Berlinale

Nachwuchs-Filmstar Jonas Dassler wird erneut ausgezeichnet

Jonas Dassler auf der Berlinale 2019.
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Jonas Dassler auf der Berlinale 2019.

Jonas Dassler ist Deutschlands Schauspieler der Stunde. Im Gespräch mit dem RGA erklärt der Remscheider, was ihn antreibt, warum er kein Auto fährt und was er von Influencern hält.

  • Der in Remscheid geborene 23-jährige Jonas Dassler wird bei dem Filmfestival in Berlin als einer von zehn europäischen Nachwuchsschauspielern gekürt.
  • Seit 2017 ist Jonas Dassler festes Ensemblemitglied am Maxim-Gorki-Theater in Berlin.
  • Jonas Dassler hat keinen Führerschein, liebt es, mit dem Rad unterwegs zu sein oder mit der Bahn.
In der EMA-Theater-AG von Lehrerin Beate Rüter lernte er die Schönheit und Kraft kennen, die vom Schauspiel ausgeht: Jonas Dassler. 

Remscheid. Zu seinen Auszeichnungen in jungen Jahren gesellt sich für Jonas Dassler auf der Berlinale kommenden Montag eine weitere. Der 23-jährige Remscheider wird bei dem Filmfestival in Berlin als einer von zehn europäischen Nachwuchsschauspielern gekürt. Die Jury würdigt damit unter anderem seine Rolle als St. Pauli-Frauenmörder Fritz Honka in Fatih Akins „Der goldene Handschuh“. Dort sei er tief in die Abgründe der menschlichen Seele eingetaucht, habe aber auch die menschliche Seite eines Monsters zum Vorschein gebracht. 

Seit 2017 ist Dassler festes Ensemblemitglied am Maxim-Gorki-Theater in Berlin und spielte in Kinofilmen wie „Werk ohne Autor“ oder „Das schweigende Klassenzimmer“. AWe

Schauspieler Jonas Dassler aus Remscheid besuchte das EMA-Gymnasium

Artikel vom 7.3.2020

Von Andreas Weber

Sein ehemaliger Schulleiter am EMA-Gymnasium entdeckte früh seine Entertainer-Qualitäten. „Ich glaube, es war beim Sitzkissen-Spektakel in der Aula, wo Jonas mit der Gitarre sang.“ Der kann andere in den Bann ziehen, staunte Hans Heinz Schumacher. Jonas Dassler ist heute noch der Song präsent, den er als Fünftklässler anstimmte: „2000 Mädchen“ von den Ärzten. Ja, am Musikmachen fand er stets Gefallen, erklärt der 22-Jährige im RGA-Interview.

Mit Tim und Yannick gründete Jonas 2008 eine Schülerband. Moodyration hieß sie und trat beim Schülerrockfestival auf. Im Internet ist nachzulesen, was sie einst antrieb, erste eigene Songs zu schreiben: „Wir hatten nur Spaß und das große Verlangen nach Musik, Kreativität und Rhythmus.“ Das ist bis heute so geblieben.

Der vielbeschäftigte Schauspieler kehrt immer wieder in die Heimat nach Remscheid zurück

Wenn der vielbeschäftigte Schauspieler aus Berlin auf Stippvisite in die Heimat zurückkehrt, geht’s vom Bahnhof in den Keller seines Elternhauses an der Emilienstraße, um dort mit Vater Joachim, Schlagzeuger bei der Oldie-Band Timeless, und seiner Mutter Anja zu jammen und das fortzusetzen, was einst als musikalische Früherziehung mit Mama und Papa begann. Den Singer/Songwriter zum Beruf zu machen, war für Jonas Dassler jedoch weit weg.

Lesen Sie auch: Tränen bei der Filmpreis-Verleihung

„Ich hätte nie Musik studieren können, weil mir die technischen Fähigkeiten fehlen. Und Lust auf Notenlernen hatte ich nicht“, räumt er ein und sagt einen Satz, der angesichts seiner Kickstart-Karriere in der Filmwelt bemerkenswert ist: „Als Musiker entdeckt zu werden, ist ungeheuer schwierig.“ Nicht minder als Schauspieler. Jonas Dassler hat es trotzdem gepackt. Irgendwie griffen mehrere Rädchen ineinander, was er im Nachhinein so einordnet: „Ich glaube eher an Zufälle als an Schicksal.“

Remscheid: Für soziale Medien hat Jonas Dassler keine Muße

Über Kontakte, die er mit Beate Rüters Theater AG am EMA beim Schultheater der Länder in Schwerin geknüpft hatte, landete er im Mai 2014 bei der Gartenparty vom Berliner Festspielhaus, kurz bevor er seine Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch begann. „Dort bin ich von einer Casterin angesprochen worden.“

So bekam Jonas Dassler seine erste Kino-Rolle in „Uns geht es gut“ (2015). Als Tim, der Teil einer fünfköpfigen Clique ist, die im Sommer durch eine Großstadt streunt. Es folgte „LOMO – The language of many others“ (2017), eine Produktion, die ihm die erste Hauptrolle eintrug, als Jugendlicher Karl, der die Abgründe der digitalen Welt schmerzlich erfährt.

Privat ist das Smartphone für Jonas Dassler kein Lebensinhalt: „Ich habe keine Muße für soziale Medien oder lade Fotos hoch, um mich selbst darzustellen. Das mache ich doch schon beruflich auf der Bühne.“ Das grassierende Betätigungsfeld des Influencers findet der gefeierte Nachwuchsschauspieler bedenklich: „Ich habe keine Lust, Teil einer gigantischen Werbeszenerie zu sein und andere zu beeinflussen“, erzählt er beim Telefoninterview, während er im Schöneberger Park mit dem Rad eine Kaffeepause auf dem Weg zu einem Termin einlegt.

Dassler hat keinen Führerschein, liebt es, mit dem Rad unterwegs zu sein oder mit der Bahn. In Berlin sind dies sowieso die bequemsten Fortbewegungsmittel. Für den Klimaschutz verzichtet er, wann immer es geht, auch auf den Flieger. Außerhalb Europas ist er noch nie gewesen. Auch nicht in Los Angeles, wo jüngst „Werk ohne Autor“ (2018), zur Oscar-Nominierung stand.

„Heute wirst du gefeiert, morgen kann es vorbei sein.“
Jonas Dassler, Schauspieler

Eine fünfköpfige deutsche Delegation um Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck und vier Schauspieler war in Hollywood dabei. Jonas Dassler, der in „Werk ohne Autor“ keine Hauptrolle spielte, verfolgte die Preisverleihung aus der Ferne: „Hollywood ist so weit weg, eine große Blase.“ Ein bisschen unheimlich ist ihm diese glitzernde Filmmaschinerie.

Jonas Dassler hat bereits mehrere Preise eingeheimst

Mehrere Preise hat er bereits eingeheimst, unter anderem für seine Rolle in dem DDR-Drama „Das schweigende Klassenzimmer“ (2017). Dassler nimmt Auszeichnungen gelassen. Über Preise freue man sich am Abend der Verleihung, schnell aber sei der Dopamin-Spiegel runter, kämen die Selbstzweifel wieder und die tägliche Arbeit, hat er in einem Interview der Berliner Morgenpost sinniert.

Karriere? Jonas Dassler folgt keinem Plan. „Et kütt wie et kütt. Das Leben ist ein Fluss, man weiß nie, welche Abzweigung er nimmt.“ Jonas Dassler will nicht missverstanden werden. Er schätzt Erfolg, bleibt aber demütig: „Erfolg ist ein Konstrukt: Heute wirst du gefeiert, morgen kann es vorbei sein.“ Es ist die „Arbeit mit tollen Menschen“, das „tägliche Lernen“, die ihn antreiben.

Sein festes Engagement am Maxim-Gorki-Theater setzt er fort

Wie in „Der Goldene Handschuh“, Fatih Akins vieldiskutiertem und gerade im Kino angelaufenem Horrorfilm über den St. Pauli-Frauenmörder Fritz Honka, in den sich Jonas Dassler an 30 Drehtagen in jeweils dreistündiger Arbeit in der Maske verwandelte.

Die Rolle war ein Eintauchen in den Bodensatz menschlicher Existenz. Jonas Dassler lernte im Sommer 2018, zur Zeit der Fußball-WM, die Hamburger Kiez-Pinte „Der Goldene Handschuh“ und Betreiber Sascha Nürnberg kennen, ließ sich dort für den Dreh inspirieren. „Eine solche Kneipe gibt es nirgendwo sonst. Das ist wie eine Parallelwelt, 24 Stunden an 7 Tagen geöffnet.“ Die Wochenzeitung „Die Zeit“ widmete Jonas Dasslers famoser Transformation in eine Bestie eine Seite im Feuilleton und mutmaßte in der Überschrift: „Diese Rolle wird er nicht mehr los.“ Dassler schwächt ab: „Jede Rolle, jeder Dreh ist eine Lebenserfahrung.“ Fraglos habe er als Honka aber noch nie einen Film mit einer solchen medialen Tragweite gedreht.

Im Mai wird er wieder vor der Kamera stehen, verrät er. Details gibt Dassler noch nicht preis, nur so viel: „Es wird etwas komplett anderes als ,Der Goldene Handschuh’ sein.“ Sein festes Engagement im Ensemble des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin würde er gerne fortsetzen. „Ich bin glücklich. Ich habe in dem Haus einen Hafen gefunden, in dem ich mich wohlfühle.“

ZUR PERSON

JONAS DASSLER geboren am 22. März 1996 in Remscheid; Abitur am EMA-Gymnasium, wo er ab der achten Klasse die Theater-AG besuchte. AG-Leiterin Beate Rüter lockte ihn damals vom Inliner-Hockey bei den Bravehearts weg. Seine erste Rolle auf der Schulbühne war der Andri in „Andorra“ von Max Frisch. Nach dem Abi 2014 wechselte er zum Schauspielstudium an die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Seit der Spielzeit 2017/18 hat Dassler ein festes Engagement am Maxim-Gorki-Theater/Berlin.

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