Aufruf

Lothar Schwengbeck sucht seinen Lebensretter

Lothar Schwengbeck (r.) erlitt am 3. Juni im Bus der Linie 655 einen Zuckerschock. Busfahrer Michael Peucker hielt sofort in der Unterführung an der Bismarckstraße an und half dem unbekannten Retter, Lothar Schwengbeck in die stabile Seitenlage zu bringen. Dann rief er den Notarzt.
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Lothar Schwengbeck (r.) erlitt am 3. Juni im Bus der Linie 655 einen Zuckerschock. Busfahrer Michael Peucker hielt sofort in der Unterführung an der Bismarckstraße an und half dem unbekannten Retter, Lothar Schwengbeck in die stabile Seitenlage zu bringen. Dann rief er den Notarzt.

62-Jähriger brach vor zwei Wochen im Bus zusammen – Ein unbekannter Mann half dem Diabetiker – Der RGA hilft bei der Suche.

  • Gesucht wird ein etwa 40 bis 45 Jahre alter Mann, der am Mittwoch, 3. Juni, gegen 10 Uhr mit der Linie 655 in Richtung Ebert-Platz fuhr.
  • Er wusste, was zu tun war, als Lothar Schwengbeck einen Zuckerschock hatte.
  • Eventuell ist der Gesuchte selbst Diabetiker.

Von Melissa Wienzek 

Remscheid. Die voll besetzte 655 steuert auf den Zentralpunkt zu. In diesem Moment merkt Fahrgast Lothar Schwengbeck, dass seine Beine schwach werden. Er will ein Stück Traubenzucker aus seiner Tasche ziehen – doch dazu kommt er nicht mehr. Auf der Bismarckstraße kippt der 62-jährige Remscheider vom Notsitz nach vorne in den Gang – er ist bewusstlos. „Ich habe noch mitbekommen, wie ein Mann schrie, der Busfahrer solle den Bus anhalten“, erzählt Lothar Schwengbeck. Was Busfahrer Michael Peucker (55) auch sofort tat. In der Unterführung an der Bismarckstraße blieb die 655 stehen. Peucker und der unbekannte Mann brachten den kollabierten Fahrgast in eine stabile Seitenlage. Er habe zwar einiges um sich herum gehört, konnte sich aber weder bewegen noch äußern, erzählt Schwengbeck. Die Diagnose: Zuckerschock. Der 62-Jährige ist Diabetiker. „Mein Lebensretter hat dann schnell meine Notfallspritze aus meiner Tasche gezogen und sie mir verabreicht.“

Remscheid: Mann kippt in Bus um – andere Fahrgäste beschweren sich

Die anderen Fahrgäste seien unruhig geworden, manche hätten sich beschwert, der Bus solle endlich weiterfahren. „Das war für mich eigentlich das Schlimmste in der Situation“, sagt Busfahrer Michael Peucker. Eine Frau habe sich gar darüber aufgeregt, dass der Kollabierte sie im Fall touchiert habe. Doch der unbekannte Mann habe die anderen Fahrgäste angeraunzt und Verständnis für den hilflosen Lothar Schwengbeck gefordert. Busfahrer Michael Peucker bat dann den Fahrer des nächsten 655-Busses, seine Fahrgäste mitzunehmen und verschloss die Tür seines Wagens. Das Gezeter von Autofahrern, weil der Bus teilweise die Straße versperrte, war ihm egal. „Ich habe eine Verantwortung für all diejenigen, die hinter mir sitzen. Natürlich hilft man sofort, egal, was passiert“, sagt Peucker, der seit acht Jahren Busfahrer bei den Stadtwerken Remscheid ist.

„Wenn dieser Mann nicht gewesen wäre, wäre ich nicht mehr.“
Lothar Schwengbeck

„Der unbekannte Mann kannte sich offenbar mit Diabetes aus. Er hat auch sofort Ihren Blutzuckerwert gemessen“, erzählt Michael Peucker beim Treffen mit Lothar Schwengbeck auf dem Ebert-Platz. Hier bedankte sich der 62-Jährige am Dienstag bei dem 55-Jährigen, den viele als „Lolli-Busfahrer“ kennen. Denn der versüßt vor allem Kindern oft die Fahrt mit Gummibärchen oder mit Schoko-Nikoläusen zu Weihnachten, finanziert aus der eigenen Tasche. „Ich bin froh, dass es Ihnen jetzt wieder bessergeht“, sagt Peucker zu Schwengbeck. „Sie waren im Bus sogar drei Mal weg.“

Remscheid: Lebensretter kannte sich wohl mit Diabetikern aus

Eine Woche musste Lothar Schwengbeck im Sana-Klinikum bleiben, bis er wieder fit war. Selbst die Ärzte hätten die super Vorarbeit des Lebensretters in der Notfallsituation gelobt. Allen anderen möchte der Remscheider sagen: „Jeder sollte einen Erste-Hilfe-Kurs machen, nicht nur, wenn er den Führerschein macht.“

Gemeinsam mit dem RGA und den Stadtwerken Remscheid sucht Lothar Schwengbeck nun seinen Lebensretter. „Wenn dieser Mann nicht gewesen wäre, wäre ich nicht mehr“, betont der 62-Jährige, der im Südbezirk lebt. Gesucht wird ein etwa 40 bis 45 Jahre alter Mann, der am Mittwoch, 3. Juni, gegen 10 Uhr mit der Linie 655 in Richtung Ebert-Platz fuhr. Er soll am Zentralpunkt eingestiegen sein. Busfahrer Michael Peucker beschreibt den Lebensretter als „bärenstarken Mann“, „breit gebaut“, mit lichtem Haar und blauem Hemd. Außerdem scheint der Mann selbst Diabetiker zu sein. Auch ein Aufruf in der Facebook-Gruppe „Remscheider unter Remscheidern“ brachte bislang keinen Erfolg.

Daher: Lieber Lebensretter, wer sind Sie? Lothar Schwengbeck möchte sich persönlich bei dem Mann bedanken, der dafür gesorgt hat, dass er seine Tochter wieder in die Arme schließen kann. „Ich habe großen Respekt vor dem Mann.“ Falls diese Beschreibung auf Sie zutrifft, unbekannter Helfer, dann melden Sie sich gern bei RGA-Redakteurin Melissa Wienzek, Tel. (0 21 91) 9 09-2 18, oder per E-Mail.

melissa.wienzek@rga-online.de

Fahrende Notrufsäule

Einmal im Jahr werden die 210 Busfahrer der Stadtwerke Remscheid geschult, auch in Erster Hilfe. Zudem fungieren die Busse als „fahrende Notrufsäulen“, sagt Oberverkehrsmeister Christian Johannsen. Wer Hilfe der Polizei im Bus oder an einer Haltestelle benötigen, kann den Fahrer ansprechen. Er gibt den Notruf per Funk sofort an die Leitstelle weiter, die mit der Polizei und der Feuerwehr verbunden ist.

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