Probleme gibt es nach Sonderterminen

Zweitimpfung beim Hausarzt: Ohne das kleine Heft fehlt der Beweis

In Remscheid gab es – Stand: 18. Mai – 53 595 Impfungen, davon 41 035 Erstimpfungen. Alle Geimpften erhalten zwar eine Bescheinigung, aber vielen fehlt der Eintrag in den Impfausweis, weil sie keinen haben. Momentan gibt es bei den Heften Lieferengpässe. Foto: Christian Beier
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In Remscheid gab es – Stand: 18. Mai – 53 595 Impfungen, davon 41 035 Erstimpfungen. Alle Geimpften erhalten zwar eine Bescheinigung, aber vielen fehlt der Eintrag in den Impfausweis, weil sie keinen haben. Momentan gibt es bei den Heften Lieferengpässe.
  • Andreas Weber
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Zweitimpfung beim Hausarzt und fehlende Impfausweise: Remscheider Ärzte arbeiten an Lösungen.

Remscheid. 720 Sondertermine mit Astrazeneca waren für den vergangenen Dienstag binnen 75 Minuten vergeben. Bei der Extraschicht im Impfzentrum in der Sporthalle West wurde nur die Erstimpfung verabreicht, den finalen Schutz müssen sich die Impflinge bei ihrem Hausarzt holen. Dies war auch im Vorfeld vom Krisenstab kommuniziert worden. Sarah Schorn ließ es am Ende trotzdem zunächst ratlos zurück: „Mein Freund hat den Aufruf wahrgenommen und sich impfen lassen. Habe daraufhin zehn Ärzte angerufen und überall die gleiche Antwort erhalten: Wir geben keine Zweitimpfung.“ Kann das sein?

Guido Eul-Jordan, logistischer Leiter des Impfzentrums, antwortet: „Nein, eigentlich nicht. Denn die Entscheidung, dass im Impfzentrum nur die Erstimpfung bei der Sonderaktion stattfindet, ist vom Krisenstab mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) abgestimmt worden.“

Bettina Stiel-Reifenrath, Vorsitzende der KV Remscheid, weiß um die Zurückhaltung vieler Hausärzte, wenn es darum geht, diese zusätzlichen Zweitimpfungen durchzuführen. Es werde jedoch eine Lösung gefunden werden, verspricht die Allgemeinmedizinerin. „Wir werden uns per Video-Konferenz an einen Tisch setzen und zu einem Konsens kommen.“ Dies müsse auch dafür gelten, dass jeder Hausarzt in der nahenden Ferienzeit Vertreter benennt, die für ihn impfen.

Remscheider, die gerade auf der Suche nach einem Zweitimpftermin sind, bittet Bettina Stiel-Reifenrath um ein wenig Geduld: „Geben Sie uns zwei Wochen. Es bleibt ja noch Zeit. Schließlich erfolgt die Zweitimpfung mit Astrazeneca erst in zwölf Wochen.“

Dass das Impfzentrum in diesem Fall die Anschluss-Spritze nicht übernimmt, hat auch einen perspektivischen Grund. Wohl noch dieses Jahr wird die weitere Impfkampagne komplett in die Hände der niedergelassenen Ärzte gelegt. Wann das sein wird, ist offen. Der Vertrag für das Impfzentrum in Reinshagen läuft bis zum 30. September.

„Wir werden auch für dieses Problem eine Lösung finden.“

Bettina Stiel-Reifenrath zur Dokumentation in Impfbüchern

Derweil ist die Verunsicherung in der Bevölkerung auch aus einem anderen Grund groß. Denn auch die Frage der Impf-Dokumentation beschäftigt viele Bürger. Gerda-Marie Landau aus Lüttringhausen wendete sich an den RGA. Zweimal wurde die 82-Jährige im Impfzentrum gepikst. Sie hat den vollen Schutz, jedoch keinen Impfpass, mithin auch nur Bescheinigungen vom Impfzentrum. Diese könnten bei ihrem Hausarzt in ein Buch übertragen werden.

Remscheid: Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß

Auch dabei gilt: Hausärzte verspüren angesichts des ohnehin immensen bürokratischen Aufwandes und ihrem Beitrag bei der Covid-19-Bekämpfung keine Lust, auch noch die Impfausweise aufzufrischen. „Tatsächlich obliegt es dem Goodwill der Ärzte, ob sie dies tun“, betont Bettina Stiel-Reifenrath. Aber: „Wir werden auch für dieses Problem eine Lösung finden“, verspricht die KV-Vorsitzende. Einen konkreten Ansatz gibt es schon, der aber im Krisenstab abgestimmt werden muss.

Viele Remscheider besitzen keinen Impfausweis. Weil in der Pandemie die Nachfrage nach den kleinen gelben 32-seitigen Heft sprungartig in die Höhe geschossen ist, gibt es Lieferengpässe. Für kleines Geld (ein bis zwei Euro) können die Internationalen Impfpässe im Internet erworben werden. Wer Glück hat, kann auch, welche über seinen Hausarzt beziehen, in jedem Fall sind aber die Apotheken ein Ansprechpartner.

Auch hier gilt: Viele haben sie nicht auf Lager. Impfausweise ausfüllen oder Impfungen nachtragen dürfen Apotheker nicht. Das könnte sich ändern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant, dass Apotheken Corona-Impfungen in Zukunft digital vermerken können.

Standpunkt: An die eigene Nase fassen

Von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Sarah Schorn hat es dann doch geschafft. Dem RGA hatte sie geklagt, dass nach dem Sondertermin in der Sporthalle West kein Hausarzt ihren Freund zweitimpfen will. Am Ende fand sie einen niedergelassenen Mediziner, nachdem sie zuvor mehrere vergebliche Telefonate in Praxen getätigt hatte. Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Diese ist auch all denjenigen Remscheidern zu raten, die verärgert sind, weil sie mit ihrem Folgetermin in der Luft hängen. Krisenstab und Ärzte hecheln bei den ständigen Corona-Veränderungen hinterher. Sie haben es aber am Ende immer geschafft, das Rad im Sinne der Impfwilligen weiterzudrehen. So wird es auch bei den Impfpässen sein, die gerade – oh Wunder – zur Mangelware geworden sind. Eine Problematik, die aber auch aufzeigt, dass die Pandemie-Bekämpfung kein Rundum-Sorglos-Paket für die Bevölkerung ist. Denn genauso, wie oft den politisch Handelnden vorgeworfen wird, nicht weitsichtig vorgegangen sein, so muss sich jeder an die eigene Nase fassen, wenn er im Impfzentrum oder beim Hausarzt ohne das Doku-Heft aufschlägt. Ein solches gehört nun mal in jeden Haushalt, von Geburt an.

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