Weinbar in Studio umgebaut

My Viertel startet mit Internet-Radio

„My Viertel Radio“ sendet aus dem „Vis-à-Vis“: Hier steht Bartholomäus Jannasch am Mikro und Mischpult. Foto: Roland Keusch
+
„My Viertel Radio“ sendet aus dem „Vis-à-Vis“: Hier steht Bartholomäus Jannasch am Mikro und Mischpult. 

Verein hat die Weinbar „Vis-á-Vis“ in ein Studio umgebaut. Musik läuft rund um die Uhr. DJs legen auf.

  • Der Verein MyViertel hat in der Coronakrise ein Internetradio ins Leben gerufen.
  • Gesendet wird aus der Weinbar „Vis-á-Vis“ an der Bismarckstraße, die derzeit geschlossen ist.
  • Unterschiedliche DJs legen auf und erfüllen Hörerwünsche.

Von Andreas Weber

Remscheid. MyViertel - ein Name, der für gelebte Nachbarschaft steht. Das Quartier um die Alte Bismarckstraße nimmt seinen Vereinszweck in Corona-Zeiten doppelt ernst und unterhält auf eigene Weise. Mit einem flotten Musik- und Gesprächsprogramm, rund um die Uhr im Internet abrufbar, erfährt das Miteinander eine neue Qualität.

Die Weinbar „Vis-á-Vis“ im Haus-Nr. 16, momentan geschlossen, erfüllt einen neuen Zweck als Sendeanstalt: Im hinteren Bereich, verdeckt durch einen Vorhang ist ein kleines Studio eingerichtet worden.

Am 30. März ging „My-Viertel-Radio“ erstmals auf Sendung. Niklas Bergmann, der Betreiber des Lokals, und Vereinsvorsitzender Marvin Schneider waren im Web unter „radio.myviertel.org“ zu hören. Die Überlegung geisterte schon länger durch die Köpfe der Netzwerker. Corona verlieh der Internet-Idee eine zusätzliche Dynamik. „Wir haben uns die Frage gestellt: Was können wir tun, um die Menschen vor Ort zu erreichen?“, erläutert Moritz Alexander. Gerade in Zeiten, wo körperliche Distanz unerlässlich ist.

Remscheid: DJ-Radio von MyViertel im Internet

„Wo wir uns sonst auf der Straße begegnet sind, haben wir mit My-Viertel-Radio eine soziale Ausweichstelle gefunden“, meint der Anwohner und 2. Vorsitzende des Vereins. Grundvoraussetzung waren ein leistungsstarker PC, ein Mischpult, zwei Plattenteller, Boxen, Mikro, Kopfhörer und ein 15 Meter langes Netzwerkkabel. Gesendet wird rund um die Uhr. Wer Bock hat, darf sich als DJ ausprobieren. Matthias Betzler, Lukas Weber und Torsten Dehnke (Miro) waren dran, Bartholomäus Jannasch (Café Sahnetörtchen) ebenso.

„Ein Jugendtraum ist für mich in Erfüllung gegangen.“
Uwe Rapp, My-Viertel-Moderator

Ein „Jugendtraum“ ging für den als Discjockey erprobten Uwe Rapp in Erfüllung. Dennoch wummerte bei ihm Karfreitag bei seiner ersten Live-Show im Radio die Pumpe. „Ich habe ja auch sonst Lampenfieber, aber Freitag war ich so etwas von aufgeregt.“ Nicht zuletzt, weil viele Handgriffe sitzen müssen, gerade, wenn man nicht nur die Nadel sanft in die Rille setzen muss, sondern Moderieren will und auf dem Handy eingehende Plattenwünsche im Auge haben muss.

Hörer-Reaktionen: Zuhause wird zum Internet-Radio getanzt

Die Einschaltzahlen sind noch überschaubar. „Das liegt daran, dass wir bislang kaum Werbung gemacht haben“. meint Moritz Alexander. Pro Show klicken sich bis zu 500 Leute rein. „35 bis 80 hören konstant im Netz zu“, berichtet Alexander. Viele Hörer-Reaktionen zeigen: Zuhause wird zu den Klängen auch getanzt.

Zeitpunkt und Länge der Sendungen bestimmt der Moderator. Drei Stunden sind das Maß, meist geht es nachmittags oder abends los. Der ein oder andere läuft aber zur Hochform auf. Wie bei Uwe Rapp. Um 20 Uhr begann er seinen Set, erst um 0.30 Uhr war Schicht. Nächsten Freitag (20 Uhr) geht´s mit Uwe Rapp weiter. Dann mit einem Mottoabend: „Alles rund um die Schallplatte“. Hörer können live über ihre Vinyl-Erfahrungen berichten und dürfen wieder Wünsche äußern.

Musikalisch legen sich die Macher keine Fesseln an. Mal werden Sommerhits gespielt, „One Hit Wonders“, Alternative, Hip-Hop, Trance oder Irish Folk. Wenn die Station nicht besetzt ist, läuft eine Playlist. Ab und zu soll sich ein Talk in der Programmliste finden. Den Auftakt machten Matthias Betzler und Lukas Weber, mit Infos und Gedanken aus dem Viertel.

Corona: Verein bietet auch Einkaufsservice für Bedürftige

Nur ein paar Meter entfernt vom My Viertel liegt die Evangelische Stadtkirche am Markt. Auch die Gemeinde könnte über „radio.myviertel.org“ ein Sprachrohr erhalten. Die Strahlkraft des Vereins soll über Corona hinaus erhalten bleiben. „Ein weiterer Traum wäre, Radio mit einer UKW-Frequenz anzubieten, wenn es Ressourcen und das Personal erlauben“, blickt Moritz Alexander voraus.

Der Verein bietet außerdem für Bedürftige in der Nachbarschaft einen Einkaufsservice an. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag kann man an der Weinbar „Vis-á-Vis“, Alte Bismarckstraße 16, ( Tel. 79 11 313) von 17 bis 20 Uhr an einer hochfahrbaren Scheibe seine Lebensmittelbestellung abgeben. Eingekauft wird von Vereinsmitgliedern und die Ware nach Hause geliefert.

Im vergangenen Jahr präsentierte sich die Alte Bismarckstraße beim MyViertel-Fest in Hochform. Viele Besucher feierten vor den Kneipen und Restaurants.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Covid-19: Stadt verschärft Corona-Maßnahmen - Inzidenzwert sinkt wieder
Covid-19: Stadt verschärft Corona-Maßnahmen - Inzidenzwert sinkt wieder
Covid-19: Stadt verschärft Corona-Maßnahmen - Inzidenzwert sinkt wieder
Drei Klassen und Kurse müssen in Quarantäne
Drei Klassen und Kurse müssen in Quarantäne
Drei Klassen und Kurse müssen in Quarantäne
ADFC fragt nach der Fahrradfreundlichkeit
ADFC fragt nach der Fahrradfreundlichkeit
ADFC fragt nach der Fahrradfreundlichkeit
Corona: Testzentrum am Sana hat großen Zulauf
Corona: Testzentrum am Sana hat großen Zulauf
Corona: Testzentrum am Sana hat großen Zulauf

Kommentare