Mein Leben als Papa

Mit Waldorf und Statler auf der Rückbank auf großer Fahrt

Blick in den Rückspiegel: Hinter mir ist auf jeder Fahrt für Unterhaltung gesorgt. Foto: gf
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Blick in den Rückspiegel: Hinter mir ist auf jeder Fahrt für Unterhaltung gesorgt. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Autofahrten waren lange Zeit die verdammte Hölle. Erst wegen Hannes, dann wegen Michel. Beide haben sich in ihrem ersten Lebensjahr weggeschrien, sobald der Wagen rollte. Andere Eltern bringen ihre Kinder durch Autofahrten zum Schlafen, unsere Kinder brachten ihre Eltern zum Verzweifeln. Doch diese Zeiten sind vorbei. Zumindest kürzere Strecken, zum Beispiel zu den Omas und Opas in die Nachbarstadt, sind mit beiden mittlerweile richtig unterhaltsam. 

Wie Waldorf und Statler aus der Muppet Show geben sie von der Rückbank aus ihre Kommentare ab zu allem, was hinter der Fensterscheibe an ihnen vorbeizieht. Obwohl das nicht ganz korrekt ist, denn Hannes fährt sein Fenster gerne nach kurzer Fahrtzeit schon runter: „Ich brauch frische Luft.“ Michel braucht die dann selbstverständlich auch. Also fahre ich auch sein Fenster runter. „Weiter“, weist mich Michel an. „Weiter.“ Zufrieden ist er erst, wenn es ganz unten ist und Durchzug herrscht.

Das Besondere an der Sitzkonstellation auf der Rückbank ist, dass Hannes nach vorne guckt und Michel nach hinten. Sie haben sich also immer etwas zu erzählen. „Gleich kommt der Löwe, Michel“, freut sich Hannes schon auf den Kreisverkehr mit der Raubkatzen-Skulptur. „Michel, warte!, Gleich! Jeeetzt!“ Sein kleiner Bruder hat aber gerade was ganz anderes vor Augen. „Motorrad, Hannes, da!“

So geht es hin und her. Jeder ist stolz, wenn er etwas entdeckt hat. Hat Michel ein geparktes Motorboot am Straßenrand entdeckt, gibt er uns das mit dem Zusatz „Michels Seite“ kund. Fahren wir über eine Eisenbahnbrücke, sagt Hannes zu seinem Bruder: „Schienen, Michel, auf meiner Seite.“ Obwohl die Schienen natürlich auch auf Michels Seite nicht enden und dort genauso zu sehen sind. Beim Überqueren der Wupper, von beiden freudig mit lauten „Wuppaaa“-Rufen quittiert, ist es dasselbe.

Die Strecke zu den Großeltern ist den beiden Jungs schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie im Voraus wissen, was sie gleich erwartet. Es werden zum Beispiel Wetten abgeschlossen, ob der Geländewagen von Papas Kollegen vor der Tür steht – oder nicht. Oder wie viele Pferde heute auf der Weide zu sehen sind. Oder ob diesmal Schwäne auf der Talsperre schwimmen.

Was manchmal nervig, aber eigentlich ziemlich praktisch ist: Hannes entgeht kaum ein Verkehrsschild. „60, Papa!“, ruft er von hinten und ich sehe, dass mein Tacho 75 zeigt. „Danke, Hannes!“ Der tückische Blitzer an der Talsperre, der von Oma und Opa bereits schöne Fotos gemacht hat, wird bei mir keinen Erfolg haben, solange Hannes bei mir mitfährt. „Vorsicht, Papa!“ Groß war die Freude bei Hannes, als wir neulich hinter einem Wagen herfuhren, der tatsächlich geblitzt wurde. „Der kann seinen Führerschein jetzt aber schön abgeben“, vermutete Hannes.

Und wenn gerade mal nicht so viel zu sehen ist, bleiben ja immer noch die Kennzeichen der anderen Fahrzeuge. RS, SG und W sind sogar schon für Michel langweilig geworden. Und Hannes weiß längst, wofür EN, ME, GM, DO, K oder D stehen. Manchmal werden wir aber alle überrascht. „Was ist SLS?“, wollte Hannes wissen. Ich musste passen. Sie wissen es auch nicht? Dann geht es Ihnen wie mir. Schauen Sie doch mal nach. Unsere Fahrt ging schließlich auch erst weiter, nachdem ich die Lösung gegoogelt hatte. . . 

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