8. Mai

Pferdestall-Verein erinnert an bittere Kriegsschicksale

Der Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid (v.l. Francesco Lo Pinto, Nick Jannis Schneider, Hans Heinz Schumacher, Andrea Blesius, Klaus Blomberg) erinnerte an Remscheider, die unter dem Nazi-Terror verfolgt wurden.
+
Der Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid (v.l. Francesco Lo Pinto, Nick Jannis Schmeißer, Hans Heinz Schumacher, Andrea Blesius, Klaus Blomberg) erinnerte an Remscheider, die unter dem Nazi-Terror verfolgt wurden.

Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes: Vorstand der Gedenk- und Bildungsstätte stellte fünf Remscheider Opfer der Nazi-Herrschaft vor

Von Andreas Weber

Remscheid. Am Freitag, 8. Mai, vor 75 Jahren kapitulierte die Deutsche Wehrmacht, der 2. Weltkrieg war vorüber. Die Möglichkeiten des Gedenkens an diesen historischen Tag im öffentlichen Rahmen sind wegen Corona begrenzt, dennoch nahm sich der Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid Zeit, vor dem Pferdestall auf dem Innenhof des Quimperplatzes in einem Pressegespräch fünf Schicksale vorzustellen. Der fünfköpfige Vorstand erinnerte an Remscheider, die unter dem Nazi-Terror verfolgt wurden und vielfach starben. Francesco Lo Pinto gedachte Ludwig Steil. 

Der Lüttringhauser, der am 29. Oktober 1900 als Sohn eines Pfarrers geboren worden und nach seinem Theologiestudium als Hilfsprediger in der Stiftung Tannenhof tätig war. Von Beginn der Nazi-Herrschaft gehörte er zu entschiedenen Vertretern der Bekennenden Kirche in Westfalen. Aufgrund seiner Ablehnung des Nationalsozialismus, wurde Steil von der Gestapo beobachtet und am 11. September 1944 verhaftet, wenig später nach Dachau deportiert, wo er unter menschenunwürdigen Umständen am 17. Januar 1945 starb.

Remscheid: Zwei Remscheider Schwestern überlebten Auschwitz

Andrea Blesius hatte sich Magdalena Lavontain herausgepickt, eine Sinti, die im Gründerhammer Nr. 2 im Morsbachtal lebte, bevor sie Anfang März 1943 mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert wurde. Über die Freiheit-straße gingen fast alle in den Tod. Acht Familienmitglieder starben in KZs, Magdalena und ihre Schwester Wilhelmine überlebten als Einzige. Magdalena Lavontain sagte im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963 aus, dann verliert sich ihre Spur. Sie wäre heute 95 Jahre alt. 

Als Kommunist verfolgt wurde Hans Hofmann, geboren am 10. November 1909. Nick Jannis Schmeisser stellte sein kurzes Leben vor. Hofmann überlebte zwar eine Zuchthausstrafe mit schweren Misshandlungen und einen Fronteinsatz als Bewährungssoldat in Afrika, kehrte nach Remscheid zurück, wo er von 1948 bis 1950 als Ratsmitglied und Bürgermeister aktiv war, später als Landtagsabgeordneter beim Wiederaufbau half und sich für Wiedergutmachungsleistungen einsetzte, dann aber 1954 bei einem Autounfall umkam.

Über Karl Wilhelm Altena ist nicht viel bekannt, gestand Klaus Blumberg. Der Klempner vom Blaffertsberg wurde am 16. April 1945 auf dem Bahnhof Lüttringhausen von den gefürchteten Feldjägern aufgegriffen. Ohne gültige Marschpapiere wurde der 33-jährige Familienvater als Deserteur in der nahe gelegenen Gaststätte Waldmüller von einem Standgericht zum Tode verurteilt und tags darauf in Ronsdorf erschossen.

Ein wahrer Freund

Einen „wahren Freund“ stellte Hans Heinz Schumacher vor: den ehemaligen EMA-Schüler Siegmund Freund. Der junge Jude überlebte KZs und Todesmärsche, emigrierte nach New York, siedelte nach Deutschland zurück. Am 29. Juni wird er in Frankfurt 100. Geburtstag feiern.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

SPD will Straße nach Willi Hartkopf benennen
SPD will Straße nach Willi Hartkopf benennen
38 Prostituierte sind in Remscheid gemeldet
38 Prostituierte sind in Remscheid gemeldet
Die Container für die Sophie-Scholl-Gesamtschule kommen
Die Container für die Sophie-Scholl-Gesamtschule kommen
Polizei ermittelt nach Mülltonnen-Brand in Lüttringhausen
Polizei ermittelt nach Mülltonnen-Brand in Lüttringhausen

Kommentare