Mein Leben als Papa

Selbst für diese komischen Feigen ist Michel nicht zu feige

Große Auswahl: Der Feigenbaum hält für Michel noch viele Früchte bereit. Foto: gf
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Große Auswahl: Der Feigenbaum hält für Michel noch viele Früchte bereit. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (2 Jahre).

Der Käse wächst auf Bäumen, das Ei kommt aus dem Karton – und die Tomatensoße aus der Tüte. Kinder machen sich keine Gedanken über ihr Essen. Und woher es kommt. Viele wissenschaftliche Studien belegen das zumindest. Es ist nicht so, dass wir nicht auch Aufschnitt, Würstchen, Käse, Obst oder Gemüse im Supermarkt kaufen, aber mit Kindern achten wir einfach ein bisschen mehr auf das, was auf dem Teller landet, als früher.

Hannes und Michel sollen über die Herkunft von Lebensmitteln schon Bescheid wissen. Und darüber, dass für manche Gerichte Tiere getötet werden müssen. Hannes geht mit diesem Wissen erstaunlich offen und souverän um.

Letztes Sommer-Wochenende: Papa will unbedingt noch mal grillen. „Wie wär’s mit Fisch?“, schlage ich vor und renne bei Hannes offene Türen ein. Denn Hannes liebt Fisch. Immer schon. Am liebsten frisch und auf keinen Fall mit Panade. „Wir könnten zum Forellenhof fahren und uns frische Fische frisch fangen lassen“, kommt auch mein Zungenbrecher-Vorschlag gut an.

Als der Forellenverkäufer zum großen und sehr gepflegten Teich abzieht, folgt Hannes ihm ganz selbstverständlich und freut sich, als der erste Fisch im Netz zappelt. Die Forelle freut sich nicht. „Batsch!“, trifft ein Holzstock ihren Kopf – und sie ist betäubt. Unter Hannes’ neugierigen Fragen folgt der Entblutungsschnitt. Alles kein Problem für Hannes. Er zeigt Respekt vor dem Tier. Ganz genau guckt er sich zu Hause noch mal die Augen und die schöne Haut der Fische an, bevor die Mama sie für den Grill vorbereitet. Wenig später lässt er sie sich genussvoll schmecken.

Bei der „Sendung mit der Maus“ geht es ein paar Tage später um die Entwicklung vom Ei zum Küken. Hannes schaut aufmerksam zu. „Haben wir noch Eier?“, fragt er plötzlich – und die Mama treibt die Sorge um, er wolle jetzt selbst ein Ei ausbrüten. Die Sorge ist unbegründet. „Ich hab jetzt Hunger auf ein gekochtes Ei“, sagt Hannes.

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Im Gegensatz zu Hannes zeigt Michel weniger Interesse an tierischen Produkten. Mal abgesehen von Mamas selbst gemachter Hühnersuppe lässt er Fleisch gerne liegen. Für ihn ist unser Garten das Paradies. „Papa, Himbeeren pflücken!“, gehört für ihn zum festen Tagesprogramm. „Die noch zu hell“, beweist er Geschmack und Expertise. Ebenso bei den Brombeeren, die aber allmählich auch nur noch in zu kleiner Stückzahl nachreifen, als dass sie Michels Appetit stillen könnten. 

Dafür hat er jetzt den Feigenbaum entdeckt – und beißt auch herzhaft in die süße Frucht. Da kommt er nicht nach seinem Papa, der Obst am liebsten püriert und als Eis oder Marmelade isst. Diese komische Feige mit merkwürdiger Farbe, matschiger Konsistenz und schrumpeligem Inneren hätte ich als Kind niemals probiert. Und ich bin ganz ehrlich: Ich probiere sie auch als 40-Jähriger nicht. Zu feige. Mal sehen, ob mir diese Dinger als Marmelade schmecken. . .

Nachdem wir mit unserer Kartoffelernte aus dem Garten schon erfolgreich waren, werden nach und nach auch die Tomaten rot. Aber in die mögen weder Hannes noch Michel noch Papa reinbeißen. „Machen wir doch eine Tomatensoße draus“, schlägt Hannes vor. Sehr gerne. Die kommt nämlich nicht aus der Tüte, sondern aus dem Gewächshaus. Weiß doch jedes Kind.

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