Ärger

Seniorin ohne Telefon: „Ich fühle mich wirklich verschaukelt“

Ingrid Delhaes ist seit über zehn Wochen ohne Festnetzanschluss. Foto: Roland Keusch
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Ingrid Delhaes ist seit über zehn Wochen ohne Festnetzanschluss.

Zehn Wochen ohne Festnetz-Anschluss: Telekom-Kundin wurde schon mehrfach vertröstet.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Am 26. Dezember des letzten Jahres konnte Ingrid Delhaes aus Remscheid zum letzten Mal ihr Festnetztelefon benutzen. Seither ist die Leitung tot. Ärgerlich für die 82-Jährige, aber dank ihres Mobiltelefons grundsätzlich verkraftbar, wie sie sagt. Was sie allerdings wirklich ärgert, ist das Verhalten der Telekom, die den Schaden in mehr als zehn Wochen bisher noch nicht behoben, dafür aber Ingrid Delhaes mehrfach vertröstet hat.

„Ich fühle mich wirklich verschaukelt“, sagt Ingrid Delhaes. Zwischen Weihnachten und Neujahr habe sie die Störung der Telekom gemeldet. „Seitdem habe ich jede Woche mindestens zweimal dort angerufen.“ Mehrfach habe sie Besuch von Technikern bekommen. „Die waren auch immer sehr freundlich und bemüht.“ Ihr Telefon funktioniert allerdings immer noch nicht. „Erst haben sie mir Ende Februar gesagt, dann sollte es am 3. März wieder funktionieren, und zuletzt hieß es am 10. März.“

Laut der Telekom ist Ingrid Delhaes Leitung beschädigt worden. „Wir haben hier leider Feuchtigkeit im Kabel“, teilt ein Sprecher mit. Dies sei von einem Telekom-Techniker am 10. Februar festgestellt worden. „Am 11. Februar wurde zusätzlich der Hausanschluss geprüft, anschließend die notwendigen Tiefbauarbeiten zur Beseitigung der Störung beauftragt.“

Remscheid: In der vergangenen Woche begannen die Tiefbauarbeiten

In der vergangenen Woche riss ein Bautrupp dann auch tatsächlich die Straße unweit von Ingrid Delhaes Haus auf – und fand dabei offensichtlich einen weiteren Schaden: „Leider ist die Störung immer noch nicht beseitigt, weil ein weiterer Fehler zusätzliche Tiefbauarbeiten notwendig macht“, sagt die Telekom auf Nachfrage.

Schuld an der langen Zeit, die Ingrid Delhaes ohne Festnetzanschluss ist, könnte demnach auch die gute Auftragslage bei Tiefbauunternehmen sein, die wie die ganze Baubranche derzeit gut ausgelastet sind, aber kaum Fachkräfte findet. „Leider gestaltet sich die Fehlerbehebung manchmal sehr schwierig“, sagt dazu Stephan Althoff, Head of Communications Germany bei der Deutschen Telekom. „Wir können den Ärger darüber sehr gut nachvollziehen und uns für die lange Bearbeitungszeit nur entschuldigen.“

Für Ingrid Delhaes bedeutet das aber, dass sie vorerst auch weiterhin über ihr Handy telefonieren muss. „Sonst zahle ich im Monat vielleicht zehn Euro an O2, auf der letzten Rechnung waren es 46 Euro.“ Und die Telekom buche auch weiterhin fürs Festnetz ab. „Man hat mir am Telefon gesagt, dass ich erst zahlen muss und dass mir das später erstattet wird, wenn die Störung behoben wurde.“

Derweil haben ihre Nachbarn größtenteils noch einen funktionierenden Anschluss. Dies sei nicht ungewöhnlich, so die Telekom. „Sondern dem Umstand geschuldet, dass Anschlüsse bewusst über unterschiedliche Kabel geführt werden, um das Risiko von Großstörungen zu reduzieren.“

Standpunkt: Zufriedenheit als Marketing

sven.schlickowey@rga-online.de

Ein Kommentar von Sven Schlickowey

Ärger mit Telekommunikationsunternehmen scheint zum modernen Leben dazuzugehören wie leere Handy-Akkus, unverständliche Kontrolllampen in Auto-Displays oder Wlan-Störungen. Doch dass man, wie im Fall von Ingrid Delhaes, erstmal fünf Wochen braucht, um den Fehler zu finden, und ihn dann noch einmal fünf Wochen später immer noch nicht behoben hat, ist schon ein starkes Stück. Dass man die Kundin immer wieder ohne Ergebnis vertröstet, erst recht. Und dass sie, während sie ihren Anschluss nicht benutzen kann, trotzdem brav ihre Rechnungen zahlen soll, noch viel mehr. 

Natürlich kann auch die Telekom nicht hexen. Und sich auch kein Tiefbauunternehmen stricken. Wenn man sich aber anschaut, mit welchem Aufwand solche Unternehmen Neukunden werben, muss man sich schon fragen, ob ein paar Euro davon nicht besser in Zufriedenheit der bereits bestehenden Kunden investiert würden.

Im vergangenen Jahr hatten wir darüber berichtet, dass elf Telefonzellen das Aus droht. Sie sollen aus dem Stadtgebiet verschwinden – weil sie kaum noch genutzt werden.

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