Öffentliche Fernsprecher führen ein Schattendasein

Stadt verteidigt den Erhalt der Telefonzellen

An der Bushaltestelle Lobachstraße in Honsberg steht noch das klassische Ensemble: Telefonzelle, Litfaßsäule, Kaugummiautomat. Foto: Roland Keusch
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An der Bushaltestelle Lobachstraße in Honsberg steht noch das klassische Ensemble: Telefonzelle, Litfaßsäule, Kaugummiautomat.
  • vonBjörn Boch
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Die Telekom verweist auf Wirtschaftlichkeit.

Remscheid. Es gibt nur wenig im öffentlichen Raum, was so aus der Zeit gefallen wirkt wie Telefonzellen. Wir wissen heute nicht, ob es Briefkästen vielleicht auch einmal so gehen wird – oder Tankstellen. Die Telefonie aber erfährt seit Jahrzehnten einen grundlegenden Wandel. Erst kamen die Handys, dann die Smartphones. Und dennoch gibt es sie noch, die Telefonzellen, auch in Remscheid. Aber warum eigentlich?

Weil auch im Jahr 2021 der Erhalt von Telefonzellen ein gesellschaftliches Ziel ist. „Eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Telefonstellen wird nach wie vor von uns sichergestellt“, erklärt George-Stephen McKinney, Pressesprecher der Deutschen Telekom. Das Unternehmen beobachte ständig den Markt und die Nutzung der öffentlichen Telefone. „Denn bei Standort-Entscheidungen müssen wir abwägen zwischen dem öffentlichen Interesse an einer Versorgung mit frei zugänglichen Telefonen und den wirtschaftlichen Interessen unseres Unternehmens.“

„Wir erwarten jetzt erst einmal, dass Funklöcher gestopft werden.“

Peter Heinze, Beigeordneter

Ohne weiteres kann die Telekom ihre Telefonzellen allerdings nicht abbauen, Bundesnetzagentur und Kommune müssen zustimmen. Die Telekom darf eine Stadt wegen eines Abbaus ansprechen, wenn es sich um „extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro im Monat“ handelt. „In aller Regel stimmen die Kommunen unserem Ansinnen zu“, so Telekom-Sprecher McKinney.

In Remscheid war das zuletzt 2019 ein wenig anders. Elf Standorte wollte die Telekom damals gerne abbauen, bei fünf Adressen widersprach die Stadt. Und schrieb damals: „Zur Sicherung der Grundversorgung sollte der nach Durchführung des Abbauprogramms 2019 verbleibende Bestand öffentlicher Telefone in den Folgejahren möglichst nicht noch weiter reduziert werden.“ Seit 2019 ist keine weitere Anfrage der Telekom bekannt.

Peter Heinze, Beigeordneter für Stadtentwicklung in Remscheid, erkennt zwar an, dass die Telefonanlagen nicht mehr so rege gebraucht werden. „Bevor weitere abgebaut werden, erwarten wir aber erst einmal, dass Funklöcher gestopft werden“, erklärt Heinze auf Anfrage. Für Remscheid gelte, dass in den zentralen Lagen der Stadt, an Stellen mit hoher Passantenfrequenz wie Sportstätten und im Umfeld unfallträchtiger Kreuzungsbereiche ein Mindestbestand an öffentlichen Fernsprechern erhalten bleibe, heißt es in der Vorlage aus 2019. Abgelehnt hat die Stadt daher den Abbau an Wallburgstraße 60 (Stadion Reinshagen), Gerstau 3, Talsperre 27, Preyersmühle 21 und Hackenberger Straße 107.

Zu den Geheimnissen der Telefonzellen gehört, dass niemand so genau weiß, wo sie stehen – zumindest ist eine genaue Übersicht nicht ohne Weiteres aufzutreiben. „Wir halten keine regionalen Daten mehr für die externe Kommunikation vor. Aus Kostengründen werden Standortzahlen nur für den Fall erstellt, dass ein operativer oder geschäftlicher Anlass vorliegt“, heißt es seitens der Telekom.

Für Remscheid findet sich in der Tiefe der Verwaltungsvorlagen immerhin eine Karte, die noch rund 40 Standorte ausweist, wobei an manchen mehrere Telefonsäulen stehen. Rund die Hälfte aller öffentlichen Telefone befindet sich demnach in der Innenstadt. Dass die Telekom dort keinen Abbau beantragt, lässt den Rückschluss auf Umsätze zu, die sich um die 50 Euro im Monat bewegen. Es hat eben doch noch nicht jeder ein Handy oder einen Festnetzanschluss.

Nachbarstädte

Wuppertal: Im Innenstadtbereich stehen noch 32 Telefonzellen, schreibt Stadtsprecher Thomas Eiting. Andere Zahlen lägen nicht vor, es stünden auch einige auf Privatflächen. Zum Vergleich: 2010 seien es noch 44 gewesen. Der letzte Abbau von Telefonzellen erfolgte 2018.

Solingen: Ein Antrag auf Abbau sei lange nicht gestellt worden, so Stadtsprecher Lutz Peters. Die Technischen Betriebe erfragen derzeit Zahl und Standorte der Telefonzellen bei der Telekom.

Vodafone baut derzeit in Remscheid sein 5-G-Netz aus, um seinen Kunden schnelleres mobiles Internet zu ermöglichen. 

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