Mein Leben als Papa

Ä Tännschen please! Noch steht der Baum

Michel war für die unteren Etagen zuständig. Foto: gf
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Michel war für die unteren Etagen zuständig.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Ein schöner Familienausflug sollte es werden. An dessen Ende der Kauf eines prächtigen Weihnachtsbaumes stehen sollte. Aber irgendwie war das Wetter zu schlecht, Michels und Mamas Nase zu verschnupft und Hannes’ Lust zu gering. Also gut: „Ich werde in die Tannen gehen. Ohne euch“, zitierte ich Rammstein und verließ die Höhle, um mich auf die Jagd nach einem wohlgeformten Baum zu begeben. ,,Ä Tännschen, please!“

Was soll ich sagen? Außer mir war niemand unterwegs, die Auswahl in der nahe gelegenen Baumschule war riesig. Gute zwei Meter Nordmanntanne, schön buschig, standen wenig später in unserem Wohnzimmer. Sogar die kritische Mama zeigte sich sehr angetan und schüttelte lediglich ihren Kopf über den horrenden und von mir sogar noch abgerundeten Preis. Die Söhne nahmen das Prachtexemplar eher beiläufig zur Kenntnis. „Baum“, sprach Michel gelassen und zeigte auf das nass vor sich hin tropfende Gewächs.

Seine magische Strahlkraft entfaltete der Baum erst am nächsten Tag. Plötzlich war Hannes ganz heiß darauf, mit dem Schmücken beginnen zu dürfen. Kaum hatte die Mama die Kugeln aus dem Keller geholt – ich weiß bis heute nicht, wo sie die immer verstaut – legte Hannes auch schon los. „Aber bitte vorsich . . .“, warnte die Mama einen Bruchteil zu spät und hatte auch schon das Kehrblech in der Hand, um die Bruchteile einer goldenen Kugel zu entfernen. Immerhin ging Hannes fortan behutsam zu Werke. „Ä Tännschen, please!“

Hannes entdeckte eine grüne Kugel. „Werder!“, freute er sich und hängte sie gut sichtbar in den Baum. Wie schön, dass auch die jüngsten Klatschen seiner Werder-Leidenschaft nichts anhaben können.

Michel zeigte sich nicht so wählerisch. Quantität ging bei ihm vor Qualität. Kugel um Kugel platzierte er ratzfatz in die unteren Etagen. Und irgendwie blieben sie sogar hängen. „Ich glaube, ich muss dieses Jahr meinen inneren Monk ausschalten“, schob die Mama ihren Perfektionismus beiseite, sorgte aber später doch noch für etwas Ordnung drumherum.

Hannes und Michel ging irgendwann die Puste aus. Zumindest was das Schmücken angeht. Dafür drehten sie die Weihnachtsmusik lauter. Michel genoss eher die leiseren, melancholischen Lieder und tanzte in sich selbst versunken. Hannes war hin und weg von der Weihnachts-CD der Toten Hosen und hüpfte ausgelassen um den nun fertig geschmückten Baum. „Er ist wirklich wunderschön“, entfuhr es ihm schweißgebadet in einer ruhigen Minute. Das hinderte ihn am nächsten Tag aber nicht daran, im Wohnzimmer Fußball gegen Michel zu spielen. Mit Papa im Tor. „Ä Tännschen, please!“, forderte ich von allen. Aber natürlich landete der Ball im Baum. Das Spiel musste abgebrochen und der Ball versteckt werden. Schlimm, wenn man als Papa konsequent sein muss, aber eigentlich lieber weiter spielen würde.

Noch mehr Strahlkraft entfaltet der Baum ja sowieso erst an Weihnachten, wenn Geschenke drunter liegen. Obwohl Hannes gar nicht so scharf darauf ist. „Ich hab doch schon so viele schöne Spielsachen“, flüsterte er mir abends ins Ohr. Frohe Weihnachten!

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