Mein Leben als Papa

Wenn die Gedanken wandern, ist das keine verlorene Zeit

+
Eine kleine Auswahl an Lieblingsbüchern von Hannes, Michel und dem Papa.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Über einen sehr netten Brief einer Leserin durfte ich mich kürzlich freuen. Sie bedankte sich nicht nur für meine Geschichten über Hannes und Michel, sondern berichtete auch von ihrem Krankenhausaufenthalt, bei dem sie zu den Untersuchungen im Bett über die langen Flure gefahren wurde. Dabei habe sie immer an die schöne Geschichte „Der kleine Häwelman“ von Theodor Storm denken müssen. Doch niemand außer ihr kannte die Geschichte.

„Wird Kindern nicht mehr vorgelesen, nicht mehr erzählt?“, fragt sie. Mit ihren 85 Jahren erinnere sie sich gerne an die Kinderzeit. „Wenn wir – frisch gebadet – mit den Erwachsenen die Köpfe zusammensteckten, um zu lauschen. Wir hörten von Ali Baba, vom Schimmelreiter, von Pole Poppenspäler und natürlich von den Zwergen an der Wupper und den Rittern von Schloss Burg“, berichtet die Leserin. 

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Später habe sie selbst ihren Kindern vom Räuber Hotzenplotz und vom doppelten Lottchen vorgelesen. „Ich freue mich, dass auch Sie, lieber Herr Freudenberg, Ihren Kindern den Gefallen tun, ihnen zu erzählen.“ Das sei keine verlorene Zeit. „Denn wohin sollen die Gedanken wandern, wenn sie mal über lange Krankenhausflure gefahren werden?“

Tatsächlich bin ich sehr froh darüber, dass meine beiden Söhne Bücher so sehr mögen. Immer schon. Wimmelbücher und alle Werke, die mit Feuerwehrmann Sam zu tun haben, stehen bei Michel zwar immer noch hoch im Kurs. 

Die Phase des reinen Anschauens hat er aber gerade verlassen. Bilder sind für ihn gar nicht mehr so wichtig. Er möchte Geschichten hören. Von der Raupe Nimmersatt. Oder vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Das Buch schnappt er sich morgens auch gerne mal selbst und liest daraus vor. Das klingt bei Michel dann ungefähr so: „Pferd mat? – Neeeiiin!“ „Kuh? mat“ – Neeeiiin!“ Huuund mat!“

Hannes lässt sich im Moment nicht so leicht für Geschichten begeistern. „Die Bremer Stadtmusikanten“ haben ihn zuletzt fasziniert. Auch der schon erwähnte Räuber Hotzenplotz. Oder „Nein, ich will noch nicht ins Bett“ von Astrid Lindgren. Aber er braucht dafür abends Ruhe. Und die hat er meistens nicht mehr, weil er sich vorher in andere Bücher vertieft hat. Bücher über Vulkane, Haie, Dinosaurier, Insekten im Garten, Planeten oder den Körper. „Ich will ja schlau werden“, sagt Dr. Hannes und möchte von mir noch einmal die Passage vorgelesen bekommen, in der der Unterschied zwischen Lava und Magma erklärt wird. 

Am nächsten Abend schaut er sich dasselbe Buch mit der Mama an und liest ihr daraus vor. Das klingt bei Hannes dann ungefähr so: „Lava heißt erst Lava, wenn sie an die Erdoberfläche getreten ist. Magma gibt es nur im Inneren der Erde.“ Weiterer Nachschub an wissenschaftlichen Abhandlungen ist bei den Omas und Opas schon bestellt.

So schön das Vorlesen abends mit Hannes oder Michel auch ist – es kann sich in die Länge ziehen. Ich jedenfalls bin danach viel zu müde, um selbst noch ein Buch zu lesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Die Container für die Sophie-Scholl-Gesamtschule kommen
Die Container für die Sophie-Scholl-Gesamtschule kommen
Polizei ermittelt nach Mülltonnen-Brand in Lüttringhausen
Polizei ermittelt nach Mülltonnen-Brand in Lüttringhausen
SPD will Straße nach Willi Hartkopf benennen
SPD will Straße nach Willi Hartkopf benennen
38 Prostituierte sind in Remscheid gemeldet
38 Prostituierte sind in Remscheid gemeldet

Kommentare