Vandalismus

Tüpitter ist nur ein Randaleopfer von vielen

Der Tüpitter wurde seines Glockenturms beraubt. Foto: wey
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Der Tüpitter wurde seines Glockenturms beraubt. 

Die Symbolfigur des RGA verlor am Wochenende seine Glocke: Die Täter blieben unerkannt.

Update vom 12. Oktober, 18.43

Von Axel Richter

Alt-Remscheid. Obwohl auch er in letzter Zeit Maske trägt: Der Tüpitter spricht aus, was die Remscheider bewegt und hängt die Dinge an die große Glocke. Nur ist dem Standbild vor dem RGA-Medienhaus auf der Alleestraße die Glocke am Wochenende abhandengekommen. Randalierer brachen sie aus ihrer Verankerung. Die zerstörerische Tat ist nur ein Beispiel für Vandalismus, der sich gegen Kunst im öffentlichen Raum richtet. Die Täter bleiben meist unerkannt.

Auch im aktuellen Fall hat die Polizei keinen Hinweis auf die Täter. Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes stellten die Glocke der in Kupfer getriebenen Symbolfigur des Remscheider General-Anzeigers am Wochenende sicher und versahen die Bruchstelle zur Sicherheit mit einer rot-weißen Warnbake.

„Nit te bang! Tü, Pitter!“
Zuruf der Remscheider

Nicht von ungefähr richtet der Tüpitter seinen Blick in Richtung Rathaus. Die Figur stammt aus der Anfangszeit des Remscheider General-Anzeigers vor 131 Jahren. Unter dem Zuruf „Nit te bang! Tü, Pitter!“ (Nur keine Angst! Zieh, Peter!“) und unter der Vignette eines bärtigen Schmieds in Hemdsmauen (Hemdsärmeln) und Blotschen (Holzschuhen) schrieb Gustav Knipping als einer der ersten Redakteure des Remscheider General-Anzeigers eine auf Plattdeutsch gereimte Lokalkritik. Damit erhielt der RGA seinen Spitznamen: Tüpitter.

Am Wochenende wurde er erstmals zum Ziel der Vandalen. Die stählerne Personengruppe an der Ecke Alleestraße / Mandtstraße ist in den zurückliegenden Jahren mehrfach heimgesucht, und einzelne Figuren sind umgebogen worden. Allerdings konnten sie mit vergleichsweise geringem Aufwand immer wieder aufgerichtet werden.

Andere Schäden sind weitaus gravierender. Wiederholt ist die in Reinshagen gelegene Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege und des Remscheider Flugzeugabsturzes von 1988 beschädigt worden. Zuletzt feierten Unbekannte dort im Juli eine Party, hinterließen zerschlagene Flaschen, Müll und brachen Steine und Gedenktafeln aus dem Denkmal. Der Stadt ist das Problem bekannt. Bis 2025 soll das 1925 errichtete Mahnmal deshalb saniert werden und zugleich ein schmiedeisernes Tor erhalten. Es soll Vandalen fernhalten. Das alles kostet viel Geld. 1,1 Million Euro hat die Stadt für die Wiederherstellung veranschlagt.

Insgesamt zählt Remscheid 61 Bau- und 52 Bodendenkmäler. Zudem gibt es Gedenktafeln, Grabanlagen und Kunstwerke, die in keiner Liste erfasst sind, aber wie der Tüpitter zum kulturellen Gedächtnis der Stadt zählen. Sie wurden zurückliegend vor allem von Schmierern heimgesucht. Darunter immer wieder die Denkmäler im Stadtpark für die Opfer des Kapp-Putsches von 1920 und das Denkmal für die Gefallenen der Einigungskriege. Die Reinigung von Fassaden, Standbildern und Denkmälern kostet den Steuerzahler in jedem Jahr bis zu 12 000 Euro.

Unser Artikel vom 11. Oktober

Dabei wurde der Glockenturm des RGA-Wahrzeichens umgeknickt. Zudem wurden auch Stehtische eines nahen Imbisses beschädigt. Die Polizei hat die Ermittlung aufgenommen und sucht nach 

Zeugen, die sich unter Tel. (02 02) 2 84 76 20 melden können. wey

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