Derzeit moderate Ansteckungszahlen

Corona: So verbreitet sich das Virus in Remscheid

Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist in einem Altenheim angekommen. Sieben Bewohner zeigen keinen schweren Krankheitsverlauf.

Von Axel Richter

Remscheid. Die Remscheider haben das Virus im Griff. Das verheißen jedenfalls die Zahlen, die der Corona-Krisenstab an jedem Tag veröffentlicht. Danach steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen nur langsam und die allermeisten, die an Covid 19 erkranken, werden wieder gesund. Das entspricht der Entwicklung auf Bundesebene. Danach greifen die Maßnahmen gegen eine rasante Verbreitung des Erregers: Sars-CoV-2 ist ausgebremst.

„Wenn es so bleibt, haben wir in Deutschland sehr viel Glück gehabt“, sagt Dr. Frank Neveling. Und die Menschen könnten ein Stück weit stolz auf sich sein. „Denn sie haben es auch ihrer eigenen Disziplin zu verdanken“, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes. Weil sie Masken tragen und Abstand halten, sind die Zahlen, wie sie sind. Doch Neveling warnt: „Die Lage kann sich jederzeit ändern.“

Remscheid: Sieben Bewohner in Haus Clarenbach mit Coronavirus infiziert

Dass die moderat steigende Infektionskurve keinen Anlass zur Sorglosigkeit gibt, zeigt sich aktuell im Haus Clarenbach. In dem Alten- und Pflegeheim in Lüttringhausen haben sich insgesamt sieben Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Damit ist eingetreten, was im städtische Krisenstab lange befürchtet wurde: Sars-CoV-2 ist dort eingedrungen, wo diejenigen sind, die am stärksten von ihm gefährdet sind.

Glücklicherweise deutet sich in allen Fällen ein milder Krankheitsverlauf an. Die Infizierten haben Fieber und zeigen Grippesymptome, darüber hinaus ist ihr Zustand stabil. Sie befinden sie sich in häuslicher Quarantäne. Andreas Wigger, Leiter des Hauses Clarenbach, hat alle Angehörigen über die Infektionslage im Haus informiert und das für Besucher gerade erst wieder geöffnete Heim geschlossen. Heimleiter und Krisenstab wollen verhindern, dass die Einrichtung zu einem der gefürchteten Hotspots wird und sich das Virus von dort weiter verbreitet.

Remscheid: Ordnungsamt: Maskenpflicht wird weitgehend beachtet

Vorsicht lassen nach wie vor auch die allermeisten Remscheider walten. „Die Maskenpflicht wird weitgehend beachtet“, sagt Jürgen Beckmann, Leiter des Remscheider Ordnungsamtes. Die Akzeptanz und die Bereitschaft, sich an die Regeln zur Eindämmung des Virus zu halten, war allerdings auch schonmal größer. Bislang haben die uniformierten Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes keine Bußgelder verhängt, wenn sie im öffentlichen Raum auf Bürger ohne Mund- und Nasenschutz getroffen sind. Das könnte sich absehbar ändern.

„Ich muss mit der Maske durchs Rathaus laufen. Ja, und?“

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD)

Ob es bei Ermahnungen bleibt, oder ob demnächst 50 Euro und mehr fällig werden, macht die Behörde vom Verhalten der Menschen abhängig. „Wir müssen das von Tag zu Tag neu entscheiden“, sagt Beckmann. Bislang ahndeten seine Mitarbeiter vor allem Verstöße gegen das Kontaktverbot: 300 Bußgeldbescheide wurden seit seinem Erlass ausgestellt. Insgesamt kommt das Ordnungsamt auf 4100 Einsätze seit Beginn der Ausnahmesituation Anfang März. Das macht 60 bis 70 Einsätze pro Tag.

Der Krisenstab setzt weiter auf die Solidarität der Bürger. Doch angesichts sogenannter Hygienedemonstrationen und ähnlicher Aufzüge, die auch für dieses Wochenende in zahlreichen Großstädten angemeldet wurden, wächst bei Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) das Unbehagen. „Zum Glück haben wir so etwas nicht in unserer Stadt“, sagt er. Der richtige Weg durch die Pandemie bleibe eine Gratwanderung. Für Menschen, die sich demonstrativ die Maske vom Kopf reißen, hat er deshalb kein Verständnis. „Und es steht auch für niemanden, der da demonstriert, die im Grundgesetz garantierte Freiheit auf dem Spiel, anderenfalls dürfen die das nämlich gar nicht machen.“ Sorge bereitet dem OB dagegen die zunehmend schwieriger werdende Lage für die Unternehmen. Die Remscheider Werkzeugindustrie ist von dem weltweiten Einbruch der Konjunktur besonders betroffen. Auf dem Spiel stehen hunderte, wenn nicht tausende Arbeitsplätze. Die geringen Einschränkungen seien demgegenüber wohl hinnehmbar, sagt das Stadtoberhaupt: „Ich muss mit der Maske durchs Rathaus laufen. Ja, und?“

Die Corona-Lage in Remscheid

Am Freitag meldete das Gesundheitsamt 14 Covid-Kranke in Remscheid. Bis dahin hatten sich 233 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. 204 gelten als genesen. Verstorben sind 15 Menschen, die neben anderen Erkrankungen auch an Covid 19 erkrankt waren. Die Kliniken vermelden aktuell vier positiv getestete Personen, die sich in stationärer Behandlung befinden. Ein Patient liegt auf der Intensivstation und wird beatmet.

Aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid finden Sie hier: Dieser Live-Blog wird laufend aktualisiert.

Standpunkt: Erste Erfolge, kein Sieg

Von Michael Albrecht

michael.albrecht@ rga-online.de

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Das Virus Sars-CoV-2 hat Remscheid weitgehend verschont. Die Stadt wie auch das ganze Land sind bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Die Zahl der Erkrankten ist moderat. Die Lockerungen der vergangenen Wochen sind deshalb sicherlich folgerichtig. Aber nicht ohne Risiko. Denn der bisherige Verlauf der Pandemie hat keinerlei Aussagekraft für die Zukunft und gaukelt schnell eine scheinbare Sicherheit vor, die leichtsinnig macht. 

Aber genau das darf nicht passieren. Denn die Gefahr ist noch lange nicht gebannt. Das Virus ist nicht besiegt, sondern seine Verbreitung nur verlangsamt. Das war nur möglich, weil sich die meisten Remscheider an die strikten Corona-Regeln gehalten haben und sich weiter halten müssen. Alles andere wäre fatal und würde die bisherigen Erfolge schnell zunichtemachen. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen wären eine Katastrophe. Deshalb gilt weiter: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Inzwischen gibt es in NRW eine Reihe weiterer Lockerungen. Das macht auch Urlaub und Reisen wieder möglich. Wir haben eine Übersicht zusammengestellt: Wohin kann man trotz Corona verreisen?

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