Mein Leben als Papa

Warum mir Nemo plötzlich das Pipi in die Augen treibt

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Der Papa: Überwältigt von einem animierten Fisch – bzw. von Hannes’ Reaktionen.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr)

Langeweile kennen Hannes und Michel eigentlich nicht. Sie leben nach der Maxime eines bekannten Baumarkts: Es gibt immer was zu tun. 

Eines etwas trüberen Tages aber wissen beide nichts mit ihrer Zeit anzufangen. „Dann machen wir heute mal einen Kino-Nachmittag“, schlage ich vor und blicke in vier erwartungsfrohe Augen. 

Die Wahl fällt auf „Findet Nemo“. Den 17 Jahre alten Disney-Animationsfilm um Clownfisch Nemo hatte ich in meiner Speisekammer der Erinnerungen als witzig, harmlos und – wegen der Unterwasserwelt im Ozean – als „bestimmt was für Hannes und Michel“ abgespeichert. Noch dazu FSK 0. Das passt schon.

Hätte ich den Film allein mit Michel angesehen, wäre die Kolumne hier fast schon zu Ende. Dann hätte ich irgendwann nachgegeben, zu den Szenen mit den Haien vorgespult oder „Findet Nemo“ doch lieber durch „Feuerwehrmann Sam“ ersetzt.

Hannes aber ist von Anfang an total fasziniert von der Geschichte. Sie nimmt ihn regelrecht gefangen. Der Beginn des Films ist harte Kost. In den ersten Minuten fällt Mama Clownfisch nämlich einer Raubfischattacke zum Opfer. Zack, tot. So etwas gibt es in den Kinderserien, die Hannes sonst ab und zu mal schaut, nicht. Er ist erschüttert. 

„Ist sie echt tot?“, will er immer wieder wissen. „Kommt sie wirklich nicht mehr zurück?“, fragt er ungläubig. Und ich frage mich mit Kloß im Hals und einem immer näher an mich heranrückenden Hannes im Arm, ob ich die richtige Filmauswahl getroffen habe. Für Hannes – und auch für mich. 

Spätestens das väterliche Clownfisch-Versprechen, sein einzig verbliebenes Kind Nemo immer zu beschützen, treibt mir das Pipi in die Augen. Und ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, jemals bei einem Film geweint zu haben. Michel reißt mich zum Glück in die Realität zurück. „Hai! Hai!“, ruft er immer wieder. Er will kein sentimentales Zeugs sehen. Er will Action. Als die ausbleibt, geht er lieber mit Mama spielen.

Vor Hannes und mir liegen aber noch gut 90 dramatische Minuten. „Neeeiiin!“, schreit Hannes, als Nemo von einem Taucher eingefangen wird. „Pass auf!“, warnt er lautstark, als ein Wal mit offenem Mund auf Papa Clownfisch zuschwimmt. „Das schaffst du“, feuert er Nemo an, als der sich aus dem Saugfilter des Aquariums befreien will. 

Ich bin zwar kein ausgewiesener Cineast, weiß aber sehr wohl, dass in Disneyfilmen am Ende alles gut ausgeht. Hannes weiß das noch nicht. Ich kann ihm noch so oft versichern, dass Papa und Nemo wieder zueinander finden werden – der Film bleibt für ihn eine Nervenprobe.

Weil es zwischendurch auch immer wieder lustige Momente gibt, wird es für uns aber doch noch ein richtig schönes Kino-Erlebnis im Wohnzimmer. Als Nemo und sein Papa sich endlich in die Arme schließen, springt Hannes auf, jubelt und applaudiert. Nass geschwitzt ist er, aber glücklich.

Dass es mit „Findet Dorie“ auch einen zweiten Teil gibt, habe ich ihm noch nicht erzählt. Erst muss ich meine Tränen trocknen . . .

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