Mein Leben als Papa

Wie sähe mein Leben mit Marlene und Paula wohl aus?

Das „Mädchen-Spielzeug“ seiner Cousine konnte Michel wunderbar zweckentfremden. Foto: gf
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Das „Mädchen-Spielzeug“ seiner Cousine konnte Michel wunderbar zweckentfremden.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Beim Betrachten alter Fotos kam Hannes plötzlich eine Frage in den Sinn: „Welchen Namen hätte Michel eigentlich gehabt, wenn er ein Mädchen geworden wäre?“, wollte er wissen. „Dann hättest du jetzt eine Paula als Schwester“, erklärte ich und gab ihm noch eine Zusatzinformation: „Und du wärst als Mädchen eine Marlene geworden.“ Das konnte und wollte er sich nicht so richtig vorstellen und stellte unmissverständlich klar: „Dann bin ich lieber Hannes!“

Für ihn war das Thema damit erledigt. Ich dagegen stelle mir seitdem manchmal die Frage: Wie sähe mein Leben heute mit Marlene und Paula statt mit Hannes und Michel wohl aus? Ich gebe zu, als ich vor über fünf Jahren erfuhr, dass wir einen Jungen bekommen, hab ich mich schon gefreut. Und später auch über einen zweiten. Im eigenen Geschlecht kann man sich einfach leichter wiederfinden.

Würde ich heute genauso gerne mit Marlene zum Reiterhof fahren wie mit Hannes zum Fußballplatz? Würde ich Paula Bücher von der Eisprinzessin genauso gerne vorlesen wie Michel die Bücher von Feuerwehrmann Sam? Könnte ich mich für die ersten Ohrringe meiner beiden Mädels genauso begeistern wie für die Fußballtrikots, die unsere Nachbarn meinen Jungs geschenkt haben?

Das klingt ganz schön klischeehaft: typisch-männlich vs. typisch-weiblich. Könnte man kritisieren. Schubladen, die heutzutage ja gar nicht mehr passen. Aber so ganz unzutreffend sind sie eben nicht. Das hab ich neulich wieder beim Besuch meiner Schwester, Mama von drei Töchtern, festgestellt. Das jüngste Mädchen, fast acht Jahre alt, hatte ihre Playmobil-Luxusvilla extra vor Hannes und Michel versteckt. Weil sie weiß, dass die beiden Jungs da auf ihre Jungs-Art mit spielen. Aber da lagen ja noch haufenweise Pferde, die auch Michel ins Auge fielen. Er machte aber nicht etwa einen gepflegten Ausritt mit ihnen oder striegelte der Rappen Schweife, sondern nutzte sie, um sie gegeneinander kämpfen zu lassen.

Striegelt man den Schweif eines Pferdes eigentlich? Ich wüsste es gar nicht. Ich passe eben ziemlich stark ins Klischee eines eingefleischten Jungspapas. Die Erziehung meiner Kinder ist von dem beeinflusst, was ich als kleiner Junge selbst erlebt habe. Mal profitieren Hannes und Michel davon, mal leiden sie womöglich darunter. Im Moment wohl eher ersteres. Für das ferngesteuerte Turboboot, das Hannes gestern an seinem fünften Geburtstag auspacken durfte, habe ich jedenfalls viel zu viel Geld ausgegeben. Oder wie die Mama es ausdrückt: „Da hast du doch selbst mindestens genauso viel Spaß dran.“

Hannes und Michel sind gute Jungs. Sicherlich fordernd. Wie Jungs eben so sind. Oft auch voll mit Matsch. Laut sowieso. Treten gern in Konkurrenz zueinander. Finden es lustig, wenn ich laut rülpse. Mit Marlene und Paula wäre sicher vieles anders. Aber ich bin mir sicher, dass der Spruch, den ich irgendwo mal gelesen habe, stimmt: „Die Kinder, die wir bekommen, machen aus uns die Eltern, die sie brauchen.“ Das Geschlecht ist da völlig egal. Hätten wir zwei Mädchen bekommen, wäre ich heute ganz sicher ein sehr stolzer Mädchenpapa!

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