Klare Botschaft

Schule wehrt sich gegen rechte Parolen

Distanzieren sich von der Aktion der „Identitären Bewegung“ (v. l.): Lehrerin Ulrike Kohl, der stellvertretende Schülersprecher Timo Straßer, Schulsozialarbeiter Niko Brkljacic sowie Schulleiter Oliver Lang. Foto: Roland Keusch
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Distanzieren sich von der Aktion der „Identitären Bewegung“ (v. l.): Lehrerin Ulrike Kohl, der stellvertretende Schülersprecher Timo Straßer, Schulsozialarbeiter Niko Brkljacic sowie Schulleiter Oliver Lang.

Die rechtsextreme Identitäre Bewegung hatte im März Flyer in drei Remscheider Berufskollegs verbreitet.

  • Mitglieder derIdentitären Bewegung hatten politische Flyer in Remscheider Berufskollegs verteilt.
  • Das Berufskolleg Technik sendet eine klare Botschaft.
  • Mit den Schülern werden Themen wie Rassismus im Unterricht aufgearbeitet.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Es ist eine einfache und klare Botschaft. „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ steht auf dem Schild, das an einer der Säulen in der Eingangshalle des Berufskollegs Technik hängt. Damit senden die Verantwortlichen nicht nur ein Signal an ihre Schüler, sondern auch an die Identitäre Bewegung (IB). Anfang März hatten Mitglieder der Gruppierung politisch eindeutige Flyer mit Inhalten wie „Integration ist eine Lüge“ in dem Gebäude an der Neuenkamper Straße verteilt. „Wir möchten ein Zeichen setzen, dass die Lehrerschaft und so gut wie alle Schüler so etwas nicht dulden“, betont Schulleiter Oliver Lang.

Der im vergangenen Herbst erschienene Verfassungsschutzbericht 2018 schätzt die IB als Verdachtsfall ein. Demnach „liegen tatsächliche Anhaltspunkte für eine rechtsextremistische Bestrebung vor“. Das NRW-Innenministerium schreibt der Gruppe „rechtsextremistische Positionen“ zu. Ihre Inhalte und Aktivitäten seien geprägt von „fremdenfeindlichen und Minderheiten ausgrenzenden Positionen“.

Bereits mehrfach ist die Identitäre Bewegung in der Stadt aufgefallen. So fanden die Remscheider Grünen im Bundestagswahlkampf 2017 den Eingangsbereich ihrer Geschäftsstelle mit einschlägigen Stickern beklebt. Im Frühjahr 2018 verteilte die IB Flyer und Handzettel in Bussen der Stadtwerke. Vor dreieinhalb Monaten folgte die Flyer-Aktion in drei Remscheider Berufskolleg-Standorten.

„Es wird deutlich, wie schnell rechtes Gedankengut an Schulen gelangen kann.“
Oliver Lang, Schulleiter

„Wir vermuten, dass sich diejenigen, die für das Verteilen der Zettel verantwortlich sind, im Gebäude haben einschließen lassen“, sagt Niko Brkljacic. Er ist der Schulsozialarbeiter des Berufskollegs Technik. Wer genau hinter der Aktion steckt, ist noch nicht bekannt. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen unmittelbar nach dem Vorfall übernommen. Bislang ohne Verantwortliche dingfest machen zu können, wie Polizeisprecher Stefan Weitkämper auf RGA-Anfrage erklärt.

Remscheid: Verfassungsschutz bot Infoveranstaltung für Lehrer an

Wenngleich Oliver Lang zufolge nur wenige Schüler überhaupt etwas von den Flyern mitbekommen haben, „weil das Kollegium phänomenal schnell reagiert hat“, hat der Vorfall für ihn eines gezeigt: „Ich war zunächst überrascht. Es wird deutlich, wie schnell rechtes Gedankengut an Schulen gelangen kann.“

Gleichzeitig hat die Aktion an der Schule etwas in Bewegung gesetzt. Da sind zum einen die beiden neu angebrachten„Respekt“-Schilder. Das eine hängt in der Pausenhalle, das andere am Treppenaufgang zum Schulhof. „Damit möchten wir sichtbar Stellung beziehen“, sagt Brkljacic. Zum anderen berichtet Lehrerin Ulrike Kohl von einer Informationsveranstaltung des Verfassungsschutzes für Lehrkräfte zur Identitären Bewegung. Daran haben auch Kollegen der anderen betroffenen Berufskollegs teilgenommen. „Der Informationsdurst der Kollegen war riesig“, erzählt Lehrer Sebastian Küchelmann. Seitdem gehe man mit noch offeneren Augen durch die Schule.

Ohnehin werden mit den Schülern im Unterricht oder in Projekten Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Sexismus oder politischer Extremismus aufgearbeitet. Dabei kommen in den Klassen in den meisten Fällen Schüler mit verschiedenen Nationalitäten und Migrationshintergründen zusammen. „Das Berufskolleg ist vielfältig und das ist gut so“, betont Oliver Lang. Dem stimmt Timo Straßer zu. Der 23-Jährige ist stellvertretender Schülersprecher am Berufskolleg Technik. Wie präsent Rassismus in der Schule ist, hänge immer von der jeweiligen Klasse ab, sagt er. In seinem Kurs sei etwa ein Mitschüler durch rassistische Sprüche und despektierlichen Äußerungen gegenüber einem Rollstuhlfahrer aufgefallen. „Das haben wir nicht zugelassen. Wenn man wegschaut, hat man auch einen Teil der Schuld“, betont der Schüler.

Straßers Erfahrungen überraschen Niko Brkljacic nicht. „Natürlich gibt es auch an unserer Schule Rassismus – wie in fast allen Teilen der Gesellschaft“, gesteht der Sozialarbeiter ein. Es sei am Lehrerkollegium, diese Themen entschieden anzusprechen.

Identitäre Bewegung

Im Verfassungsschutzbericht 2018 heißt es über die Identitäre Bewegung: „Insbesondere die Fixierung auf eine ethnische Homogenität als zentralem Wert für Gesellschaft und Demokratie stellt einen deutlichen Anhaltspunkt dafür dar, dass die Ideologie der Identitären Bewegung die grundgesetzlich geschützte Menschenwürde und das Demokratieprinzip verletzen könnte.“ Ende April meldete das ZDF, die Identitäre Bewegung werde im kommenden Verfassungsschutzbericht als „gesichert rechtsextremistisch“ bezeichnet.

In Bussen der Stadtwerke Remscheid ist im März 2018 eine größere Zahl von Flyern und Handzetteln mit neonazistischem Hintergrund ausgehängt worden.

Mit Aufklebern, die abwertende Parolen beinhalten, haben Unbekannte 2017 im Bergischen Land hunderte Wahlwerbe-Plakate von CDU, SPD und Grünen beklebt. Die Remscheider Grünen fanden bereits im Vorwahlkampf die Eingangstüre ihrer Geschäftsstelle  mit Aufklebern der „Identitären Bewegung“ zugepflastert.

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