Mein Leben als Papa

Schau Hair: In Gunnhaar’s Friseursalon hairscht Haarmonie

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Da kam eine Menge zusammen: Hannes und Michel mussten bei Papa Haare lassen.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (2 Jahre).

Ich gehe nicht gerne zum Friseur. Früher nicht – und heute auch noch nicht. Weil ich nicht gerne an mir rumschnippeln lasse. Weil ich nicht über belanglose Sachen quatschen möchte. Und weil ich jedes Mal stocke, wenn man mir die Frage stellt, wie meine Haare denn diesmal geschnitten werden sollen. „Wie immer halt. Stück kürzer. Ohren nicht ganz frei“, stammel ich dann rum. 

Kein Wunder, dass ich seit fast 40 Jahren dieselbe Frisur trage. Und irgendwie nicht verwunderlich, dass auch Hannes dem Haareschneiden nichts abgewinnen kann und seinen ersten Friseurbesuch immer wieder nach hinten schiebt. Obwohl sich die Mama bislang als ziemlich talentierte Amateur-Friseurin präsentiert hat, bedarf es alle paar Wochen aufs Neue einer Menge Überredungskunst in Verbindung mit plumper Bestechung (Süßigkeiten und Fernsehen), bis sich Hannes bereiterklärt, sein Haar zu lassen. Nicht ungewöhnlich für einen Jungen in seinem Alter. Denn Haare hängen stark mit dem Identitätsgefühl zusammen. Und sich von Dingen zu trennen, die unmittelbar zu einem gehören, ist uncool.

Nun war es bei Hannes aber einfach mal wieder Zeit für ein Homefriseuring. Wie üblich stellt er seine Forderungen (Süßigkeiten und Fernsehen), ergänzt sie diesmal aber um eine weitere Bedingung: „Papa soll mir die Haare schneiden.“

Und plötzlich stehe ich mit Schere in der Hand hinter meinem großen Sohn und blicke auf seine Matte. Ahnungslos und ehrfürchtig wie früher, wenn ich im Mathe-Unterricht an die Tafel gerufen wurde. Diesmal stelle ich selbst meine verhasste Frage: „Wie soll ich deine Haare denn schneiden?“ Hilfreiche Antworten kommen von Hannes genauso wenig wie sonst von mir. 

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Also lege ich einfach los, klemme ein Haarbüschel zwischen Zeige- und Mittelfinger und schneide ihn ab. Wie ich das von echten Friseuren eben so kenne. „Willst du nicht erst mal an den Seiten anfangen?“, fragt mich die Mama mit kritischem Blick. Klingt nach einem Plan. Vorsichtig versuche ich, die Koteletten sauber zu kürzen. Das geht ganz gut. „Aber die Schere ist zu kalt“, meckert Hannes. Kein Problem, der Herr. Ich halte sie kurz unter warmes Wasser und weiter geht’s.

Immer sicherer werde ich. Ungerade Stellen im Nackenbereich werden schnell begradigt. Der Pony ist wie von Zauberhand ein bisschen stufig geworden und sieht ganz gut aus. Am meisten Spaß macht mir aber die Ausdünnschere, für kleines Geld irgendwann mal im Discounter gekauft. Figaro Freudenberg schneidet und schneidet – und die Mama guckt längst nicht mehr so kritisch wie am Anfang. 

Ich überlege bereits, mir beruflich ein zweites Standbein als Friseur aufzubauen. In Gedanken gehe ich schon lustige Namen für meinen Salon durch: „Gunnhaar’s Haarmonie“ zum Beispiel. Oder „Vorhair Nachhair“. 

Nach einer guten halben Stunde und ein bisschen Gel sind Hannes, die Mama und ich mit dem Ergebnis zufrieden. Und Michel offenbar auch. „Mir auch die Haare schneiden, Papa!“, fordert er. Na klar! Jetzt bin ich gerade im Flow.

Das schönste Kompliment macht mir am nächsten Morgen die Kindergartenleiterin. „Wart ihr beim Friseur?“, fragt sie Hannes und Michel. „Ja“, bestätigt Hannes. „Bei Papa.“

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