Verkehr

Neuer Blitzer hat seit Mai 2250 Temposünder ertappt

Der Blitzer im Einsatz: Hier noch am Neuplatzer Weg.
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Der Blitzer ist in Remscheid im Einsatz: Hier noch am Neuplatzer Weg.

Die Stadt Remscheid hat die mobile Blitzer-Anlage in Betrieb genommen. Der graue Kasten kann versetzt werden.

  • Seit Anfang Mai hat die Stadt Remscheid einen mobilen Blitzer im Einsatz.
  • Bisher wurden damit bereits 2.250 Fahrzeuge geblitzt, die zu schnell unterwegs waren.
  • Der Blitzer stand schon an der Freiheitstraße, dem Neuplatzer Weg und an der Strucker Straße.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Seit Anfang Mai steht ein mausgrauer Kasten an den Straßen Remscheids, der Beweismittel bei Raserei sammelt: Rund 220 000 Euro hat die Anschaffung der Blitzanlage gekostet. Diese Investition wird sich nach ersten Erkenntnissen binnen einiger Monate auszahlen. Denn: Bereits jetzt schoss das Gerät in Remscheid bezogen auf Mai und Juni Fotos von 2250 Verkehrsteilnehmern, die zu schnell unterwegs waren. Dies Bilder ziehen Verwarn- beziehungsweise Bußgeld in einer Gesamthöhe von bis zu 95 000 Euro nach sich. „Dabei handelt es sich aber um Bruttowerte“, erklärt Ordnungsamtschef Jürgen Beckmann. „Davon müssen wir die Einsatzfahrten von Polizei und dem Rettungsdienst abziehen, die schneller fahren dürfen, um zu ihren Einsatzorten zu gelangen.“

Bei dem grauen Kasten handelt es sich um eine semistationäre Anlage: Das heißt: Mitarbeiter der Stadt können sie von einer Stelle zur nächsten transportieren – je nachdem, wo Bedarf festgestellt wird. In einer Testphase war sie bereits im Spätsommer 2019 an der Freiheitstraße im Einsatz, wo zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30 gilt. Mit diesem Limit sollen die Anwohner vor nächtlichem Autolärm geschützt werden. „Ohne Kontrollen wird hier Tempo 30 aber wohl kaum beachtet“, findet Beckmann. Seine Einschätzung wird durch Zahlen untermauert: Drei Monate, nachdem im März 2019 das Tempolimit eingeführt wurde, waren 85 Prozent der Fahrzeuge auf der Freiheitstraße nachts schneller als 50 Stundenkilometer unterwegs. Das hatte damals aber noch keine Konsequenzen. Die Stadt wollte eine Eingewöhnungszeit abwarten und verzichtete zunächst aufs Blitzen.

Remscheid: Zu schnell und geblitzt – Unklarheit beim Bußgeldkatalog

Diese Zeiten sind vorbei: Das Gerät, das sich nun im Besitz Remscheids befindet, wurde nach dem Erwerb erneut an der Freiheitstraße aufgestellt. Im Mai zählte Beckmann hier 1095 Tempoverstöße. Zwischenzeitlich versah der Kasten seinen Dienst an anderen Stelle im Stadtgebiet. „Wir haben unter anderem die Anlage in einen verkehrsberuhigten Bereich an der Strucker Straße gestellt“, blickt Beckmann zurück. Auch hier schoss das Gerät jede Menge Fotos. Bezogen auf den Juni erwartet Beckmann insgesamt rund 1100 Verfahren.

Ob diese aber nach dem neuen oder nach dem alten Bußgeld-Katalog abgewickelt werden, steht einstweilen noch nicht fest. Die verschärften Sanktionen, die seit Ende April gelten, ziehen innerorts bereits ein Fahrverbot von vier Wochen nach sich, wenn der Temposünder 21 Stundenkilometer zu schnell war. Die Regelung könnte wegen eines Formfehlers bei der Bundesverordnung aber wieder außer Kraft treten. „Wir warten auf ein Signal aus Düsseldorf, wie wir mit dem Thema verfahren sollen“, erklärt Heiko Sucic, zuständiger Mitarbeiter des Ordnungsamts. 

Standpunkt: Aus dem Verkehr ziehen

frank.michalczak@rga-online.de

Ein Kommentar von Frank Michalczak

Der neue Bußgeldkatalog, der seit Ende April gilt und längst wieder zur Debatte steht, bringt unangenehme Folgen für so manchen Autofahrer auf der Freiheitstraße mit sich. Denn: Wer innerorts 21 Stundenkilometer zu schnell ist, verliert seinen Führerschein für vier Wochen. Das Risiko, diesen Wert auf der gut ausgebauten Bundesstraße 229 nach 22 Uhr zu erreichen, ist groß. Denn sie ist dann Tempo 30-Zone. Und dies betrifft nun wirklich nicht nur Raser, die dort ganz bewusst mit 100 Stundenkilometern oder mehr und mit heulenden Motoren unterwegs sind. Dass diese Zeitgenossen drakonische Strafen verdienen, dürfte unzweifelhaft sein. Was aber ist mit Autofahrern, die etwas gedankenverloren plötzlich 53 km/h auf dem Tacho stehen haben – so wie es tagsüber dürfen? Ein vierwöchiges Fahrverbot als Strafe ist übertrieben. 

Es ist notwendig, dass eklatantes Fehlverhalten im Straßenverkehr Konsequenzen nach sich zieht – etwa bei Raserei vor Kindergärten und Schulen oder beim Drängeln auf der Autobahn. Aber diese Konsequenzen müssen ausgewogen und gerecht sein. Daher gehört der neue Bußgeldkatalog aus dem Verkehr gezogen.

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