Fusion mit Cinemaxx

Remscheider Kino braucht im August einen neuen Betreiber

Das Cinestar-Kino in Remscheid könnte einen neuen Besitzer bekommen (Archivbild).
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Das Cinestar-Kino in Remscheid könnte einen neuen Besitzer bekommen (Archivbild).

Das Bundeskartellamt bleibt trotz Corona-Krise bei seiner Auflage: Cinestar und Cinemaxx müssen binnen sechs Monaten sechs Kinos verkaufen.

  • Das Remscheider Cinestar-Kino muss verkauft werden - eigentlich.
  • Denn das Bundeskartellamt fordert, dass das Kino einen neuen Betreiber bekommt.
  • Doch an der geplanten Fusion der Kinoketten Cinestar und Cinemaxx wachsen wegen der Corona-Krise Zweifel.

Von Axel Richter

Remscheid. Das Bundeskartellamt bleibt dabei: Bis August müssen das Cinestar-Kino am Remscheider Hauptbahnhof und bundesweit fünf weitere Häuser einen neuen Betreiber gefunden haben. Anderenfalls platzt die größte Kinofusion Deutschlands, nämlich der Zusammenschluss von Cinestar und Cinemaxx. Brancheninsider bezweifeln allerdings, dass es in der Corona-Krise noch dazu kommt. Zweifel sät auch Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD): „Alle Kinos der beiden Betreiber sind weltweit geschlossen. Ich glaube, die haben jetzt ganz andere Sorgen.“ Was aber heißt das für den erst Ende 2018 eröffneten Standort Remscheid?

Remscheid: Frist bleibt trotz der Corona-Krise

„Wir halten Lösungen innerhalb der Frist für möglich.“
Bundeskartellamt

Rückblende: Anfang März stimmte das Kartellamt der zwei Jahre zuvor eingefädelten Fusion zu. Danach wird die britische Vue-Gruppe, die in Deutschland 30 Kinos der Marke Cinemaxx betreibt, die Cinestar-Kette mit mehr als 50 Kinos für 222 Millionen Euro kaufen. Sie gehört bisher der australischen Firma Event Hospitality & Entertainment. Die Kartellwächter stellten eine Bedingung: Innerhalb eines halben Jahres müssen sechs Häuser an Wettbewerber veräußert werden. Betroffen sind die Cinestar-Kinos in Augsburg, Bremen, Gütersloh, Magdeburg und Remscheid sowie das Cinemaxx-Kino in Mühlheim an der Ruhr. Trotz Corona-Krise hält das Kartellamt an seiner Bedingung fest: „Wir halten es für möglich, dass es innerhalb dieser Frist zu Lösungen kommt“, heißt es auf Nachfrage des RGA.

Genau daran hegen andere ernste Zweifel. „Die Corona-Krise hat die gesamte Branche hart getroffen“, sagt etwa Meinolf Thies, der in Solingen das Kino „Das Lumen“ und darüber hinaus weitere Kinos in Nordrhein-Westfalen betreibt. Erst 2019 übernahm er mit seiner Frau Anja Thies ein Cinestar-Kino in Osnabrück. Gegenwärtig kenne er allerdings kein Unternehmen, das eine solchen Investition wagen würde. Auch nicht unter den Großen der Branche.

Remscheid: Kinobetrieb soll weitergehen

Das würde einen raschen Verkauf der sechs Lichtspielhäuser im Paket nicht leichter machen. Zumindest für die Kinos in NRW läge eine solche Paketlösung nahe, möglich ist allerdings auch, dass die Häuser einzeln auf den Markt gebracht werden. Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock äußerte sich auf RGA-Nachfrage dazu nicht und beließ es bei der allgemeinen Auskunft, die sechs Standorte würden „auf effiziente und pragmatische Art und Weise“ veräußert. Eine Nachfrage zum aktuellen Stand der Verkaufsbemühungen in der Corona-Krise ließ Cinestar mit Sitz in Lübeck ebenfalls unbeantwortet. Es gebe nichts Neues zu berichten, hieß es knapp.

Aufseiten der Stadt Remscheid sind die Erwartungen eindeutig. Der Kinobetrieb am Hauptbahnhof soll weitergehen – unter welchem Betreiber auch immer. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz zeigte sich zur Zukunft des Hauses wiederholt demonstrativ gelassen. Tatsächlich gibt es einen Mietvertrag, der weitere 18 Jahre Bestand hat. Er wurde 2018 zwischen Cinestar und der Bauunternehmung Kropp geschlossen, die das Kino errichtet hat. Er müsste von dem neuen Kinobetreiber übernommen oder neu verhandelt werden. Gibt es diesen neuen Betreiber nicht, weil ein Verkauf nicht zustande kommt oder die ganze Fusion platzt, hätte er weiter Bestand.

Darauf verweist der OB auch heute. Ein leerstehendes Kino, das als Spezialimmobilie errichtet wurde und deshalb kaum eine andere Nutzung zulassen würde, wäre freilich sein Alptraum.

Das Kino

Das neue Kino wurde 2018 für 15 Millionen Euro errichtet. Es bietet sechs Säle mit 1094 Plätzen. Cinestar rechnete mit 35 000 Kinogängern pro Monat. Zahlen veröffentlichte das Unternehmen später nie.

Artikel vom 28. April 2020

Remscheid. Die Zukunft des Cinestar-Kinos am Hauptbahnhof ist weiter ungewiss. Nicht nur fehlt bislang ein neuer Betreiber. Möglicherweise kommt es in der Corona-Krise auch gar nicht zum geplanten Verkauf. Wie berichtet, wollen die beiden Kinoketten Cinestar und Cinemaxx fusionieren. Anfang März genehmigte das Bundeskartellamt den Zusammenschluss - unter der Voraussetzung, dass bundesweit sechs Kinos verkauft werden. Darunter ist das Remscheider Kino, das erst Ende 2018 eröffnet worden war. 

Remscheid: Stadt hat keinen Einfluss auf Kino-Verkauf - aber einen Vertrag

Fragen des RGA zum Stand der Verkaufsbemühungen ließ Cinestar unbeantwortet. „Aktuell gibt es keine neuen Informationen“, hieß es. In der Branche wachsen indes Zweifel, dass es in der Corona-Krise überhaupt zu einer Fusion kommt. „Der Lockdown trifft die Branche hart“, erklärt etwa Meinolf Thies, der in Solingen das Kino Das Lumen betreibt. 

Die Stadt Remscheid hat keinen Einfluss auf den Verkauf des Hauses. Oberbürgergermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) bleibt dennoch gelassen: Cinestar hat einen Mietvertrag mit dem Investor unterschrieben, der das Kino gebaut hat. Und der, sagt Mast-Weisz, währt noch 18 Jahre.

Das Kino Cinestar bekommt die Folgen von Vandalismus und Schmutz im Parkhaus am Hauptbahnhof zu spüren. So kam die Forderung auf, Kameras am Bahnhof aufzuhängen.

Alle aktuellen Nachrichten zur Corona-Krise in Remscheid finden Sie in unserem Live-Blog. 

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