Prozess

Spielzeugdieb muss nicht ins Gefängnis

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Berufungsverhandlung vor dem Landgericht.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Serienweisen Spielzeugdiebstahl aus Läden an der Alleestraße in der Innenstadt hat ein 30 Jahre alter Remscheider vor Gericht gestanden. Er habe Mini-Traktoren, Legosteine und Pokémon-Spielkarten entwendet, für die er allesamt keine Verwendung hatte. Seine Strafe ist rechtskräftig, vor dem Landgericht in Wuppertal erkämpfte sich der vorbestrafte Mann aber dennoch eine Bewährungschance: Er braucht sechs Monate Gefängnis nicht abzusitzen, wenn er 100 Stunden gemeinnützig arbeitet und sich in psychologische Behandlung begibt. Grund ist, dass er seit Ende Februar feste Arbeit hat.

Der gelernte Facharbeiter stand während der Taten unter laufender Bewährung wegen früherer Diebstähle. Aufgefallen war er jeweils vor Ort. Zu den zwei angeklagten Diebstählen vom Juli und Oktober 2019 kamen noch vier weitere Vorwürfe. Die einzige Variation in diesen Fällen: Es gab bei der Beute einige Süßigkeiten, sogenannte Proteinriegel.

Die zusätzlichen Verfahren hatte bereits die Staatsanwaltschaft vorläufig eingestellt, weil sie die Strafe nicht mehr wesentlich erhöhen würden. Die Beute wurde in den Geschäften sichergestellt.

Die wesentliche Frage sprach der vorsitzende Richter aus: „Nach dem, was in der Akte steht, bin ich nicht der Erste, der das wissen will: Warum grade diese Gegenstände? Da stimmt doch was nicht.“ Der Angeklagte habe keine Kinder, denen er die Spielsachen schenken könnte. Verkaufen für Drogengeld wollte er sie anscheinend auch nicht - dazu fehle die Sucht. Der Angeklagte antwortete, die Riegel habe er essen wollen, er treibe Sport. Und, was die Spielsachen betrifft: „Das sollte schon Kindern zugutekommen. Ich wollte die Sachen spenden für Kinder in armen Ländern. Inzwischen weiß ich, dass das der falsche Weg dazu war.“

Das wiederum bestätigte der Richter: Man spende doch nur, was man bezahlen könne. Der nachdenkliche Kommentar im Hinblick auf die Bewährung: „Die Arbeitsstunden sind dafür, dass Sie nicht den Eindruck bekommen, das hier wäre quasi kostenlos gewesen.“ Letztlich komme es für den 30-Jährigen auf die anstehende Behandlung an. Die müsse er auch bis zu Ende durchstehen.

Gegenwärtig wird am Landgericht in Wuppertal auch ein Mordprozess gegen einen Remscheider verhandelt. Dabei wurden zusätzliche Verhandlungstermine bestimmt.

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