Zeitgeschichte

RGA überdauert fast 95 Jahre hinter den Fußleisten

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Philipp Friede mit dem RGA vom 25. November 1925. Die Zeitung überdauerte nahezu unbeschadet die Zeit hinter den Fußleisten. 

Bei der Renovierung ihres Hauses an der Unterhölterfelder Straße entdeckte Familie Friebe das alte Zeitdokument.

  • Kleine Familie aus Wuppertal hat es in der Röntgenstadt gut angetroffen.
  • RGA aus dem Jahre 1925 ist in einem akzeptabelen Zustand.
  • Anzeigen rufen heutzutage eher Verwunderung und womöglich Lachen hervor.

Von Peter Klohs

Das Haus steht leicht zurückgesetzt im Remscheider Stadtteil Hasten an der Unterhölterfelder Straße. Philipp Friebe und seine Frau Laura haben es im Juni 2019 gekauft. „Wir wohnten vorher in Wuppertal-Nächstebreck“, erzählt Friebe, „aber schon wegen der Wege zum Arbeitsplatz bot sich der Standort Remscheid an.“ Die kleine Familie hat es in der Röntgenstadt gut angetroffen; die Straße ist keine Hauptverkehrsstraße und das Morsbachtal ist sozusagen vor der Haustür.

„Natürlich musste in dem Haus, das aus dem Jahre 1902 stammt, vieles renoviert werden“, erzählt Philipp Friebe. Die Familie machte sich auch unmittelbar nach dem Kauf der Immobilie daran, das Schmuckstück in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen.

Haus in Remscheid stammt aus dem Jahre 1902

Vieles wurde von der Familie in Eigenleistung erbracht. „Und dann mussten wir in der ersten Etage eine Fußleiste entfernen“, berichtet der Hausherr, „weil an der entsprechenden Stelle geschliffen und lackiert werden sollte. Mein Vater Klaus war damit beschäftigt.“

Vater Klaus staunte nicht schlecht, als er zusammengeknüllte Papierstücke hinter der Fußleiste fand, augenscheinlich alt, aber noch in akzeptabelen Zustand. Die Papierstücke entpuppten sich als Seiten einer Zeitung.

Bei genauem Betrachten erkannte die Familie dann die Einzelheiten: Es waren insgesamt sieben Seiten des Remscheider General-Anzeigers. Die Ausgabe war vom 25. November 1925. Das Papier war – und ist – sehr trocken („Ein Beleg dafür, dass die Wand dahinter nicht feucht sein kann.“) und zum Teil stark gewellt. Vier von diesen Seiten sind sehr eng zusammengepresst, sie wirken beinahe wie aufgewickelt und ähneln optisch großen Zimtstangen.

Tageszeitung aus Remscheid: Ausgabe vom 25. November 1925

Philipp und Laura Friebe trauen sich nicht, diese Zeitungsseiten zu „entwickeln“. Sie befürchten, das Papier dabei zu zerstören. Die Schrift auf den zu lesenden Seiten ist zum Teil Altdeutsch, nicht direkt Sütterlin, aber auch nicht die Zeitungsschrift der heutigen Zeit.

Auf der am besten zu lesenden Zeitungsseite sind Anzeigen abgedruckt, die teilweise heutzutage eher Verwunderung und womöglich ein Lachen hervorrufen: Da wird ein gut erhaltener Opel angeboten, immerhin vier PS stark. Die Puppenklinik Ernst Krog wirbt für ihre Dienste. Eine junge Frau sucht eine Stellung in einem „frauenlosen Haushalt.“

Auf einer anderen Seite wird für die Deutsche Automobilausstellung in Berlin geworben, inklusive detailreicher Zeichnungen. Und die Kommunistische Partei musste sich wohl auf einen Hochverratsprozess einstellen.

Diese Zeugnisse des Journalismus aus Remscheid sind beinahe 100 Jahre alt

„Diese Zeugnisse des Journalismus sind beinahe 100 Jahre alt“, sagt Philipp Friebe, „und dafür sind sie noch recht gut erhalten.“ Das Ehepaar bittet darum, dass Fachleute, die sich damit auskennen, die gewellten und zum Teil wie aufgewickelt aussehenden Zeitungsseiten wieder zu glätten, an die Redaktion des RGA unter der Telefonnummer 909 - 211 wenden, die dann bei Bedarf den Kontakt mit Philipp und Laura Friebe herstellt.

„Vielleicht möchte ich ja doch eine Seite einrahmen“, sagt Philipp Friebe. „Das ist doch Zeitgeschichte.“

Anlässlich des 125. Geburtstags des RGA hatte der Remscheider General-Anzeiger 2014 seine aufregende Geschichte im Allee-Center präsentiert. 

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