Läufer an dem Spektakel teil. Zahlreiche Zuschauer sorgten für eine wunderbare Atmosphäre. In Remscheid ein bekanntes Gesicht ist Seriensieger Daniel Schmidt. Der Local Hero überquerte bereits elf Mal die Ziellinie als Erster - zehn mal beim Halbmarathon, einmal beim Marathon.

Die Laufstrecke führt über den Röntgenweg, der seinen Namen 1995 erhielt. Am 27. März, Röntgens Geburtstag, wurde die Wanderplatte aus Schiefer für den 58 Kilometer langen Rundweg eingeweiht. Die Idee zum Umbenennung geht zurück auf Reinhard Wolff, den 2. Wanderwart des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) Abteilung Remscheid. Er schlug die Namensgebung anlässlich des Röntgenjahres 1995 vor - schreibt der SGV auf seiner Webseite. Damals gab es gleich drei Jahrestage zu feiern: Wilhelm Conrad Röntgens 150. Geburtstag, 100 Jahre Entdeckung der Röntgenstrahlen und das 65-jährige Bestehen des Deutschen Röntgen-Museums.   

Röntgen-Jahr 2020: Nächste Jahrestage und Feierlichkeiten stehen an

2020 jährt sich der Tag der Entdeckung der X-Strahlen zum 125. Mal, Wilhelm Conrad Röntgen wäre dann 175 Jahre alt. Der Röntgenlauf findet dann zum 20. Mal statt. Anlässlich dieser Jubiläen haben sich Universitäten, Hochschulen, Städte, Gesellschaften, Verbände und Institutionen zusammengeschlossen, um 2020 zu einem Röntgen-Jahr zu gestalten. Das kündigte die Deutsche Röntgengesellschaft in einer Pressemitteilung an. 

Dort heißt es auch, dass das Geburtshaus Röntgens in Lennep zentraler Bestandteil des Jubiläumsjahres sein soll. Bereits am 27. März soll das sanierte Geburtshaus eröffnet werden.  Die NRW-Stiftung unterstützt das Röntgen-Museum bei der Einrichtung der Dauerausstellung und auch bei der Sanierung des Geburtshauses. 

Röntgen-Museum: Museum hilft bei Kriminalfall um gestohlene Gemälde

Im Dezember 1979 waren fünf Gemälde alter Meister spurlos aus Schloss Friedenstein in Gotha gestohlen worden. 2018 tauchten die Meisterwerke aus dem Gemälderaub unter dubiosen Umständen wieder auf - aber es wurde an ihrer Echtheit gezweifelt. Alte Röntgenbilder des Röntgen-Museums in Remscheid lieferten einen entscheidenden Hinweis für die Forschung zum Gemälderaub von Gotha.

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