Gefährliche Raupe

Städte wappnen sich gegen Eichenprozessionsspinner

Im Remscheider Stadtpark wurden Eichenprozessionsspinner im Sommer 2019 mit Gasbrennern bekämpft. Schon jetzt bereiten sich die Städte auf die neue Saison des Schädlings vor.
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Im Remscheider Stadtpark wurden Eichenprozessionsspinner im Sommer 2019 mit Gasbrennern bekämpft. Schon jetzt bereiten sich die Städte auf die neue Saison des Schädlings vor. 

2019 machte der Eichenprozessionsspinner Remscheid und Solingen zu schaffen. Für die nächste Saison will man vorbeugen.

  • Remscheid beginnt mit dem Aufbau eines Baumpflegeteams
  • Larven der Eichenprozessionsspinner schlüpfen im April und Mai
  • Im vergangenen Jahr hat die Bekämpfung des Schädlings die Stadt Remscheid 6000 Euro gekostet

Von Kristin Dowe

Remscheid - Schon häufig hielt der Eichenprozessionsspinner in den vergangenen Jahren das Bergische Land in Atem. Zwar sieht der kleine, unscheinbare Nachtfalter äußerlich harmlos aus, ist aber im Entwicklungsstadium der Raupe durchaus gefährlich. Denn das gefräßige Insekt stellt in übermäßiger Population nicht nur eine Bedrohung für Pflanzen und Bäume dar, seine feinen Brennhärchen können bei Mensch und Tier zu Ausschlägen und Atemnot führen. Deshalb treffen Solingen und Remscheid schon jetzt vorbeugende Maßnahmen, um für die Schlüpfzeit der Larven im April und Mai gewappnet zu sein.

In Remscheid wurde die Stadt schon 2019 präventiv im Kampf gegen den Schädling tätig: So seien etwa Spezialsauggeräte und Arbeitsschutzsets bestehend aus Atemschutz, Spezialkleidung und Entsorgungsboxen für das Absaugen der Gespinste angeschafft worden, berichtet Remscheids Stadtsprecherin Viola Juric. Mitarbeiter der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) seien außerdem für den „EPS-Einsatz“ geschult und worden. „Im Bedarfsfall wird diese Ausrüstung in diesem Jahr durch TBR-Mitarbeiter zum Einsatz kommen, falls externe Fachfirmen hierfür kurzfristig nicht ausreichend zur Verfügung stehen.“

Remscheid will ein eigenes Baumpflegeteam ins Leben rufen

Außerdem wollen die TBR in diesem Jahr mit dem Aufbau eines eigenen Baumpflegeteams beginnen. Dafür sollen unter anderem ein sogenannter Hubsteiger, ein Spezialfahrzeug für die Baumpflege, angeschafft und bis zu drei Baumpfleger eingestellt werden. „Da eine weitere Erkrankung der Bäume auch durch andere Schädlinge zu erwarten ist, möchten wir damit den knappen Kapazitäten von Baumpflegefachfirmen entgegenwirken“, erläutert Juric. Darüber hinaus würden im städtischen Geodatenportal (GIS) bisherige mögliche Befallsstandorte der Baumart Eiche lokalisiert und die Informationen betroffenen Fachdiensten wie etwa der Feuerwehr zur Verfügung gestellt.

„Als präventive Maßnahmen werden Eichen auf Spielplätzen und in anderen stark frequentierten Bereichen zur Zeit der Nesterbildung ab Anfang Mai kontrolliert“, berichtet Solingens Rathaussprecherin Sabine Rische. Anders als andere Städte in NRW seien in Solingen bislang keine Biozide zur Bekämpfung des Schädlings eingesetzt worden. Darüber wolle die Stadt in diesem Jahr, je nach anfälligen Orten, neu entscheiden. „Eingesetzt würden dann biologische Pflanzenschutzmittel gegen die im Mai schlüpfenden Larven. Diese Mittel enthalten Häutungshemmstoffe“, erklärt Rische. Als heimische Schmetterlingsart habe der Eichenprozessionsspinner im Wald auch natürliche Feinde wie Raupenfliegen oder Schlupfwespen. Außerdem verspeise der Puppenräuber, eine Käferart, sowie der Kuckuck die Raupen als Nahrung. „Deshalb wird die Beseitigung aus Gründen des Gesundheitsschutzes auf Gefährdungsbereiche beschränkt.“

6000 Euro hat die Bekämpfung des der gefährlichen Raupe im vergangenen Jahr in Remscheid gekostet – in Solingen, wo ein externes Unternehmen mehrere hundert Nester entfernt hatte, entstanden Kosten in Höhe von 35 000 Euro.

Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt hat die Klingenstadt einen Plan zum Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner entwickelt. Dabei wurde das Stadtgebiet in zwei Risikobereiche aufgeteilt: Im Risikobereich 1, der sensible öffentliche Orte wie Spielplätze, Kitas, Krankenhäuser, Altenheime und Wohngebiete umfasst, saugt ein Fachunternehmen die Nester nach einem Fund ab. Als Risikobereich 2 gelten Waldbereiche, Wanderparkplätze und landwirtschaftliche Flächen. „Dort wird in der Regel durch Warnschilder auf den Befall hingewiesen“, erklärt Rische. „Nur dort, wo sich viele Menschen aufhalten, etwa unmittelbar über Bänken im Wald, wird auch abgesaugt.“

Wie stark die Städte in diesem Jahr vom Eichenprozessionsspinner betroffen sein werden, hängt vor allem von der Witterung im April und Mai ab. Hohe Temperaturen begünstigen die Entwicklung der Raupen. In Solingen hatte der Befall im vergangenen Jahr den Stadtteil Ohligs besonders stark getroffen. Rische: „Das liegt daran, dass sich der Eichenprozessionsspinner von Südwesten her in den höheren Lagen ausbreitet.“ 

EIGENTÜMER

PFLICHT Während auf öffentlichem Gelände die Stadt für die Beseitigung der Gespinste zuständig ist, müssen Eigentümer, auf deren Grundstück sich etwa eine befallene Eiche befindet, selbst dafür Sorge tragen. Experten raten dazu, mit dieser Aufgabe unbedingt eine Fachfirma zu beauftragen und ein Nest keinesfalls selbst zu entfernen.

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