Ausreichend Waren

Die Tafel in Remscheid gibt weiter Lebensmittel aus

Elisabeth Erbe (l.) und Nina Buchholtz von der Foodsharing-Bewegung gehören zu den Helfern, die während der Corona-Krise die Lebensmittelausgabe der Tafel in der Versöhnungskirche im Südbezirk sicherstellen. Foto: Michael Schütz
+
Elisabeth Erbe (l.) und Nina Buchholtz von der Foodsharing-Bewegung gehören zu den Helfern, die während der Corona-Krise die Lebensmittelausgabe der Tafel in der Versöhnungskirche im Südbezirk sicherstellen. 

Trotz Corona bleibt das Angebot bestehen. Unterstützung gibt es vom Foodsharing.

  • Tafel in Remscheid trotzt der Corona-Krise.
  • Unterstützt werden die ehrenamtlichen Tafel-Helfer von der Remscheider Foodsharing-Bewegung.
  • Acht Ausgabetermine finden pro Woche an sieben Standorten in Remscheid statt.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Die Remscheider Tafel trotzt der Corona-Krise. „Alle Lebensmittelausgaben finden bislang zur bekannten Zeit am gewohnten Ort statt“, erklärt Frank vom Scheidt. Der Vorsitzende des Vereins zeigt sich im Gespräch mit dem RGA „vorsichtig optimistisch“, das Angebot mindestens noch in den kommenden zwei bis drei Wochen auf diesem Niveau aufrechterhalten zu können. Möglich ist das durch den großen Einsatz der ehrenamtlichen Tafel-Helfer sowie die Unterstützung der Remscheider Foodsharing-Bewegung.

Tafel in Remscheid verteilt qualitativ gute Lebensmittel

Seit 1998 gibt es die Remscheider Tafel. Acht Ausgabetermine finden pro Woche an sieben Standorten statt (siehe unten). Qualitativ gute Lebensmittel, die sonst im Müll gelandet wären, werden dort für einen kleinen Preis an Menschen mit geringen finanziellen Möglichkeiten abgegeben.

„Unsere Kunden halten sich – anders als in manchem Supermarkt – sehr diszipliniert an die Vorgaben.“
Karl Strock, Tafel-Vorstandsmitglied

Rund 400 „strukturelle Kunden“ hat die Tafel in Remscheid derzeit, erklärt Frank vom Scheidt. Dazu zählt er Menschen, die regelmäßig zu den Ausgaben kommen. Deren Versorgung stellen zu einem großen Teil ehrenamtliche Kräfte sicher. Das Problem: „Viele unserer Helfer bei den Ausgaben sind älter als 60 Jahre und gehören damit zur Corona-Risikogruppe“, skizziert Vorstandsmitglied Karl Strock.

Rund 400 Kunden hat die Tafel in Remscheid

Trotzdem haben fast alle Ausgabestellen erklärt, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Einzig dem Team im Südbezirk war das Risiko zu groß. „Dafür haben wir großes Verständnis,“ betont Strock. Doch auch in der dortigen Versöhnungskirche findet weiterhin einmal wöchentlich eine Ausgabe statt. Denn die Remscheider Foodsharing-Gruppe hat kurzerhand entschieden, die Dienste zu übernehmen.

Tafel und Foodsharing arbeiten bereits seit einiger Zeit immer wieder zusammen. Nun verteilen jeden Dienstag mehrere Foodsharer Lebensmittel in der Versöhnungskirche. „Das macht Spaß. Die Menschen sind fröhlich und dankbar“, betont Elisabeth Erbe. Zudem ist die Foodsharing-Botschafterin voll des Lobes für die Verantwortlichen der Tafel: „Alles ist super und mit viel Liebe organisiert. Uns Helfern stehen genügend Handschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung.“

Mindestabstand wird von den Kunden in Remscheid eingehalten

Das sind nicht die einzigen Maßnahmen zum Schutz von Helfern wie Kunden. So darf nur noch eine begrenzte Anzahl auf einmal den Ausgaberaum betreten. Dort wie in der Warteschlange vor der Tür ist ein Mindestabstand einzuhalten – auch zu den Helfern. Plakate mit Piktogrammen erklären die Regeln. „Unsere Kunden halten sich – anders als in manchem Supermarkt – sehr diszipliniert daran“, sagt Strock.

Um alle Beteiligten zu schützen, verzichtet die Tafel Frank vom Scheidt zufolge derzeit auch auf die drei Euro, die normalerweise für eine Lebensmittelration für eine Woche fällig sind. Dadurch entgehen dem Verein laut seiner Aussage rund 800 bis 1000 Euro pro Woche. „Wir sind finanziell ganz gut aufgestellt und können das deshalb momentan wegstecken“, erklärt vom Scheidt. Sollte sich die Situation zuspitzen, werde man versuchen, das Minus durch Spenden auszugleichen.

Überhaupt sei die Solidarität mit der Tafel groß, berichtet der Vorsitzende. „Wir haben viele praktische Hilfsangebote bekommen, die wir bislang nicht in Anspruch nehmen mussten. Die haben wir noch in der Hinterhand.“

Optimistisch stimmt ihn außerdem, dass die Tafel weiterhin ausreichend Waren erhält. Gleichzeitig kommen aufgrund der Corona-Pandemie spürbar weniger Kunden als gewohnt. „Uns stehen auf jeden Fall genügend Lebensmittel zur Verfügung“, betont vom Scheidt.

tafelremscheid.de

AUSGABESTELLEN

LENNEP Montags, 10 Uhr, und donnerstags, 12 Uhr, Tafel-Hauptstelle, Wülfingstraße 1

ZENTRUM Donnerstags, 11 Uhr, Vaßbender-Saal, Schulstraße 1

HASTEN Montags, 11 Uhr, Kultshock, Stockder Straße 142

SÜD Dienstags, 11 Uhr, Versöhnungskirche, Burger Straße 23

HACKENBERG Mittwochs, 11 Uhr, Gartenheim, Ecke Hackenberger Straße/Max-von-Laue-Straße

ALT-REMSCHEID Mittwochs, 11 Uhr, Katholische Gemeinde St. Marien, WIlhelmstraße 20d

LÜTTRINGHAUSEN Freitags, 11 Uhr, CVJM-Heim, Gertenbachstraße 38

STANDPUNKT Unschätzbarer Wert

Von Manuel Böhnke

Ein junger Flüchtling, der für Senioren einkaufen möchte, zwei Frauen, die ihre Nachbarn in der Kammgarnsiedlung unterstützen, und zahlreiche Helfer, die den Betrieb der Tafel trotz Coronas aufrechterhalten. Über diese Fälle von ehrenamtlichem Engagement hat der RGA in dieser Woche berichtet – und es ist gerade erst Donnerstag. Stärker denn je wird dieser Tage der unschätzbare Wert deutlich, den das Ehrenamt für Remscheid hat. Wie sonst sollen etwa ältere Menschen ohne soziales Netz derzeit an Lebensmittel kommen, ohne sich in Gefahr zu bringen? 

Woher sollen Menschen mit geringem Einkommen Brot, Obst und Gemüse bekommen, um ihre Familien zu versorgen? Dass die Initiativen und Helfer ihre Kräfte bündeln, neue Kooperationen schmieden und alte ausbauen, um weiter helfen zu können, ist ein Zeichen ihrer Flexibilität und Stärke. Potenzielle Anwärter für den Bürgerpreis gibt es jedenfalls genug.

Zwischen 350 und 400 Stammkunden nutzen Woche für Woche das Lebensmittelangebot der Remscheider Tafel. Der Vorstand des Vereins sieht keine steigende Kundenzahl – auch nicht bei den Senioren. Die Remscheider Tafel sucht dringend ehrenamtliche Fahrer. Vier Fahrzeuge setzt der Verein wochentags täglich ein, um bei Supermärkten in Remscheid und Radevormwald Lebensmittel abzuholen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: Inzidenzwert liegt bei 73,6 – Weitere Einschränkungen bei Feiern
Corona: Inzidenzwert liegt bei 73,6 – Weitere Einschränkungen bei Feiern
Corona: Inzidenzwert liegt bei 73,6 – Weitere Einschränkungen bei Feiern
Corona-Krise: Der Blog für Remscheid, Teil 3
Corona-Krise: Der Blog für Remscheid, Teil 3
Corona-Krise: Der Blog für Remscheid, Teil 3
Einbrecher nehmen erneut Schule ins Visier
Einbrecher nehmen erneut Schule ins Visier
Einbrecher nehmen erneut Schule ins Visier
Corona: Diese Regeln gelten speziell in Remscheid
Corona: Diese Regeln gelten speziell in Remscheid
Corona: Diese Regeln gelten speziell in Remscheid

Kommentare