Unfall

Todesfahrt in Hasten: Angeklagter erhält zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung

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Tragödie in Hasten: Eine 19-Jährige starb bei diesem Unfall.

Urteil nach dem tödlichen Unfall in Hasten: Gericht wandte dabei den „Raserparagrafen“ an.

  • Das Schicksal einer 19-jährigen Frau, die im letzten Jahr bei einem Verkehrsunfall in Remscheid ums Leben kam, findet ein juristisches Nachspiel.
  • Der Vorwurf gegen einen 23-Jährigen lautet fahrlässige Tötung.
  • Das Gericht wandte den erst Ende 2017 geschaffenen „Raserparagrafen“ 315d des Strafgesetzbuches an.

Unser Artikel vom 27. Februar, 17 Uhr

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der Verursacher des tödlichen Unfalls Ende Mai 2019 in Hasten ist zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Remscheid sprach den 23-Jährigen wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig. Dabei wandte es den erst Ende 2017 geschaffenen „Raserparagrafen“ 315d des Strafgesetzbuches an.

Gleich zu Beginn der Verhandlung hatte der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. „Er will und kann das Vorgeworfene nicht in Abrede stellen“, erklärte sein Verteidiger. Nähere Angaben zum eigentlichen Unfallverlauf machte er allerdings nicht, weil er sich nach eigenen Angaben nicht erinnern konnte. „Ich habe sehr viel vergessen in letzter Zeit“, sagte der Angeklagte mit leiser Stimme. Seine Erinnerung ende kurz, nachdem er das Feuerwehrfest in Hasten verlassen habe und setze erst im Krankenhaus wieder ein. Das sei, sagte der vorsitzende Richter, nach einem solchen Unfall „nicht per se unglaubhaft“.

Was dazwischen geschah, rekonstruierte das Gericht vor allem anhand von Gutachten. Demnach hatte der Angeklagte das Fest zusammen mit einer Bekannten (19) verlassen, die er dort eher zufällig getroffen hatte, um in einer nahen Shisha-Bar gemeinsam eine Wasserpfeife zu rauchen. Statt in die Bar zu gehen, stiegen die beiden aber in das Auto des Angeklagten und fuhren umher, bis es in der Unterhützer Straße in Remscheid zu dem Unfall kam, bei dem die Beifahrerin getötet und der Angeklagte, der das Auto fuhr, schwer verletzt wurde.

Trotz einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern muss der Angeklagte dabei mindestens 90 gefahren sein, stellte ein Gutachter fest. Der Wagen geriet ins Schleudern, knallte gegen einen Metallpfosten und eine dahinterliegende Mauer, überschlug sich und landete schließlich in einem Garten.

Remscheid: Der Fahrer hatte 1,16 Promille, das Auto keine Betriebserlaubnis

Dabei war der Fahrer nicht nur betrunken – eine Blutprobe ergab einen Wert von 1,16 Promille Blutalkohol –, sondern fuhr auch ein Fahrzeug ohne Betriebserlaubnis. Sein BMW 135i, der serienmäßig schon 306 PS hat, war mit einem modifizierten Luftladekühler und einer veränderten Programmierung der Motorensteuerung auf 390 PS getunt worden.

Bei seiner Strafzumessung überschritt das Gericht die Forderungen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, die beide ein Jahr und zehn Monate gefordert hatten. Für ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge sieht das Gesetz einen Rahmen von einem bis zehn Jahre vor. Man habe sich bewusst für eine Strafe entschieden, die „erheblich über das Mindestmaß hinausgeht“, so der vorsitzende Richter.

Während sich das getunte Auto und der Alkoholeinfluss strafverschärfend auswirkten, berücksichtigte das Gericht unter anderem sein Geständnis, seine offensichtliche Reue und dass er in „geordneten Verhältnissen“ lebt und seit vielen Jahren im gleichen Unternehmen tätig ist zugunsten des Angeklagten.

Wie schon vor ihm der Staatsanwalt, betonte der vorsitzende Richter, dass es bei dem Urteil nicht darum gehe, ein Menschenleben aufzuwiegen, dies könne ein Strafverfahren nicht leisten: „Was geschehen ist, wird beide Seiten ein Leben lang begleiten, das kann dieses Verfahren nicht ändern.“ Vielmehr gehe aus ausschließlich um eine strafrechtliche Bewertung der Tat.

Der Bewährungszeitraum für die Haftstrafe wurde auf drei Jahre festgesetzt, zudem muss der Angeklagte 4800 Euro Geldbuße bezahlen. Seine Fahrerlaubnis wurde eingezogen, einen neuen Führerschein kann er frühestens in fünf Jahren machen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

„RASERPARAGRAF“

§ 315d Als Reaktion auf illegale Straßenrennen trat im Oktober 2017 der Paragraf 315d des Strafgesetzbuches in Kraft, der die Teilnahme an und die Ausrichtung von solchen Rennen unter Strafe stellt. Trotz des Begriffs „Rennen“ ist dafür kein zweites Fahrzeug notwendig, allein die Absicht, eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, zählt.

+++ Update von 15.21 Uhr +++

Der Verursacher des tödlichen Unfalls Ende Mai in Hasten ist zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Remscheid sprach dem 23-Jährigen wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig. Dabei wendete es den erst Ende 2017 geschaffenen „Raserparagraf“ 315d des Strafgesetzbuches an.

+++ Update von 11.48 Uhr +++

Im Prozess um die Todesfahrt in Hasten hat der Angeklagte zum Beginn der Verhandlung ein Geständnis abgelegt. Er könne und wolle die ihm zu Last gelegte fahrlässige Tötung nicht in Abrede stellen, sagte sein Verteidiger. An den Unfall selber habe er aber keine Erinnerung, so der Angeklagte. Anschließend stieg das Gericht in die weitere Beweisaufnahme ein. wey

Artikel vom 27.2.2020

Vor dem Remscheider Amtsgericht beginnt am Donnerstag der Prozess um die Todesfahrt in Hasten. Das Schöffengericht verhandelt die Strafsache. Der Vorwurf lautet fahrlässige Tötung.

Remscheid: Sanitäter konnten der 19-Jährigen nicht mehr helfen

In der Nacht zum 25. Mai waren ein damals 22-Jähriger und seine Beifahrerin (19) in einem 1er BMW Coupé auf der Unterhützer Straße unterwegs. Sie kamen vom Feuerwehrfest in Hasten. Zeugen wollen beobachtet haben, dass der junge Mann mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Tempo-30-Zone fuhr – und die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Das Fahrzeug durchschlug eine Mauer sowie eine Hecke mit Metallpollern und kam im Garten eines Reihenhauses zum Stehen. Sanitäter konnten der 19-Jährigen nicht mehr helfen: Sie starb noch an der Unglücksstelle. Der Fahrer wurde schwer verletzt.

Junge Frau aus Remscheid starb noch an der Unglücksstelle

Sowohl für fahrlässige Tötung als auch auf Straßenverkehrsgefährdung könne eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren verhängt werden, erläuterte Staatsanwalt Wolf-Tilman Baumert damals im RGA-Gespräch. mw

Artikel vom 29.8.2019

Von Frank Michalczak

Das Schicksal einer 19-jährigen Frau, die in der Nacht zum 25. Mai bei einem Verkehrsunfall in Hasten ums Leben kam, findet demnächst ein juristisches Nachspiel. Wie Staatsanwalt Wolf-Tilman Baumert berichtet, stehen die Ermittlungen kurz vor ihrem Abschluss. „Der Vorwurf lautet fahrlässige Tötung. Möglicherweise kommt als zweites Delikt Straßenverkehrsgefährdung hinzu“, erklärt er mit Blick auf einen 23-jährigen Remscheider, der am Steuer saß und den Unfall verursacht hatte.

Dabei soll Alkohol im Spiel gewesen sein. „Zeugen haben bei einem Feuerwehrfest beobachtet, dass er getrunken hatte. Außerdem roch er wohl nach Alkohol“, berichtet Baumert. Die exakten Blutwerte werden bei der Verhandlung ebenso zur Sprache kommen wie die Beobachtungen von Anwohnern der Unterhützer Straße. „Sie wurden vom heulenden Motor regelrecht aufgeschreckt und aus dem Schlaf gerissen. Das spricht dafür, dass er viel zu schnell gefahren ist“, erklärt der Staatsanwalt.

Der damals 22-Jährige war mit seinem 1er BMW Coupé von der Straße abgekommen, hatte eine Mauer sowie eine Hecke mit Metallpollern durchschlagen und war im Garten eines Reihenhauses zum Stehen gekommen. Die Beifahrerin erlag sofort ihren schweren Verletzungen. Der Fahrer wurde bei dem Aufprall schwer verletzt: Er musste in einer Klinik notoperiert werden. Bei dem Unfall entstand laut Polizeiangaben ein Schaden in Höhe von etwa 50 000 Euro.

Ob der Prozess gegen den 23-Jährigen im Remscheider Amtsgericht oder im Wuppertaler Landgericht stattfinden wird, stehe noch nicht fest. Sowohl auf fahrlässige Tötung als auch auf Straßenverkehrsgefährdung könne eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren verhängt werden.

Jugendstrafrecht kann beim Fahrer nicht angewendet werden

Den Tathergang, der sich nach den Aussagen der Zeugen abzeichnet, bezeichnet Wolf-Tilman Baumert als „heftig“. Jugendstrafrecht könne bei dem Remscheider nicht angewendet. „Dazu hätte er bei der Fahrt unter 21 Jahren sein müssen“, fügt der Staatsanwalt hinzu. „Das ist nicht der Fall.“

Nach Abschluss der Ermittlungen werde die Staatsanwaltschaft vermutlich die Anklage beantragen. Ob sie zugelassen wird, entscheidet dann nach Prüfung das Gericht. „Daher lässt es sich zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren, wann die Verhandlung beginnen kann.“

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