Corona-Schutzverordnung

Das ist in Remscheid bei Quarantäne verboten

Wer sich daheim in Quarantäne befindet, muss andere bitten, für sich einzukaufen. Er selbst darf das Haus nicht verlassen. Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling (kleines Foto) erklärt, auf was Betroffene achten müssen. Fotos: Roland Keusch/Michael Schütz
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Wer sich daheim in Quarantäne befindet, muss andere bitten, für sich einzukaufen. Er selbst darf das Haus nicht verlassen.

Einkaufen, Lüften, Arztbesuch: Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling klärt auf.

Von Melissa Wienzek

Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling (kleines Foto) erklärt, auf was Betroffene achten müssen. 

Remscheid. 268 Remscheider, die positiv getestet wurden, befinden sich aktuell in angeordneter häuslicher Quarantäne. Zudem halten sich derzeit 1249 Menschen ausschließlich in den eigenen vier Wänden auf, weil sie im Verdacht stehen, sich angesteckt zu haben. Diese Regelung, daheim zu bleiben, um andere vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 zu schützen, ist keine reine Ehrensache. Sie ist notwendig, um das Infektionsgeschehen zu verlangsamen. Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling erklärt, was in der Quarantäne gilt.

Wie erfahre ich eigentlich, ob ich in Quarantäne muss?

Dafür muss es natürlich erst einmal einen Test gegeben haben, der aus einem bestimmten Grund gemacht wurde – zum Beispiel, wenn corona-typische Beschwerden vorliegen, die Warnapp angeschlagen hat oder der Betroffene erfährt, dass jemand in seinem Umfeld covidpositiv ist. „Der Erste, der von einem positiven Testausgang erfährt, ist übrigens der Patient. Er erhält das Ergebnis per Whatsapp oder per Mail.“ Das Gesundheitsamt erhalte meist erst einen Tag später die Meldung vom Labor. Noch länger könne es dauern, wenn ein anderes Gesundheitsamt in einer anderen Stadt involviert sei. Wenn ein Solinger beispielsweise nur in Remscheid arbeitet. Dann sind beide Ämter im Boot.

Muss ich mich dann direkt, wenn die Nachricht eintrifft, nach Hause begeben?

„Ja, das sollte man schnellstmöglichst tun, und zwar ohne Umschweife“, betont Neveling. Bedeutet: Nicht erst noch in Ruhe einkaufen fahren oder das Kind von der Schule abholen. „Und dabei bitte auch so, dass niemand anderes gefährdet wird.“ Abstand halten, Maske aufsetzen und dann ab nach Hause. „Alles andere wäre grob fahrlässig“, betont der Gesundheitsamtsleiter.

Ich kann dann nicht arbeiten gehen. Werde ich für die Quarantäne krankgeschrieben?

„Nein, das hat mit Krankheit nichts zu tun, es ist eine behördliche Anordnung“, erklärt Dr. Neveling. Die angeordnete häusliche Quarantäne fußt auf dem Infektionsschutzgesetz.

Wird mein Arbeitgeber dafür entschädigt?

Die angeordnete häusliche Quarantäne ermöglicht dem Arbeitgeber, Geld für entgangene Lohnkosten beim Landschaftsverband Rheinland zurückzuholen. Denn: Wer aufgrund des Infektionsschutzgesetzes unter Quarantäne gestellt wird oder mit einem Tätigkeitsverbot belegt wurde und einen Verdienstausfall erleidet, ohne krank zu sein, erhält grundsätzlich eine Entschädigung. Der Arbeitgeber muss den Lohn für längstens sechs Wochen – soweit tarifvertraglich nichts anderes vereinbart ist – an betroffene Arbeitnehmer fortzahlen und in Vorleistung gehen. Auf Antrag erhält der Arbeitgeber die ausgezahlten Beträge vom zuständigen Landschaftsverband Rheinland erstattet. Bei einer freiwilligen Quarantäne besteht übrigens kein Anspruch auf Entschädigung.

Kann die Quarantäne auch von der Behörde aufgehoben werden?

Ja, in Ausnahmefällen und unter bestimmten Bedingungen geht das. „Wenn jemand zum Beispiel in einer systemrelevanten Einrichtung arbeitet, nicht positiv getestet wurde, aber in Quarantäne ist, weil er eine sogenannte Kontaktperson ist, aber das Unternehmen sonst Schaden nehmen würde, ist dies nach Rücksprache mit uns möglich.“ Beispiel Pflegeberuf: Patienten könnten körperlichen Schaden nehmen, weil sie zu verhungern drohen. Oder der Energieversorger, der Mitarbeiter benötigt, um die Stromversorgung aufrechtzuerhalten. Oder Firmen, die eine wichtige Produktion zu Ende bringen müssen. Dann kann das Amt eine sogenannte Pendlerquarantäne aussprechen. Unter Auflagen kann der Betroffene dann weiter arbeiten – wenn er zum Beispiel kein Kaffeekränzchen mit den Kollegen abhält und dauerhaft eine Mund-Nasen-Maske trägt. Wichtig: Die private Quarantäne bleibt in dem Fall bestehen.

Darf ich in der Quarantäne noch Einkaufen gehen?

Klare Antwort: nein. Wer dies nicht selbst über Familie, Freunde und Nachbarschaftshilfen regeln könne, habe die Möglichkeit, über den Sozialdienst der Stadt versorgt zu werden. Wichtig: Einkäufer sollten die Lebensmittel kontaktlos vor die Tür stellen.

Darf ich meine Kinder denn noch in die Schule oder in die Kita bringen?

Nein, auch das ist nicht erlaubt. „Bereits auf dem Weg dahin gefährdet man das Kind und beim Aussteigen auch noch andere.“

Darf ich draußen spazieren gehen, wenn ich keinen Garten habe?

Nein. Die Ansteckungsgefahr ist zu groß. Gleiches gilt für das Gassigehen mit dem Hund: Der Vierbeiner muss in der Zeit von jemand anderem ausgeführt werden.

Und was ist mit einem Arztbesuch oder dem wichtigen Gang zur Apotheke?

Medizinisch notwendige Arztbesuche sind erlaubt, zum Beispiel, wenn ein akuter Infekt, ein Fieberanfall oder dringend eine Herz-Röntgenaufnahme gemacht werden muss. Auch hier gilt: unter Auflagen. Der Betroffene muss dem Arzt jedoch mitteilen, dass er unter angeordneter Quarantäne steht. „Wer Medikamente aus der Apotheke braucht, sollte jemand anderen schicken. Viele Apotheken bieten zudem mittlerweile einen Lieferservice an“, sagt Neveling.

Muss ich daheim eigentlich auch lüften und desinfizieren?

„Das sollte man machen“, empfiehlt der Gesundheitsamtschef.

Falls ich positiv getestet wurde – wie kann ich meine Familie vor einer Ansteckung schützen?

„Man muss gucken, wie man es bestmöglich organisiert“, sagt der Experte, der betont: „Meist haben sich aber alle anderen ohnehin schon angesteckt.“ Tipp für das Verfahren: Betroffene sollten die Mahlzeiten besser eine Stunde später allein einnehmen, sich in ein Zimmer zurückziehen und den Kontakt wirklich auf ein Mindestmaß beschränken. Und: dauerhaft Maske tragen im Haushalt. Und natürlich generell auf Hygiene achten.

Wichtige Telefonnummern

Hotline: Das Gesundheitsamt hat montags bis freitags eine Hotline für medizinische Fragen geschaltet: Tel. 16 35 55.

Für Ältere und Vorerkrankte: Senioren können sich unter Tel. 4 64 53 51 melden.

Quarantäne-Anruf: Wer in Quarantäne ist, erhält einmal am Tag einen Anruf vom Gesundheitsamt. So wird nicht nur die Einhaltung kontrolliert, sondern das Team fragt auch, ob es helfen kann, ob der Betroffene etwas benötigt. „Wir haben dafür einige Dankesschreiben erhalten“, erzählt Neveling.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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