Mehrheit hält sich an die Regeln

Spaziergänger bedanken sich beim Kommunalen Ordnungsdienst

Mit diesem gemeinsamen Motiv werben Polizei, Ordnungsamt, Feuerwehr und Rettungsdienst in Remscheid dafür, das Haus möglichst nicht zu verlassen. Die Erfahrung zeigt: Inzwischen halten sich die meisten Bürger daran. Foto: Polizei
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Mit diesem gemeinsamen Motiv werben Polizei, Ordnungsamt, Feuerwehr und Rettungsdienst in Remscheid dafür, das Haus möglichst nicht zu verlassen. Die Erfahrung zeigt: Inzwischen halten sich die meisten Bürger daran. 

Corona: Polizei und Ordnungsamt bestätigen, dass die neuen Regeln eingehalten werden.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die gute Nachricht vorneweg: Es funktioniert. Sowohl der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) als auch die Polizei haben in den letzten Tagen festgestellt, dass sich die absolute Mehrheit der Remscheider an die Regeln zur Eindämmung des Coronavirus hält. „In der vergangenen Woche sind wir noch auf viele Menschen getroffen, die das alles ein wenig auf die leichte Schulter genommen haben“, berichtet Daniel Pfordt, Leiter des KOD. „Inzwischen haben es die meisten aber verstanden.“ Und auch Thomas Book, Chef der Remscheider Polizei, bestätigt: „Wir sehen, dass die Leute sich an die Vorgaben halten.“

Trotzdem bleibt die derzeitige Lage eine besondere für die Ordnungskräfte. Auf weit mehr als 700 Einsätze kommt der KOD in knapp sieben Tagen zum Beispiel. „Da sind auch ganz normale Sachen bei“, sagt Pfordt. „Schließlich gibt es die auch noch.“ Doch die Mehrheit habe irgendwie mit Corona zu tun: „Am Samstag mussten wir Friseure und Nagelstudios zumachen, die nichts von den neuen Regeln gehört hatten. Oder es nicht wahrhaben wollten.“ Teilweise habe man die Läden sogar versiegeln müssen, so Pfordt. „Weil die auch nach der zweiten Ermahnung nicht schließen wollten.“ Hinzu kämen zahlreiche Hinweise an die Hotline (Tel. 16 90 00), denen man nachgehen müsse, von Hygieneverstoßen in Geschäften bis feiernden Jugendgruppen.

Seit Montag kontrolliere der KOD vor allem, ob das landesweite Kontaktverbot eingehalten wird, sagt Daniel Pford: „Wir sprechen die Menschen an, und die meisten haben auch Verständnis.“ Viele seien froh und dankbar über den Einsatz des Ordnungsamtes. „Am Wochenende sind wir Streife durch den Stadtpark gelaufen, da haben uns Spaziergänger angesprochen und sich bei uns bedankt. Das tut natürlich gut.“

Remscheid: Ziel ist die Einhaltung der Regeln, nicht Bußgelder zu verhängen

Um das alles zu schaffen, hat der KOD auch personell aufgerüstet. „Wir haben verwaltungsintern Unterstützung bekommen“, berichtet Pfordt. Eine eigens eingerichtete Leitstelle sei doppelt besetzt, von 7 bis 22 Uhr zudem sind mindestens immer zwei Teams auf den Straßen unterwegs. Theoretisch könnten die bei Verstößen gegen die neuen Regeln Bußgelder von bis zu 25 000 Euro verhängen.

„Bisher hat das aber immer mit einer deutlichen Ansprache funktioniert“, sagt Pfordt. Ziel sei es, dass die Leute sich an die Vorgaben halten – nicht die Stadtkasse zu füllen. „Wer trotz Aufforderung nicht geht, dem erteilen wir ein Platzverweis.“ Im Extremfall inklusive entsprechender Zwangsmaßnahmen. „Wenn es sein muss, nehmen wir denjenigen einfach mit.“

Dabei arbeitet der KOD eng mit der Polizei zusammen. „Das funktioniert sehr gut“, sagt Daniel Pfordt. Auch weil man sich gut ergänze, betont Thomas Book, Leiter der Polizeiinspektion Remscheid. „Grundsätzliche liegt die Verantwortung in solchen Fällen bei den Kommunen, aber natürlich bleibt es nicht aus, dass es Überschneidungen gibt.“ So werde die Polizei zum Beispiel aktiv, wenn der KOD nicht mehr unterwegs ist. Oder man gehe zusammen auf Streife. „Da stimmen wir uns gut ab.“

Einen Unterschied gibt es dann aber doch: Während der KOD alle Hände voll zu tun hat, geht die Zahl der Polizei-Einsätze zurück. Weniger los auf den Straßen, viele Geschäfte zu, das macht sich zum Beispiel bei Verkehrsunfällen und Ladendiebstählen bemerkbar. Hinzu komme weniger Publikumsverkehr auf der Wache, so Book.

Die KOD-Mitarbeiter aus Remscheid sind hoch motiviert

Die freigewordenen Kapazitäten nutze man, um sich angesichts der aktuellen Situation neu aufzustellen: Weil die Menschen häufiger zuhause sind, gehe man davon aus, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche zurückgeht, sagt Thomas Book. Im Gegenzug könnten aber Einbrüche in Schulen und Kindergärten ansteigen. „Erfahrungsgemäß suche sich die organisierten Banden sehr schnell alternative Ziele.“ Also habe man vermehrt ein Auge auf solche Gebäude.

Trotz der derzeit hohen Belastung kommt der KOD derzeit noch ohne Maßnahmen wie eine Urlaubssperre oder etwas in der Art aus. „Meine Mitarbeiter sind so motiviert, die würden am liebsten durcharbeiten“, sagt Daniel Pfordt. „Ich bin unglaublich stolz auf mein Team.“

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

KONTAKT

ANZEIGEN Die Polizei bittet darum, bei Anzeigen, die nicht besonders dringend sind, das Online-Portal des Innenministeriums, die sogenannte Internetwache, zu nutzen. „Es soll keine Anzeige unter den Tisch fallen“, sagt Thomas Book. Allerdings wolle man auch das Risiko für Beamten und Besucher zu gering wie möglich halten.

polizei.nrw/internetwache

STANDPUNKT Die Risiken abwägen

Von Sven Schlickowey

Polizei und KOD stellen fest: Die Mehrheit der Menschen hält sich an die neuen Regeln. Es hat also ein wenig gedauert, aber nun sind sich wohl die meisten dem Ernst der Lage bewusst. Aber auch nur die meisten. Denn in den Tiefen des Internets, bei Impfgegnern, Anhängern der Germanischen Neuen Medizin und anderen Verschwörungstheoretikern, hält sich hartnäckig die Meinung, das sei alles gar nicht so schlimm. 

Schlussendlich kann ich gar nicht beurteilen, wie gefährlich das Virus wirklich ist. Ich kann aber Risiken abwägen. Wenn also die wenigen, die sagen, dass alles nur halb so wild ist, recht haben, stellen wir nachträglich vielleicht fest, dass wir ein paar Wochen umsonst in der Wohnung geblieben sind. Behält aber die große Mehrheit der Mediziner, die vor den Folgen von Corona warnen, recht, retten wir tausende Leben. Für mich ist die Wahl einfach. 

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