Mein Leben als Papa

Unter dieser Nummer ist immer etwas los

+
Bei Anruf Hannes. Oder Michel.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Mein Finger fängt zwar nicht an zu leuchten, aber zu bestimmten Zeiten am Tag geht es mir wie E.T. und ich hab nur eines im Sinn: Nach Hause telefonieren! Andere haben angeblich nie Zeit und schreiben sich stattdessen 50 WhatsApp-Nachrichten in zehn Minuten, ich höre lieber kurz die Stimmen meiner Liebsten.

Michel am Morgen

Wenn sie Hannes in den Kindergarten gebracht hat, klingelt die Mama kurz durch und bringt mich auf den aktuellen Stand. Flüstert sie, weiß ich schon, dass Michel gerade auf oder neben ihr eingeschlafen ist. Meistens aber turnt Michel im Hintergrund lautstark durch die Wohnung und ich rate anhand der Geräusche, was er gerade macht. Oft will er auch kurz mit mir sprechen. Sein geschmatztes „Mmmhaa“-Küsschen in meinem Gehörgang vertreibt am Morgen Kummer und Sorgen.

Hannes am Nachmittag

Auf dem Nachhauseweg melde ich mich immer aus dem Auto heraus zu Hause. Natürlich mit Freisprechanlage. Manchmal geht Hannes ganz routiniert ran: „Hallo Papa, wie war’s auf der Arbeit?“, fragt er mich dann – und ich merke, dass ich ähnlich ausführlich antworte wie er, wenn ich ihn frage, wie es im Kindergarten war: „Gut.“ Richtige Gespräche führen wir abends, wenn wir uns eigentlich schon dreimal „Gute Nacht“ gesagt haben. Immerhin gibt mir Hannes noch auf den Weg, dass ich mich beeilen soll. „Gib Vollgas, Papa!“ Dann möchte meist Michel das Telefon an sich reißen, es knackt in der Leitung, ich höre lautes Geschimpfe – Piiieeep . . .

Kumpel am Wochenende

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Es gibt diesen einen Kumpel, Patrick sein Name, bei dem ich zumindest versuche, mich am Wochenende zu melden. Früher rief er auch mich an, jetzt lautet unsere heimliche Abmachung, dass ich mich doch besser bei ihm melde, wenn es bei mir passt. Also wenn Hannes und Michel beschäftigt  sind. Denn sonst laufen Gespräche ungefähr so ab: „Wir können uns ja nächste Woche mal . . . – Nicht da hochklettern, Michel! – . . . zum Tennis oder . . . – Du siehst doch, dass ich telefoniere, Hannes – . . . oder einfach so . . . – Warum ziehst du Hannes denn jetzt an den Haaren, Michel? – . . . ähm, über was haben wir jetzt gesprochen?“

Oma am Abend

„Was machen die Kinder?“ Bevor sich meine Mutter nach meinem Befinden erkundigt, will sie wissen, wie es ihren Enkelkindern geht. „Ommma“, trötet Michel schon im Hintergrund. will auch ihr ein Küsschen geben oder zeigen, womit er gerade spielt. Hannes beschränkt sich darauf, seine Oma zu necken „Alte Oma“, ruft er und freut sich, wenn sie sich darüber ärgert. Noch größer war neulich aber der Ärger meines Vaters. Ausnahmsweise ging er am Samstag mal ans Telefon und fragte, was Hannes so gemacht habe. „Wir haben Fußball geguckt“, berichtete Hannes ihm. Ich spürte schon, wie mein Vater zuckte, gehört er doch zu den wenigen Menschen, die abends die Sportschau schauen, ohne die Ergebnisse vorher zu kennen. „Aber sag mir nicht, wie Werder gespielt . . .“ – „Werder hat gewonnen“, brach es aus Hannes raus. Samstags geht der Opa sicher nicht mehr ans Telefon . . .

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Nachwuchs-Filmstar Jonas Dassler wird erneut ausgezeichnet
Nachwuchs-Filmstar Jonas Dassler wird erneut ausgezeichnet
Todesfahrt in Hasten: Angeklagter erhält zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung
Todesfahrt in Hasten: Angeklagter erhält zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung
Ärzte suchen Grund von Magen-Darm-Fällen im Sana-Klinikum
Ärzte suchen Grund von Magen-Darm-Fällen im Sana-Klinikum
Einbrecher stehlen Leichtkrafträder
Einbrecher stehlen Leichtkrafträder

Kommentare